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Super League

Xamax: Chronologie des Niedergangs

Mittwoch, 18. Januar 2012, 9:56 Uhr

Mit dem Entzug der Super-League-Lizenz hat der Fall von Neuchâtel Xamax unter Bulat Tschagajew einen neuen Tiefpunkt erreicht. Begonnen hat die Unruhe beim Traditionsklub allerdings schon vor der Machtübernahme des Tschetschenen im letzten Frühling. Eine Chronologie.

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29. Mai 2004: Letztes Heimspiel in der alten Maladière. Xamax schlägt Vaduz in der Barrage und schafft 2 Tage später den Liga-Erhalt.

30. Juni 2005: Sylvio Bernasconi, dessen Firma am Bau des neuen Stadions beteiligt ist, übernimmt Xamax vom langjährigen Mäzen Gilbert Facchinetti. Dem Schritt war ein monatelanger Machtkampf zwischen Bernasconi und dem vormaligen Präsidenten Alain Pedretti vorausgegangen. Der gesamte Verwaltungsrat wird ausgewechselt.

21. Mai 2006: Xamax unterliegt Sion im Barrage-Rückspiel und steigt ab.

18. Februar 2007: Erstes Spiel im 200 Millionen Franken teuren neuen Stadion. Xamax schlägt auf Kunstrasen den FC La Chaux-de-Fonds.

19. Mai 2007: Xamax schafft den direkten Wiederaufstieg in die Super League.

18. November 2008: Bernasconi wird als Präsident wiedergewählt, nachdem eine Einigung zwischen Xamax einerseits und Stadt sowie Kanton andererseits über Stadionmiete und Billettsteuer in Sichtweite ist.

31. August 2010: Sylvio Bernasconi kündigt seinen Rücktritt auf 2011 an. Die Suche nach einem Nachfolger beginnt.

27. Oktober 2010: Bernasconi streitet mit dem Kanton über Steuern und Sicherheitskosten in Höhe von 2,5 Millionen Franken. Er droht mit dem Wegzug aus Neuenburg.

16. April 2011: Bulat Tschagajew wird als möglicher Nachfolger Sylvio Bernasconis genannt. Zwei Tage später scheint der Einstieg des Tschetschenen geritzt.

05. Mai 2011: Tschagajew übernimmt die Aktien-Mehrheit bei Neuchâtel Xamax.

12. Mai 2011: Didier Ollé Nicolle wird als Trainer abgesetzt, Nachfolger wird Bernard Challandes.

25. Mai 2011: Xamax holt sich in Sion einen Punkt und schafft den Liga-Erhalt.

29. Mai 2011: Xamax verliert den Cupfinal gegen Sion mit 0:2. Bulat Tschagajew deutet später an, es habe einen – nicht von ihm eingefädelten - „Deal“ ( Liga-Erhalt gegen Cupsieg)  zwischen den beiden Westschweizer Klubs gegeben.

30. Mai 2011: Challandes wird entlassen. Nachfolger soll Sonny Anderson werden, der das Amt mangels gültiger Trainerlizenz aber formell François Ciccolini überlassen muss.

24. Juli 2011: Tschagajew entlässt den gesamten Staff und verpflichtet wenig später den Spanier Joaquin Caparros als Trainer.

30. August 2011: Medienberichte über finanzielle Unregelmässigkeiten und Schulden des Klubs bei der Stadt Neuenburg.

2. September 2011: Caparros wird entlassen. Neuer Trainer wird Victor Muñoz.

29. September 2011: Erstes Liga-internes Verfahren gegen Xamax.

19. Oktober 2011: Die Spieler drohen wegen ausstehender Löhne mit Streik.

31. Oktober 2011: Tschagajew beendet die Zusammenarbeit mit dem finanzkräftigsten Xamax-Supporterklub.

2. November 2011: Das Neuenburger Zivilgericht lehnt das Konkursgesuch eines Spielervermittlers gegen Xamax ab.

6. November 2011: Eine von Tschagajew vorgelegte Bankgarantie in Höhe von 35 Millionen Dollar ist vermutlich eine Fälschung.

7. und 10. November 2011: Die Staatsanwaltschaften in Genf und Neuenburg führen in einem Büro Tschagajews und in seinem Wohnort Saint-Sulpice (NE) Hausdurchsuchungen durch.

18. November 2011: Bankgarantie von Tschagajew ist definitiv gefälscht.

29. November 2011: Der Kanton Neuenburg verweigert Tschagajew eine Arbeitsbewilligung.

14. Dezember 2011: Die Disziplinarkommission der Liga zieht Xamax insgesamt 4 Punkte ab, weil die Neuenburger nicht wie gefordert nachgewiesen haben, dass die August- und Septemberlöhne der Spieler sowie die entsprechenden Sozialabgaben überwiesen wurden.

29. Dezember 2011: Die Xamax-Schulden sollen sich nach Medienberichten auf 6 Millionen Franken belaufen.

3. Januar 2012: Die Disziplinarkommission der Liga verhängt wegen fehlender Unterlagen zu den Oktoberlöhnen erneut einen Abzug von 4 Punkten.

4. Januar 2012: Xamax entlässt 4 Spieler: Captain Stéphane Besle, Haris Seferovic, Javier Arizmendi und Vincent Bikana.

17. Januar 2012: Jetzt sind es die Novemberlöhne - die Liga zeigt Xamax bei der eigenen Disziplinarkommission erneut an. Ebenfalls untersucht wird, ob Xamax «doppelte Verträge» mit Spielern abgeschlossen (d.h. Schwarzgelder bezahlt) hat. Zur Disposition steht auch Tschagajews gefälschte Bankgarantie.

18. Januar 2012: Die SFL-Disziplinarkommission entzieht Xamax die Lizenz.

23. Januar 2012:  Xamax legt bei der SFL-Disziplinarkommission Rekurs ein.

25. Januar 2012: Xamax verlangt vom Handelsgericht des Kantons Bern und vom Regionalgericht Bern-Mittelland den Erlass superprovisorische Massnahmen. Unter anderem verlangen die Neuenburger, dass der Rekurs aufschiebende Wirkung hat. Dies wird von den Gerichten einen Tag später abgelehnt, womit sie den Ausschluss für die Super-League-Rückrunde bestätigen.

26. Januar 2012: Der Anwalt von Xamax verkündet, dass der Traditionsverein die Bilanz deponiert. Damit wird ein Konkursverfahren eröffnet.

26. Januar 2012: Xamax-Besitzer Bulat Tschagajew wird in Genf in Untersuchungshaft gesetzt. Ihm wird ungetreue Geschäftsbesorgung vorgeworfen.

(SF)