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«Fall Sion»

Chronologie eines Rechtsstreits

Donnerstag, 26. Januar 2012, 9:52 Uhr, Aktualisiert 19.04.2012, 15:56 Uhr

Der Präsident des FC Sion, Christian Constantin, beschäftigt die Gerichte seit Jahren - ganz besonders jedoch seit vergangenem Sommer, als er trotz eines Transferverbots 6 neue Spieler verpflichtete. Eine Chronologie.

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22. Mai 2012: Auch das Regionalgericht lehnt Klage ab

Das Regionalgericht Bern-Mittelland hat die Klage des FC Sion zur Aufhebung des im Dezember 2011 verfügten Abzugs von 36 Punkten durch den Zentralvorstand des Schweizerischen Fussballverbandes abgelehnt. Sion könnte nun beim Berner Obergericht Berufung einlegen.

19. April 2012: Berner Obergericht entscheidet gegen Sion

Das Berner Obergericht kommt dem Anliegen des FC Sion nicht nach, den Abzug von 36 Punkten aufzuheben. Den Wallisern bleibt damit als letzte Möglichkeit der Gang vor das Bundesgericht.

27. März 2012: Biel protestiert gegen Wertung von Cupspiel

Challenge-League-Klub Biel reicht beim SFV einen Protest gegen die Wertung des Cup-Viertelfinals gegen die Walliser (1:3) ein, weil Sion in den ersten beiden Runden gegen Colombier und Stade Nyonnais einen Teil der im Sommer 2011 verpflichteten Spieler eingesetzt hat. Drei Tage später wurde der Rekurs vom SFV abgelehnt. Begründung: Biel sei nicht legitimiert, Rekurs einzureichen, da es bei den betreffenden Partien nicht beteiligt gewesen war.

23. März: Verfahren gegen Constantin 

Die Disziplinarkommission der SFL eröffnet ein Verfahren gegen Präsident Christian Constantin, da dieser in einem Interview mit der Zeitung «L'Express» gegen die Verhaltensregeln verstossen haben könnte. «CC» bezeichnete Ligaverantwortliche als «dümmlich» und «schäbig».

13. März: Busse wegen unerlaubter Trikotwerbung

Sion wird wegen unerlauber Trikotwerbung im Spiel gegen Servette (26. Februar) mit einer Busse über 20'000 Franken belegt. Die Walliser hatten gegen die Zweitwohnungsinitiative geworben. Politische Werbung verstösst allerdings gegen die SFL-Reglemente. Als Wiederholungstäter (gegen den FCZ am 3. März) setzte es am 26. März eine Busse über 25'000 Franken ab.

15. Februar 2012: Sion aus der ECA ausgeschlossen

Der FC Sion wird von der Interessenvertretung der europäischen Klubs gegenüber UEFA und FIFA, der ECA, ausgeschlossen. Dies, weil die Walliser das TAS nicht anerkennen und sich wiederholt an Zivilgerichte gewandt haben.

7. Februar 2012: Sion scheitert vor der WEKO

Die Wettbewerbskommission WEKO verfolgt eine Klage des FC Sion gegen die UEFA nicht weiter. «Die UEFA verstösst nicht gegen die Prinzipien des freien Wettbewerbs», gab die Kommission bekannt. «Die getroffenen Entscheidungen der Disziplinarorgane stellen keinen Missbrauch einer marktbeherrschenden Stellung dar.»

1. Februar 2012: Beschwerdefrist läuft

Das TAS publiziert die Begründung für das Urteil vom 15. Dezember. Nun hat Sion 30 Tage Zeit, um den Entscheid vor Bundesgericht anzufechten.

12. Januar 2012: Transfersperre vorbei

Die SFL gibt bekannt, dass der FC Sion per sofort wieder Transfers tätigen darf. Sion holt sogleich Cristian Ianu vom FC Luzern. Mehrere der 6 im Sommer geholten Spieler haben den Verein bereits wieder verlassen 

10. Januar 2012: Sion blitzt vor Zivilgericht ab

Das Regionalgericht Bern-Mittelland weist einen 2 Tage zuvor eingereichten Antrag Sions zurück, mit dem Constantin die Rücknahme des Punkteabzugs erwirken wollte.

6. Januar 2012: FIFA zieht Ultimatum zurück

Die FIFA ist zufrieden mit den Ende Dezember gegen Sion ausgesprochenen Sanktionen und zieht ihr Ultimatum gegen den SFV zurück.

30. Dezember 2011: 36 Punkte Abzug

Der Schweizerische Fussballverband zieht Sion für diverse Regelverstösse im Zusammenhang mit dem Transferstreit 36 Punkte in der Meisterschaft ab.

Punkteabzug für FC Sion

29. Dezember 2011: Constantin klagt wegen Nötigung

Constantin verklagt die FIFA vor der Staatsanwaltschaft Zürich-Limmat wegen Nötigung (des SFV).

17. Dezember 2011: Ultimatum der FIFA

Die FIFA stellt dem SFV ein Ultimatum, den FC Sion bis zum 13. Januar 2012 zu bestrafen, ansonsten würden alle Schweizer Teams aus internationalen Wettbewerben ausgeschlossen. 

Wenn zwei sich streiten, leidet der Dritte

15. Dezember 2011: Sion nicht europäisch

Das TAS verweigert Sion die Reintegration in die Europa League der Saison 2011/12.

1. Dezember 2011: Keine Punkte für die Gegner

In einer Stellungnahme verweist die SFL darauf, dass die Spieler aufgrund der superprovisorischen Massnahmen durch das Bezirksgericht Martigny qualifiziert waren und Proteste und Einsprachen der gegnerischen Clubs in dieser Zeit deshalb wirkungslos seien. Sie erhalten aus diesen Direktbegegnungen nachträglich keine Punkte zugesprochen.

16. November 2011: Provisorische Qualifikation aufgehoben

Das Walliser Kantonsgericht widerruft den Entscheid des Bezirksgerichts vom 28. September und gibt der SFL und der FIFA Recht. Die 6 Spieler verlieren ihre provisorische Qualifikation wieder.

19. Oktober 2011: Sperre der sechs Spieler

Die Disziplinarkommission der SFL sperrt die 6 neuen Sion-Spieler für je fünf Spiele, weil sie sich an ein Zivilgericht gewandt haben.

1. Oktober 2011: Sion setzt ganz auf Zivilgericht

Weil die 6 Spieler für den nationalen Spielbetrieb provisorisch qualifiziert sind, zieht Sion den diesbezüglichen Antrag beim TAS zurück.

28. September 2011: Liga wendet sich an höhere Instanz

Das Bezirksgericht Martigny bestätigt seinen Entscheid vom 5. August, aus der superprovisorischen wird eine provisorische Verfügung. Die SFL rekurriert beim Walliser Kantonsgericht.

13. September 2011: UEFA missachtet Gerichtsurteil

Das Waadtländer Kantonsgericht verfügt die Wiederaufnahme des FC Sion in die Europa League. Doch die UEFA setzt die Verfügung nicht um. Michel Platini muss vor dem Kantonsgericht aussagen.

Bild Gelegentlich nimmt Sion die juristische Herausforderung sportlich hin.
Gelegentlich nimmt Sion die juristische Herausforderung sportlich hin. www.fc-sion.ch

9. September 2011: Sion will in die Europa League

Sion wendet sich wegen der Europa League auch ans TAS.

2. September 2011: Ausschluss durch die UEFA

Die UEFA schliesst Sion von der Europa League aus, weil Sion im Playoff einige der 6 Spieler eingesetzt hat. Sions Protest wird von der UEFA-Rekurskommission abgewiesen. Sion wendet sich zum 2. Mal an ein Zivilgericht, diesmal ans Waadtländer Kantonsgericht, und fordert die Wiederaufnahme in die Europa League.

10. August 2011: FIFA und UEFA warnen SFV 

In einem gemeinsamen Brief drohen die FIFA und die UEFA dem Schweizerischen Fussballverband (SFV) mit disziplinarrechtlichen Massnahmen für den Fall, dass dieser nichts gegen die Aktivitäten des FC Sion unternähme.

Anfang August 2011: Zivilgericht erwirkt provisorische Qualifikation

Die 6 Spieler reichen am Bezirksgericht Martigny Klage ein und berufen sich auf ihre Persönlichkeitsrechte. Die Nichtqualifikation komme einem Berufsverbot gleich. Am 5. August verfügt das Bezirksgericht superprovisorisch die Spielerlaubnis. Die SFL und die FIFA lizenzieren die 6 Spieler, legen aber Rekurs ein.

Constantins Reaktion zum SFL-Entscheid

29. Juli 2011: Rekurs abgewiesen

Das Rekursgericht des SFL weist einen Rekurs des FC Sion gegen die Nichtqualifikation zurück. Der FC Sion wendet sich darauf ans TAS, um die Qualifikation seiner Neuerwerbungen zu erwirken.

15. Juli 2011: Keine Qualifikation

Die Qualifikationskommission der Swiss Football League (SFL) lehnt ein Qualifikationsgesuch der 6 neuen Spieler aufgrund der laufenden Transfersperre der FIFA ab.

Sommer 2011: Sechs neue Spieler

Constantin holt gleich 6 neue Spieler: Pascal Feindouno aus Guinea, den Spanier Gabri, die beiden Schweizer Stefan Glarner und José Gonçalves, Billy Ketkeophomphone aus Frankreich und den Luxemburger Mario Mutsch.

12. Januar 2011: Transfersperre endgültig

Auch das Bundesgericht gibt der FIFA und dem SFL Recht. In der Transferperiode des Winters 2010/11 vollzieht Constantin erstmals keinen einzigen Spielerwechsel.

1. Juni 2010: Die Bestätigung

Das TAS bestätigt die Sperre der FIFA. Constantin zieht das Verfahren vors Bundesgericht.

16. April 2009: Transfersperre der FIFA

Die FIFA verhängt gegen Sion eine Busse und eine Transfersperre für zwei aufeinanderfolgende Transferperioden. Constantin akzeptiert das Urteil nicht und wendet sich an den internationalen Sportgerichtshof (TAS) in Lausanne.

Februar 2008: Sion holt El-Hadary

Constantin engagiert den ägyptischen Nationaltorhüter Essam El-Hadary. Dessen ägyptischer Verein Al-Ahly will seinen Starspieler aber nicht ziehen lassen, wirft Sion Anstiftung zum Vertragsbruch vor und wendet sich an die FIFA.

(Matthias Krobath)