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International

KHL-Zauber in Davos

Donnerstag, 23. Dezember 2010, 10:26 Uhr

SKA St. Petersburg und HK Spartak Moskau tragen am Donnerstagabend ein Meisterschaftsspiel aus. Aussergewöhnlich ist dabei Davos als Austragungsort. Es ist die erste Partie der Kontinental Hockey League ausserhalb von Osteuropa - aber wohl noch lange nicht die letzte.

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Wenn sich das Kalenderjahr dem Ende zu neigt, schaut die Eishockey-Fangemeinde nach Davos. Der Spengler Cup zieht alle Blicke auf sich, das gebotene Niveau ist jeweils erstklassig.

In diesem Jahr wird noch mehr geboten: Am Dienstag duellierte sich noch der einheimische HC Davos mit Ambri anlässlich einer Meisterschaftspartie der NLA, 2 Tage später stehen sich HK Spartak Moskau und SKA St. Petersburg auf knapp 1600 Meter über Meer gegenüber. Die beiden russischen Vereine tragen eine Partie der Kontinental Hockey League (KHL) - die erste ausserhalb von Osteuropa - aus und werden vom Samstag an am Spengler Cup teilnehmen.

Teams aus 4 Ländern

Die KHL besteht seit der Saison 2008/09 und umfasst derzeit 23 Mannschaften. Neben 20 Teams aus Russland sind auch Barys Astana aus Kasachstan, Dinamo Minsk (Spengler-Cup-Sieger 2009) aus Weissrussland und die Letten von Dinamo Riga in die Liga integriert. KHL-Präsident Alexander Medwedew, Vize-Chef eines Energieriesens, investiert viel Geld in die Liga und lockt Stars aus der NHL in den Osten. Immer wieder ist von Expansionsgelüsten die Rede: Schwedische, finnische und deutsche Vereine sollen bereits für eine KHL-Aufnahme angefragt worden sein. Medwedew sitzt zudem seit 2008 auch im Council des Internationalen Eishockey-Verbandes (IIHF) und finanzierte mit den Geldern seines Energiekonzerns die Champions League.

Wie in der NHL gibt es eine Eastern und eine Western Conference. Dabei sind die Mannschaften auf 4 Divisionen, die nach den früheren sowjetischen Eishockey-Legenden Wsweolod Bobrow, Anatoli Tarassow, Waleri Charlamow und Arkadi Tschernyschow benannt sind, aufgeteilt. In der regulären Saison spielen die Teams jeder Divison viermal gegeneinander und zweimal gegen alle anderen Mannschaften; dies ergibt gesamthaft 56 Qualifikationsspiele. Danach finden die Playoffs mit den besten 16 Teams statt. In ähnlicher Weise von der NHL übernommen wurden das Draft-System, der Salary-Cap sowie das All-Star-Game.

Kasan als einziger Champion

Die russische Liga unterzeichnete im Jahr 2008 mit der National Hockey League (NHL) ein Transferabkommen. Dabei sollen gültige Spielerverträge respektiert und ein gegenseitiges Abwerben von Spielern verhindert werden. Allerdings musste der IIHF in den letzten 2 Jahren einige Fälle wegen Unklarheit der Vertragslage bzw. wegen Vertragsbruch behandeln.

AK Bars Kasan gewann die beiden bisherigen KHL-Meisterschaften. Bekannteste Spieler im Team sind Captain Alexei Morosow (ex-Pittsburgh), Niko Kapanen (in der Lockout-Saison beim EV Zug, ex-Phoenix und Atlanta) und Marcel Hossa (ex-Rangers, Montreal, Phoenix). Trainer ist der ehemalige Lugano-Coach Sinetula Biljaletdinow.

«Schweizer»-Trainer Trio

Ein anderer früherer Lugano-Trainer, Ivan Zanatta, stand zu Beginn der Saison bei SKA St. Peterburg an der Bande. Er musste allerdings nach nur 16 Spielen gehen. Andere Trainer mit Schweizer Vergangenheit sind Raimo Summanen (Lakers) bei Awangard Omsk (mit Star Jaromir Jagr), Andrei Chomutow beim kasachischen Verein Barys Astana und dessen früherer Team-Kollege bei Fribourg, Slawa Bykow, bei Salawat Ufa. Jewgeni Popochin (Lakers, Fribourg) wurde im Oktober bei Automobilist Jekaterinburg entlassen.

Patrick Fischer (Zug, Lugano und Davos) spielte bislang als einziger Schweizer Feldspieler in der KHL. Der Stürmer brachte es bei SKA St. Petersburg nur auf 5 Einsätze und ein Assist. Immerhin 30 Mal spielte Martin Gerber im Tor von Atlant Mytischtschi, ehe es ihn nach Nordamerika zurückzog.

Medwedew: überall vertreten

Momentaner Spitzenreiter in der KHL ist Dynamo Moskau, dicht dahinter folgen Metallurg Magnitogorsk (unterlegen im Champions-League-Final gegen die ZSC Lions 2009), Bars Kasan und Salawat Ufa. Angesichts der Kaderstärke nur auf Rang 8 liegt SKA St. Petersburg. Im Sommer wurde das Team u.a. mit NHL-Star Maxim Afinogenow und Mattias Weinhandl verstärkt. Geld ist in der KHL vorhanden, vor allem bei Vereinen wie St. Petersburg. Präsident des Armeeklubs ist kein geringener als Medwedew.

Beim HK Spartak Moskau, dem Gegner St. Petersburgs am Donnerstagabend in Davos, sticht aus dem Kader vor allem ein Name heraus: Dominik Hasek. Die 45-jährige Torhüter-Legende wechselte diesen Sommer aus der tschechischen Liga in die KHL. Mit 90,9 Prozent gehaltener Schüsse ist der zweifache Stanley-Cup-Gewinner Hasek allerdings derzeit keine allzu grosse Nummer. Die Augen werden in Davos trotzdem auf ihn gerichtet sein.

(jäg)