Leichtathletik
Diamond League
Diamantenfieber?
Die zu Beginn des Jahres neu eingeführte Diamond League hat sich nicht bewährt, im Gegenteil: «Anstatt in einer schwierigen Zeit eine Vorwärtsstrategie zu entwickeln, hat man sich statusmässig zurück entwickelt», schreiben die Leichtathletik-Experten von SF, Peter Minder und Patrick Schmid.
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Stellen Sie sich vor, bei den Internationalen Lauberhorn-Rennen in Wengen würde der Slalom zwar jedes Jahr, aber die Abfahrt nur noch alle zwei Jahre ausgetragen. Oder die Grand-Slam-Tennisturniere von Wimbledon und Paris würden ab nächstem Jahr in einer neuen Serie, nennen wir sie Major League Tennis, zusammen mit Rom, Monte Carlo und Madrid ausgetragen. Auch unvorstellbar, nicht?
Beste Meetings opferten sich
Und doch hat man genau das in der Leichtathletik fertiggebracht. Die beiden besten Eintagesmeetings der Welt, Brüssel und Zürich, haben ihre Autonomie in der Programmgestaltung auf dem Altar der Diamond League geopfert und sich mit 12 schwächeren Meetings zu einer Serie von insgesamt 14 Veranstaltungen zusammengeschlossen. Nun findet der 100-m-Lauf in Zürich noch alle zwei Jahre statt und wir müssen uns an ein im Voraus durch die Diamond League festgelegtes Programm gewöhnen, das nur noch minim ergänzt werden kann.
Anstatt in einer für die Leichtathletik schwierigen Zeit eine Vorwärtsstrategie zu entwickeln und dem fachkundigen Zürcher Publikum das zu geben, was es will - nämlich Stars und Höchstleistungen - hat man sich statusmässig zurückentwickelt. Anstatt mit den einzigen 3-4 Top-Meetings der Welt einen «Grand Slam» der Leichtathletik mit grossem Preisgeld und markantem Drama zu sorgen, hat man sich in die Breite entwickelt. Der Siegespreis in einer der 32 Diamond League Disziplinen beträgt schlappe 40‘000 Franken, das ist etwa so viel wie die Gesamtpreissumme bei einem Provinz-Pferderennen. Das Punktesystem dazu ist zwar bei genauem Hinsehen verständlich, aber überhaupt nicht fernsehtauglich.
«Weltklasse Zürich» geht in die falsche Richtung
Das Meeting von Zürich ist weltweit die Veranstaltung mit der besten Detailtreue in der Abwicklung, mit den freundlichsten und hilfsbereitesten Mitarbeitern und dem breitesten Fachwissen. Weshalb also dieser Anachronismus? Warum werden die Athleten wegen eines lächerlichen Preisgeldes auf die Diamond League konditioniert? Fragen, die unbedingt auf entsprechende Antworten warten, denn das TV-Publikum hat mit einem sinkenden Interesse bereits deutlich reagiert. Es ist höchste Zeit, nachhaltig über die Bücher zu gehen, sonst geht einer der besten Sportanlässe der Schweiz definitiv in die falsche Richtung.
Keine geschlossene Serie
Gut, man könnte sagen, im Premierenjahr sind Fehler erlaubt und entsprechende Anpassungen werden gemacht. Nur das Problem dabei: die Aussichten sind alles andere als rosig. Nächstes Jahr steht eine WM auf dem Programm, die am anderen Ende der Welt, in Südkorea, stattfinden wird. Deshalb wird die Diamond League während einem Monat pausieren müssen. Die beiden grossen Meetings von Zürich und Brüssel finden erst im September, nach der WM, statt. Die restlichen Meetings liegen dann bereits eine Ewigkeit zurück. Eine geschlossene Serie sieht anders aus.
Für Bolt hat Diamond League 2011 nur zweite Priorität
Ausserdem werden sich viele Athleten voll auf die Weltmeisterschaften konzentrieren – sprich - höchstens einzelne Diamond-League-Meetings zu Vorbereitungszwecken bestreiten. So hat zum Beispiel der Superstar der Leichtathletikszene, Usain Bolt, bereits verlauten lassen, 2011 keinen Vertrag mit den Diamond-League-Verantwortlichen abzuschliessen.
Es gibt noch viel zu polieren, bis die Diamanten am Leichtathletikhimmel zumindest ein wenig glänzen.
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