Inhalt

Sports Awards

Newcomer des Jahres

Mike Schmid - vom Talent zum Olympiasieger

Sonntag, 12. Dezember 2010, 21:27 Uhr

An den Olympischen Spielen in Vancouver haben zwei neue Begriffe in der Schweizer (Sport-)Öffentlichkeit ihren Platz gefunden: Skicross - und Mike Schmid. Der 26-jährige Hüne aus Frutigen ist ein neues Sportidol und verdient seine Wahl zum Newcomer des Jahres vollauf.

Videoplayer
Mike Schmid - vom Talent zum Olympiasieger

Artikel bewerten

  • Durchschnittliche Bewertung: 4
  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5

Artikel teilen

Neue Wintersport-Disziplinen sind eine Schweizer Domäne. Wie Sonny Schönbächler 1994 bei der Skiaktobatik-Premiere in Lillehammer und Gian Simmen 1998 im ersten olympischen Halfpipe-Wettbewerber der Snowboarder in Nagano gewann auch Skicrosser Mike Schmid die Goldmedaille. Der Berner Oberländer war auch über den ganzen Winter der Stärkste in den telegenen Verfolgungsrennen. Er sicherte sich den Sieg im Gesamtweltcup.

Seit 2004 Skicrosser mit Leidenschaft

Der Auftritt auf dem Cypress Mountain bei Vancouver überstrahlte freilich alles. Schmid zeigte seinen Konkurrenten in Viertelfinal, Halbfinal und Final nur die Ski-Enden. Er geriet dank seiner offensichtlichen Überlegenheit nie in Gefahr, im Zweikampf mit einem Gegner zu stürzen, wie dies sowohl im Skicross als auch im Boardercross nicht selten der Fall ist.

2004 startete Mike Schmid erstmals im Weltcup. Es war sein erster Schritt in die aufregende Welt der risikofreudigen Skicrosser. Die «organsierte» Verfolgungsjagd auf eisiger Unterlage sagte ihm sofort zu. Ein Jahr später, im österreichischen Kreischberg, stand er ein erstes Mal auf dem Podium. Die Fortschritte waren frappant. Und doch glaubte er nicht, dass er in dieser damals medial vergleichsweise wenig beachteten Ski-Sparte je für nationale Schlagzeilen sorgen würde. Mit der Aufnahme ins olympische Programm änderte sich nicht alles, aber vieles spürbar.

Stagnation als Ski-Talent

Noch vor zehn Jahren hatte wenig bis nichts auf die Glanz- und Gloria-Tage an den Winterspielen hingedeutet. Schmid stand an einem Wendepunkt - oder besser: Er sackte auf den Nullpunkt ab. Er galt im alpinen Skirennsport als Talent, aber er stagnierte. Bei Schmid musste immer auch ein bisschen Spass sein. «Aber die Freude am Skisport war weg», erinnert er sich. Während Jahren gehörte er auf interregionaler Ebene zusammen mit dem heutigen Weltcup-Fahrer Patrick Küng zu einer Gruppe von Nachwuchsleuten, denen Potenzial zum Durchbruch attestiert wurde. Im Alter von 15 verabschiedete er sich vorzeitig. Die straffe Prozedur im Rennsport missfiel ihm.

Skifahren beinhaltete für den Freidenker Schmid immer mehr als nur den Wettlauf mit der Zeit. Von der Stoppuhr ist er im Cross nur noch in der Qualifikation abhängig. Der Kampf «Mann gegen Mann» fasziniert ihn. «Die Sprünge, die Wellen, all das mag ich.» Die Mischung aus Sport und Spektakel stimmt für ihn.

In der jungen Sportart blühte Schmid in den letzten Jahren wieder auf. Für seine Leidenschaft investiert er viel. Im Sommer schuftet er während drei Monaten im Strassenbau. Für die pickelharte Schinderei wurde er nun doppelt und dreifach entlöhnt: mit dem goldenen Gastspiel im weltweit wildesten Ski-Zirkus.

(si)