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Davis Cup

Die USA auf der Suche nach altem Glanz

Donnerstag, 9. Februar 2012, 23:43 Uhr

Mit 32 Titeln sind die USA alleiniger Rekordsieger im Davis Cup. Der letzte Triumph liegt jedoch bereits 5 Jahre zurück. Für den verblassten Glanz beim Erstrunden-Gegner der Schweiz an diesem Wochenende gibt es 3 Gründe.

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Davis Cup: Die einstige Tennis-Grossmacht USA

Ende 2007 stemmten Andy Roddick, James Blake sowie die Zwillinge Bob und Mike Bryan die Davis-Cup-Trophäe in die Höhe. Das 4:1 gegen Russland war die vorerst letzte Erfolgsmeldung in der grossen amerikanischen Tennis-Geschichte.

Umbruch im US-Team

Ein 1. Grund für die Baisse der Amerikaner in den letzten Jahren liegt im Umbruch. Gegen die Schweiz fehlen im US-Team gleich 3 der Davis-Cup-Helden. Für Jon Wertheim, einen der renommiertesten amerikanischen Sportjournalisten, ein deutliches Indiz, dass sich das Tennis in den USA momentan in einer Veränderungsphase befindet. «Es ist eine harte Zeit für das amerikanische Tennis. Roddick und Blake stehen am Ende ihrer Karriere, und für Ryan Harrison ist es noch etwas zu früh», sagt der Sportbuch-Autor und Tennis-Kommentator.

Der 19-jährige Harrison (ATP 95) ist erst zum 2. Mal beim Davis Cup dabei. Für ihn geht es noch darum, Erfahrungen zu sammeln. Die amerikanischen Davis-Cup-Hoffnungen ruhen auf  Mardy Fish (ATP 8). Er ist momentan der einzige Amerikaner in den Top 10. Zum Vergleich: 1992 im Final gegen die Schweiz stellten die Amerikaner mit Jim Courier, Pete Sampras und Andre Agassi gleich drei Top-10-Spieler.

Football, Basketball – oder doch Tennis?

Grund 2 für den internationalen Tennis-Abstieg der USA ist laut Jon Wertheim selbstgemacht: Die Konkurrenz durch andere Sportarten. Denn beliebte Sportarten wie Football, Basketball oder Baseball laufen dem Tennis in Übersee den Rang ab. «Als sportlich talentiertes Kind hast du enorm viele Möglichkeiten», sagt Wertheim.

Hier sei gerade der Football ein grosser Konkurrent. Der Super Bowl stellte dies am vergangenen Sonntag gerade eindrücklich unter Beweis. Das Sportspektakel lockte in diesem Jahr durchschnittlich 111,3 Millionen Amerikaner vor den Fernseher – so viele wie noch nie. Für Wertheim steht fest: «Der Tennis-Verband muss etwas ändern. Und er weiss das auch.»

«Hungrige» Konkurrenten

Der 3. Grund für den Verlust der Vormachtstellung ist die internationale Konkurrenz. «Spieler aus anderen Ländern sind hungriger», sagt Tennis-Legende Martina Navratilova. «An grossen Turnieren sind deshalb immer mehr Nationen vertreten», so die in Florida lebende Kommentatorin des Tennis Channels.

Für die Entwicklung des Tennis-Sports ist dies eine gute Sache, für die Amerikaner aber wenig erfreulich. Früher kämpfen sie fast immer gegen Australien, Grossbritannien oder Frankreich um den Pokal. Heute haben viel mehr Nationen das Potenzial zum Titelgewinn. In den letzten 4 Jahren holte Spanien dreimal den Davis Cup, 2010 ging die Trophäe zum 1. Mal nach Serbien.

Für die erfolgsverwöhnten Amerikaner war jeweils bereits vor dem Final Endstation. Aktuell liegt die USA nur auf Rang 6 der Weltrangliste, noch hinter Argentinien und Tschechien.

Navratilova: «Schweiz ist Favorit»

Gegen die Schweiz haben die Amerikaner von Freitag bis Sonntag in Fribourg die nächste Gelegenheit, den alten Glanz wieder aufzupolieren. Dass sich der Erfolg so schnell wieder einstellt, traut Martina Navratilova den Amerikanern aber nicht zu. «Die Schweiz ist Favorit. Dies wäre auch so, wenn Andy Roddick spielen würde», sagt die Tennis-Expertin.

Vermutlich wird es also noch etwas dauern, bis das nächste Kapitel in der ruhmreichen Tennis-Saga der Amerikaner geschrieben wird.

(Christian Walthert)