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Ski-WM: Ein Rückblick

Seltsame Bilanz aus Garmisch

Stefan Hofmänner, Garmisch
Montag, 21. Februar 2011, 10:58 Uhr

Die Ski-WM in Garmisch-Partenkirchen ist vorbei und irgendwie hinterlässt sie einen seltsamen Eindruck. Das findet zumindest SF-Kommentator Stefan Hofmänner. Für ihn war an der WM wenig so, wie man es eigentlich erwartet hatte.

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Es war irgendwie eine seltsame WM. Und das hat nichts damit zu tun, dass die Frauen medaillenmässig leer ausgingen. Das war schon 1999, 2005, und auch 2007 so, es gibt also eine gewisse Gewohnheit dem Medaillen-Nuller gegenüber. Die WM war aus einem anderen Grund seltsam: Es lief ganz wenig so, wie man es erwartet hat.

Görgl und Maze anstatt Lindsey Vonn

Die beiden grössten Abräumerinnen von Garmisch sind Elisabeth Görgl und Tina Maze. Beide scheiterten in diesem Winter an ihrem eigenen Anspruch auf den Sieg im Gesamtweltcup. Beiden hat dieses Scheitern schwer zu schaffen gemacht.

Beide hatten grösste Probleme unmittelbar vor WM-Beginn: Görgls Trainer sagte nach dem 50. (!!) Rang seiner Athletin im Training zur Abfahrt von Sestriere, sie sei «total von der Rolle». Maze reiste frustriert, schmerzgeplagt und überstürzt aus Zwiesel ab und ihre Trainer erschienen eine Woche später mit einem Kopf voller Fragezeichen im WM-Ort, alles andere als überzeugt, dass es gut heraus kommen würde. Sind das Fahrerinnen, die an den wichtigsten Rennen des Winters zu favorisieren sind? Eigentlich nicht, aber eben.

Viel Lärm um Nichts

Lindsey Vonn, die weltbeste Skirennfahrerin der letzten Jahre, beklagte sich vor dem ersten Rennen bitterlich über die angeblich viel zu schwere und zu gefährliche Strecke. Ausgerechnet die Frau, für deren Klasse es eigentlich nichts besseres geben kann, als eine Piste, die Zufälle ausschliesst und nur die Besten gewinnen lässt.

Also gut, haben viele sich dann gedacht, Lindsay ist immerhin Lindsay, also wird diese Kandahar wohl das sein, was in ihrem unteren Teil auf dem Streckenplan steht: Das Höllentor. Aber weit gefehlt. Es war schwierig, anspruchsvoll, es hat Rippen und Schläge gehabt, aber es ist so gut wie gar nichts passiert. Gina Stechert hat sich einen Mittelhandknochen gebrochen. Ende des Verletztenbulletins. Seltsam, wenn man das mit Vonns Äusserungen von vor zwei Wochen vergleicht. Sehr seltsam.

Kaum Verletzungen dafür Viren

Verletzungen haben kaum zu reden gegeben, dafür aber Krankheiten aller Art. Und das in bisher ungekanntem Ausmass. Noch nie ist so viel über Durchfall und Fieberkurven gesprochen worden wie in diesen zwei Wochen in Garmisch. Die Standardfrage an die Trainer aller Nationen war nicht mehr «Wie läufts deiner Athletin im Training?», sondern «Hat es sie auch schon erwischt?». Seltsame Frage.

Schweizerinnen als «Wundertüten»

Bei den Schweizerinnen fuhr Dominique Gisin einen fantastischen Kombi-Slalom. Das ist schön. Normaler wäre aber eine ähnliche Vorstellung in einem der Speed-Rennen, was leider nicht gelang. Nadja Kamer wurde im Super-G 13., was ihr auf der extrem eisigen und holprigen Piste kaum hatte zugetraut werden können. Dann wurde die Piste weicher. Richtige Kamer-Verhältnisse waren es schliesslich am Tag der Abfahrt. Und sie wurde 14.. Slalom-Fachfrau Denise Feierabend fuhr in der Kombi-Abfahrt in für sie neue Sphären, und dann kam sie im Kombi-Slalom nicht vom Fleck. Ich weiss nicht. Das ist einfach alles etwa so seltsam, wie Lara Guts Verhalten bei Interviews.

Diese Ski-WM zu bilanzieren fällt schwer. Wann immer die Gedanken um diese WM, ihre Geschichten und Resultate kreisen, bliebt am Schluss das gleiche Wort hängen. Sie wissen schon.

Bild Stefan Hofmänner.
Stefan Hofmänner. SF