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UEFA EURO 2012™

Polen

Vorfreude, Stolz und Kritik

Freitag, 30. März 2012, 15:22 Uhr

Gut zwei Monate vor dem EURO-Eröffnungsspiel in Warschau herrscht in Polen eine gespannte Erwartungshaltung. Die Menschen sind stolz, sich Europa als Co-Gastgeber präsentieren zu dürfen. Für Unmut sorgen nicht fertig gestellte Infrastrukturbauten und Restriktionen der UEFA, wie Radio-DRS-Korrespondent Marc Lehmann erklärt.

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Von Euphorie ist in Polen gut zwei Montate vor dem Ankick zur EURO noch wenig zu spüren, erklärt Marc Lehmann. «Die Europameisterschaft ist zwar ein Thema, aber das richtige Fussball-Fieber wird wohl erst kurz vor Turnierbeginn ausbrechen», so der Korrespondent von Radio DRS. Dies erstaunt nicht, auch in der Schweiz setzte die Euphorie vor vier Jahren erst mit der Ankunft der ersten Teams so richtig ein.

Die Klischees widerlegen

Vielmehr beherrschen noch nicht fertig gestellte Infrastrukturprojekte die Schlagzeilen und Diskussionen. Zur durchaus berechtigten Kritik gesellt sich laut Lehmann aber auch viel Stolz über die bereits fertig gestellten Bauten: «Innert kurzer Frist sind beispielweise hunderte von Autobahnkilometern erstellt worden und die neuen Stadien sind fantastisch.» Diese Leistungen würden in der Berichterstattung teilweise zu wenig gewürdigt, meint Lehmann.

Stolz ist der überwiegende Teil der Bevölkerung Polens auch darauf, einen Grossanlass wie die EURO organisieren zu dürfen. Das Land erhält eine Medienpräsenz wie nie zuvor und erhofft sich davon eine nachhaltige Wirkung für den Tourismus. «So fiebert man in Polen der EURO entgegen und hofft, dass sie ohne Probleme über die Bühne geht. Man will keine Klischees über Osteuropa bestätigt sehen, sondern beweisen, dass man eine Europameisterschaft organisieren kann», erklärt Lehmann, «es herrscht eine gespannte Vorfreude.»

Unmut über Restriktionen

Gedämpft wird die Vorfreude durch die restriktive Haltung der UEFA in vielerlei Hinsicht. Wie schon bei vergangenen Welt- und Europameisterschaften in anderen Ländern stört sich auch die die polnische Bevölkerung daran, dass das propagierte «Volksfest» in ausgewiesenen Fanzonen mit spezifischer Werbung stattfinden muss, wo das entsprechende Bier des Sponsors ausgeschenkt wird. «Die UEFA bestimmt und kassiert, so der Grundton der Kritik, welche auch in Polen laut wird»,  erläutert Lehmann.

Dem gegenüber steht die grosse Vorfreude, Europas Topteams und Fans aus allen Ecken des Kontinents zu Gast zu haben. Dass 13 der 16 Teams in Polen residieren werden, freut die Leute zusätzlich. «Ich war kürzlich in Poznan, wo Irland spielen wird. Die Leute freuen sich wahnsinnig auf die irischen Fussballfans und die Stimmung, welche sie in die Stadt bringen werden», so Lehmann.

Es braucht keine «perfekte» EURO

Nicht vermiesen lassen werden sich die polnischen Fans die Stimmung durch ein allfälliges frühes Scheitern ihres Teams. Die Erwartungshaltung ist relativ bescheiden. Das Erreichen der K.o.-Runde scheint in der auf dem Papier einfachen Gruppe Polens (Griechenland, Russland, Tschechien) zwar nicht unmöglich. «Doch sollte Polen in den Gruppenspielen scheitern, würde sich die Enttäuschung in Grenzen halten. Die Leute wissen: Für die Musik werden wohl andere Teams sorgen», sagt Lehmann.

Bis die Musik spielt, dauert es noch zwei Monate. Mit einem Mix aus Vorfreude, Stolz und Kritik wartet man in Polen darauf. Ganz reibungslos wird die EURO 2012 wohl nicht verlaufen. Das muss sie auch nicht, sagt Lehmann: «Polen ist mit der Ausrichtung solchen Mega-Events nicht erfahren. Da muss man damit rechnen, dass nicht alles perfekt funktioniert.» Trotzdem ist er sich sicher: «Dieses Fussballfest wird eine gute Sache!»

(gaf)