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EM-Qualifikation

Capello kämpft mit England um seine Zukunft

Freitag, 3. September 2010, 11:16 Uhr

Die Schweiz ist heute beim Start in die EM-Qualifikation nicht involviert, da sie in St. Gallen gegen Australien lediglich testet. Die Gegner in der Gruppe G aber stehen im Einsatz. Wales reist nach Montenegro, England spielt gegen Bulgarien. Für die «Three Lions» und Coach Fabio Capello steht Wiedergutmachung auf dem Programm.

Bild In Schieflage geraten: Englands Trainer Fabio Capello.
In Schieflage geraten: Englands Trainer Fabio Capello. reuters

1:4 im Achtelfinal gegen Deutschland in Bloemfontein! Der letzte Eindruck des WM-Auftritts der Engländer war vernichtend. Da auch die Auftritte in den Gruppenspielen - 1:1 gegen die USA, 0:0 gegen Algerien und 1:0 gegen Slowenien - wenig mehr erbaulich waren, steht die englische Nationalmannschaft beim heutigen EM-Quali-Start gegen Bulgarien im Londoner Wembley gehörig unter Druck.

Allen voran steht Coach Fabio Capello im Fokus der Kritiker. Die «Sunday Times» titelte am letzten Wochenende auf dramatische Weise zu diesem Thema: «Fighting for his life» war über einem Bild des italienischen Coachs in grossen Lettern zu lesen. Gerade um sein Leben kämpft Capello nicht, um seine weitere Zukunft als England-Verantwortlicher aber sehr wohl.

Der Wind hat sich für den 64-Jährigen gedreht. Vor der WM lebte Capello von seinem grossartigen Klub-Leumund (etliche Titel mit Milan, Juventus, AS Roma und Real Madrid), seit dem dürftigen Abschneiden in Südafrika macht er aber nichts mehr richtig. Die englischen Medien prangern dabei primär seine schlechten Englisch-Kenntnisse und seine mangelnde taktische Flexibilität an. Der Lack des Erfolgstrainers ist ab!

Einfach ist die Aufgabe für Capello vor dem Bulgarien-Spiel heute Freitag und dem Match gegen die Schweiz am kommenden Dienstag in Basel nicht. Mit John Terry und Frank Lampard (beide Chelsea) haben zwei Team-Leader verletzt abgesagt. Mit Rio Ferdinand (Manchester United, rekonvaleszent) und Peter Crouch (Tottenham, Rippenverletzung) fehlen zwei weitere valable Kandidaten.

Capello hat auf eine Erneuerung seines Kaders dennoch verzichtet. Im Vergleich zur 1:4-Schlappe gegen Deutschland wird die Startelf wohl nur auf 3 Positionen verändert sein: Terry und Lampard fehlen wie erwähnt verletzt, Goalie David James ist nicht mehr im Aufgebot. Für ihn wird Joe Hart zum Einsatz kommen. Der Schlussmann von Manchester City hat in den bisherigen Premier-League-Spielen überzeugt.

In der Abwehr wird Phil Jagielka (Everton) zusammen mit Matthew Upson (West Ham) die Innenverteidigung bilden, Glen Johnson (Liverpool) und Ashley Cole (Chelsea) kommen auf den Aussenpositionen zum Einsatz. Im Mittelfeld ist das Quartett James Milner, Gareth Barry (beide Manchester City), Steven Gerrard (Liverpool) und Theo Walcott (Arsenal) vorgesehen. Stürmen werden wohl Wayne Rooney (Manchester United) und Jermain Defoe (Tottenham).

Cole und Walcott stark

Von der vermutlichen Startelf haben in der Premier League primär Linksverteidiger Cole und Mittelfeld-Mann Walcott überzeugt. Cole ist bei Chelsea derzeit allgegenwärtig, verrichtet seine Defensivarbeit solide und ist im Angriff ein steter Gefahrenherd. Walcott, der kurz vor der WM von Capello ausgebootet worden war, traf in 3 Spielen schon 4 Mal. Der 21-Jährige hat im Sommer vor allem körperlich stark zugelegt.

Rooney wiedererstarkt?

Positive Schlagzeilen schrieb zuletzt auch Rooney. Am Sonntag traf er gegen West Ham vom Penalty-Punkt. Es war der erste Treffer des ManU-Stars seit 5 Monaten - nach über 1000 torlosen Spielminuten für seinen Klub und die Nati. Gegen Bulgarien und die Schweiz lastet in der Offensive viel Verantwortung auf dem 24-Jährigen, der an der WM - ausgelaugt von einer langen Saison - nie auf Touren kam.

Gerrard wird die «Three Lions» als Captain und Leader ins Wembley führen. Der Liverpool-Star war am Donnerstag an der Medienkonferenz darum bemüht, seinen Coach aus der Schusslinie zu nehmen. In Südafrika hätten primär die Spieler versagt, nicht der Coach, erklärte Gerrard. «Für mich ist er ein fantastischer Coach», doppelte er nach.

Verbal hat der Italiener die Unterstützung seiner Schützlinge erhalten. Nun werden Gerrard & Co. gegen Bulgarien und die Schweiz noch den Beweis antreten müssen, dass der Support auch auf dem Platz zu sehen ist. Am besten mit Toren und Siegen. Dann hätte Capello wieder für ein paar Monate Ruhe.

(ros)