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Interview

FIS-Präsident Kasper: «Nichts zu kritisieren»

Beat Sprecher, SRDRS
Samstag, 19. Februar 2011, 15:47 Uhr

Zum siebten Mal erlebt Gian-Franco Kasper eine Ski-Weltmeisterschaft als Präsident des Internationalen Skiverbandes. Im Interview zieht der Bündner Bilanz über die Titelkämpfe in Garmisch-Partenkirchen und beschreibt dessen Auswirkung auf Münchens Olympiakandidatur 2018.

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Gian-Franco Kasper, die Ski-WM in Garmisch-Partenkirchen neigt sich dem Ende zu. Ihr erstes Fazit?

Gian-Franco Kasper: Äusserst positiv. Ich habe lange nach etwas gesucht, das ich kritisieren könnte, habe aber nichts gefunden. Es wurde eine gründliche Vorarbeit geleistet mit der Pistenpräparierung über 2 bis 3 Monate, aber auch alles andere Organisatorische. Das Publikum ist hervorragend gewesen und hat mit gemacht, obwohl die Deutschen - vor allem bei den Herren - praktisch nicht anwesend gewesen sind. Ich muss sagen: Hut ab, das war eine gute Organisation.

Heisst das auch, dass man eine gute Visitenkarte für die Olympia-Kandidatur 2018 hinterlegen konnte?

Kasper: Man darf das nicht verwechseln. Erstens hat Garmisch den Zuschlag für die Ski-WM erhalten, als man in München noch nicht an die Olympischen Spiele gedacht hatte. Zweitens war es ein Pokerspiel: Wenn es gut geht, sagt jedermann: 'Ja hoffentlich können sie eine Ski-WM organisieren'; wenn etwas schief geht, heisst es: 'Unmöglich, nicht einmal eine Ski-WM kriegen sie hin'. Ich glaube, die WM ist ein Mosaiksteinchen in der Olympia-Kandidatur, aber sicher nicht ausschlaggebend.

Aber das Mosaiksteinchen ist eines, das glänzt.

Kasper: Ja, natürlich. Aber man muss auch die anderen Kandidaten anschauen: Dieses Jahr die Weltcup-Rennen in Chamonix, das war gute Werbung für die Kandidatur von Annecy. Die Koreaner (Pyeongchang bewirbt sich, Anm. d. Red.) hatten auch hervorragende Veranstaltungen. Ich würde sagen, das ist alles wichtig, aber nicht ausschlaggebend.

Sie werden demnach nicht in den IOK-Kongress gehen und sagen: Garmisch war toll, das müssen wir uns näher anschauen.

Kasper: Nein, ich bin sicher neutral als Mitglied des Olympischen Komitees. Ich werde so abstimmen, wie ich es für richtig halte. Man muss einfach ganz klar sehen, dass alle 3 Kandidaten, die wir haben, gute Kandidaten sind. Von der FIS aus gesehen muss man sich keine Sorgen machen. Frankreich, Deutschland und Korea, alle sind fähig diese Spiele durchzuführen. Es besteht kein Grund zur Angst. Natürlich gibt es unter den Kandidaten immer mal wieder einen Flop, aber dies ist hier nicht der Fall.

Wird es vorkommen, dass sie von Mitgliedern des IOK gefragt werden, wie denn Garmisch so gewesen sei?

Kasper: Wir Wintersport-Leute kriegen sehr viele Anfragen von unseren Kollegen, die nicht im Wintersport involviert sind. Da versucht man dann, so objektiv wie möglich zu berichten. Aber Stimmen-Beeinflussung machen wir sicher nicht. René Fasel vom Eishockey und ich sind sehr gefragt bei den Kollegen, wenn es um solche Fragen geht.

Die Würfel sind hinsichtlich der Olympischen Spiele 2018 also noch nicht gefallen.

Kasper: Absolut. Ich glaube im Mai wird es eine gewisse Vorentscheidung geben, wenn das Internationale Olympische Komitee in Lausanne die sogenannte technische Präsentation macht. Letztes Mal bei den Sommerspielen hat dort Rio de Janeiro eindeutig seine Stimmen geholt. Mal schauen, ob dies bei den Winterspielen auch der Fall sein wird. Ansonsten haben wir am 6. Juli den definitiven Entscheid.

Zur Person

Gian-Franco Kasper (24.1.1944 in St. Moritz geboren) ist Präsident des Internationalen Skiverbandes (FIS). Gewählt wurde der Bündner 1998 als Nachfolger von Landsmann Marc Hodler. Zuvor war er 23 Jahre lang Generalsekretär.

Seit dem Jahr 2000 gehört Kasper dem Internationalen Olympischen Komitee an und seit 2003 ist er Mitglied des Exekutivausschusses der World Anti-Doping Agency.