Eishockey
Playoff-Final
Bührers fast perfektes Spiel
Der Grat zwischen Held und tragischer Figur ist schmal. Dies musste auch SCB-Keeper Marco Bührer bei der 1:2-Heimniederlage im 5. Finalspiel gegen die ZSC Lions erfahren. Der sonst so tadellose Schlussmann liess im entscheidenden Moment einen haltbaren Schuss passieren.
Marco Bührer lief in den bisherigen Playoff-Partien zur Höchstform auf. Der Torhüter des SC Bern weist eine Fangquote von über 95 Prozent auf und kassierte in den bisherigen 15 Partien erst 23 Tore. Gegen die ZSC Lions feierte er 2 Spiele in Folge einen Shutout und blieb während 154 Minuten und 15 Sekunden ohne Gegentreffer.
Beim 1. Gegentreffer chancenlos
Bührer brachte die ZSC Lions in den Partien 3 und 4 sowie bis zur Spielmitte der 5. Begegnung mit zum Teil Weltklasse-Paraden beinahe zur Verzweiflung. Domenico Pittis konnte die über zweieinhalb Stunden andauernde Torflaute der Zürcher schliesslich beenden. Thibaut Monnet hatte sich auf der rechten Seite durchgesetzt und bediente in der Mitte den Kanadier, der Bührer mit seinem Ablenker keine Chance liess.
Die Berner traten in Spiel 5 im Vergleich zu den ersten Partien defensiv phasenweise viel nachlässiger auf. Bührer hexte den SCB mit seinen Paraden bis in die 10. Minute der Verlängerung. Es grenzt schon fast an Ironie, dass die Lions mit einem Verzweiflungsschuss zum Sieg kamen. «Ich habe nicht gross überlegt und wollte den Puck einfach aufs Tor bringen», sagte Siegesschütze Mathias Seger, der sich selbst nicht als grossen Skorer bezeichnet, nach dem Spiel.
Rottaris: «Bührer fehlte eine Parade»
Dass der Treffer eher glücklich zustande kam, weiss auch der ZSC-Captain. «In 99 von 100 Fällen hält Bührer einen solchen Schuss», so Seger. Der Rekordinternationale spricht somit an, was wohl auch vielen SCB-Fans durch den Kopf gegangen sein wird: Segers Schuss war durchaus haltbar. Trotzdem wird niemand Bührer die Schuld an der Niederlage zuschreiben. Denn vor allem im SCB-Lager weiss man, dass der Schlussmann den wohl grössten Anteil am bisherigen Erfolg der «Mutzen» hat.
Eishockey-Experte Mario Rottaris brachte es in seiner Analyse auf den Punkt: «Zu sagen, dass ein Torhüter-Fehler die Partie entschieden hätte, wäre falsch. Viel eher fehlte Marco Bührer eine Parade zum perfekten Match.» So wurde Bührer statt zum gefeierten Held zur tragischen Figur. Gelingt Bührer am Samstag ein solches perfektes Spiel, dann stehen die Chancen gut, dass der SCB seit Einführung der Playoffs den 6. von 7 Meistertiteln auf fremden Eis feiern wird.
(sta)


