Ski alpin
Interview
Weirather: «Podestplatz in Abfahrt war Überraschung»
Tina Weirather hat im Weltcup in den letzten Wochen für Furore gesorgt. Vor allem in den Speed-Disziplinen vermochte die Liechtensteinerin mit 4 Podestplätzen zu überzeugen. Im Interview spricht die in ihrer Karriere oft von Verletzungen zurückgeworfene 22-Jährige über ihre Erfolge und ihre Ziele.
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Tina Weirather musste in ihrer noch jungen Karriere bereits oft Rückschläge einstecken. Insgesamt 4 Mal riss sich die Tochter von Hanni Wenzel und Harti Weirather ein Kreuzband (2007 beidseitig, 2008 rechts, 2010 links). Die Karriere des grossen Talents schien schon früh ein jähes Ende zu finden.
Weirather kämpfte sich aber stets zurück. Dieser Kampfgeist wurde schliesslich belohnt. In der laufenden Saison fuhr sie in der Abfahrt 3 Mal (Zweite in Lake Louise, Dritte in St. Moritz, Zweite in Garmisch) sowie im Super-G ein Mal (Zweite in Garmisch) auf das Podest.
Tina Weirather, nach insgesamt 4 Kreuzbandrissen haben Sie in dieser Saison den Durchbruch definitiv geschafft. Haben Sie nach all den Rückschlägen noch daran geglaubt, solche Erfolge zu feiern?
Weirather: Ich hatte schon meine Zweifel. Natürlich habe ich immer gehofft, dass ich die Rückkehr schaffe. Aber es gab schon die eine oder andere Krise. Dass ich jetzt so schnell wieder Erfolge feiern konnte, habe ich selbst nicht erwartet, erst recht nicht in der Abfahrt. Als 17-Jährige war ich bereits einmal nahe bei der Weltspitze, ehe ich mich schwer verletzte. Im Gegensatz zu damals bin ich heute jedoch wirklich auch fähig, konstant in die vorderen Ränge zu fahren.
Auffallend sind ihre Erfolge in den Speed-Disziplinen, insbesondere in der Abfahrt. Wie erklären Sie es sich, dass es vor allem in diesen Disziplinen gut läuft?
Ich hätte nicht erwartet, dass ich meinen ersten Podestplatz in der Abfahrt feiern würde. Wenn man mich im Herbst gefragt hätte, welches meine stärksten Disziplinen sind, hätte ich ganz klar Riesenslalom und Super-G gesagt. In der Abfahrt waren meine Erwartungen weniger gross. Im Moment profitiere ich einfach davon, dass es vor einer Abfahrt jeweils zwei Trainings gibt. So kann ich mich kontinuierlich meiner Bestform nähern, um dann im Rennen Vollgas zu geben.
Sie haben als Juniorin grosse Erfolge im Riesenslalom gefeiert (WM-Gold 2006, WM-Silber 2007 und 2009). Was kann man in den technischen Disziplinen noch von Ihnen erwarten?
Ich bin im Riesenslalom eigentlich genauso gut drauf wie in der Abfahrt und im Super-G. Aber im Riesen muss ich derzeit noch sehr weit hinten starten. Mit hohen Startnummern lässt die Piste oft keine Spitzenzeiten mehr zu. Der Weg an die Spitze ist hier sicher am härtesten, da die Dichte an starken Fahrerinnen sehr hoch ist. Ich brauche einfach noch ein bisschen Zeit, aber das Potenzial im Riesenslalom ist sicher vorhanden.
Sie sind voll ins Schweizer Team integriert. Wie fühlen sie sich im Kreis der Schweizerinnen und wie wichtig ist Ihnen die Arbeit in einem Team?
Sehr wichtig. Es gibt Athletinnen, die lieber alleine trainieren, andere bevorzugen das Teamwork. Ich persönlich bin gerne in eine Mannschaft integriert und bei den Schweizerinnen fühle ich mich so richtig wohl. Der «Spirit» ist momentan sehr gut, es wird professionell gearbeitet und man treibt sich in den Trainings jeden Tag zu Höchstleistungen an. Nur wenn man sich wohl fühlt, kann man auch erfolgreich sein.
Als liechtensteinisch-österreichische Doppelbürgerin hätten Sie auch für Österreich starten können. Bis kurz vor Ihrem 18. Geburtstag bemühte sich der ÖSV um Sie. Was gab den Ausschlag dafür, dass Sie sich für Liechtenstein entschieden?
Bis zum 18. Geburtstag kann man einen Nationenwechsel vornehmen, ohne dass man in der Folge vorübergehend gesperrt wird. Es fanden damals einige Gespräche statt. Dass ich mich schliesslich für Liechtenstein entschieden habe, war vor allem eine emotionale Entscheidung. Ich bin in Liechtenstein aufgewachsen, habe dort das Skifahren gelernt und wurde von meinem Skiclub und dem Verband immer unterstützt.
War für Sie als Tochter der Ski-Legenden Hanni Wenzel und Harti Weirather schon früh klar, dass sie Skirennfahrerin werden möchten?
Für mich stand dies schon als Dreijährige fest. Ich war jedes Wochenende von morgens bis abends auf den Ski. Der Skisport war schon immer das Wichtigste und Schönste in meinem Leben. Dann kamen schon ziemlich schnell die ersten Erfolge bei kleineren Rennen. Auch heute noch ist Skirennfahrerin mein absoluter Traumberuf.
Maria Höfl-Riesch hat kürzlich gesagt, dass die Zukunft im Skisport Ihnen gehört, vor allem in den Speed-Disziplinen. Was halten Sie von dieser Aussage?
Es freut mich natürlich sehr, so etwas zu hören. Man zweifelt oft an sich, ist vor allem mit sich selber beschäftigt und deshalb ist es umso schöner, wenn man von einer Insiderin wie Maria Höfl-Riesch so ein Kompliment erhält. Ob ihre Aussage sich bewahrheitet, kann ich nicht sagen, aber fest steht, dass ich sehr grosse Ziele habe für die Zukunft.
Stichwort Ziele: In einer Woche finden auf der Olympiastrecke in Sotschi eine Abfahrt und eine Super-Kombi statt. Welche Rolle spielt Sotschi 2014 in Ihrer Planung?
Die Olympischen Spiele sind ein grosses Ziel. Jeder Sportler träumt von einer olympischen Medaille. Ich will in 2 Jahren einfach so weit sein, dass ich um die Podestplätze mitfahren kann. Deshalb freue ich mich sehr, dass wir die Strecke in Sotschi testen können. Ich bin immer sehr gespannt auf neue Pisten. Allerdings habe ich in meiner Karriere noch nicht sehr viele Rennen bestritten, sodass in dieser Saison einige Strecken Neuland für mich waren.
(Interview: Curdin Durisch)
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