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Porträt

Kilian Wenger – Der bescheidene Überschwinger

Sonntag, 22. August 2010, 18:36 Uhr

8 Gänge, 8 Siege. Kilian Wenger hat das «Eidgenössische» dominiert wie seit Jahrzehnten kein Schwinger mehr. So spektakulär sein Triumph in Frauenfeld war, so unaufgeregt gibt sich der erst 20-jährige Berner und verdient sich damit grössten Respekt.

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Die Teamkollegen, das Wettkampfglück, die Einteilung, ja gar das Wetter zählte Wenger unmittelbar nach dem Sieg im Schlussgang gegen Martin Grab als Gründe für seinen Triumph auf. Nur eines vergass der bescheidene neue Schwingerkönig aufzuführen: seine eigene, in allen Belangen überzeugende Leistung.

Den Zweiflern die richtige Antwort gegeben

Aussenseiterchancen hatte man dem erst 20-jährigen Berner vor dem Fest schon zugerechnet. Wenger hatte schliesslich im Mai (Oberaargauisches und Oberländisches Schwingfest) und Juni (Walliser Kantonalschwinget) früh in der Saison drei Siege an Kranzfesten eingefahren. Zu früh, hiess es. Wenger könnte seine Bestform bereits überschritten haben. Ein dürftiges Abschneiden auf dem Brünig verlieh seinen Kritikern weiteren Rückenwind. In Frauenfeld liess der gelernte Metzger, der eine Zweitlehre zum Zimmermann absolviert, seine Zweifler verstummen. Ein Blick auf das Notenblatt des neuen Königs reicht aus: 8 Gänge, 8 Siege. Dies gelang zuletzt Ernst Schläpfer 1980 in St. Gallen.

Eindrücklicher Sieg gegen Abderhalden

Schläpfer ist heute Obmann des Eidgenössischen Schwingerverbands – und Götti des entthronten Jörg Abderhalden. Mit dem dreifachen Schwingerkönig aus dem Toggenburg verbindet Wenger einiges.

Ende Juni dieses Jahres stiegen Wenger und sein grosses Vorbild am «Nordostschweizerischen» zusammen in den Sägemehlring. Mit einem Hüfter brachte der 20-jährige Gast aus dem Bernbiet Abderhalden ins Sägemehl - zum Erstaunen aller Anwesenden ohne gültiges Resultat. Sekunden später lag dann Wenger auf dem Rücken. «Ich glaube, andere hatten mit der Wertung dieses Ganges ein grösseres Problem als ich selber», meinte Wenger unaufgeregt. Für ihn sei es schlicht eine Ehre gewesen, mit solch einem grossen Schwinger zusammengreifen zu können.

Eine Ehre, die ihm in Frauenfeld im 5. Gang erneut zukam. Nur dass Wenger Abderhalden diesmal deutlich bezwang und keinen Spielraum für Diskussionen offen liess. Eindrücklich, wie der kräftige Schwinger aus dem Diemtigtal seinen Kontrahenten nach knapp 6 Minuten ins Sägemehl drückte. Der König war gestürzt, die Bahn frei für einen neuen Regenten. Und dass dieser Wenger Kilian heissen würde, daran zweifelte nach diesem Gang kaum mehr jemand. Zu deutlich und mit einer Coolness, die ihresgleichen sucht, hatte er seine bisherigen Gänge gewonnen. Und er sollte seinen Weg weitergehen – bis zur Krönung.

5. Gang: Wenger - Abderhalden in voller Länge

«Wenn er etwas erreichen will, gibt es für ihn kein Hindernis»

Mit Wenger hat ein Vorzeigeschwinger den Königstitel gewonnen. Athletisch, fleissig, zielstrebig, aber auch bodenständig, freundlich und bescheiden. Alles Attribute, die im Schwingsport hoch angesehen sind und auf Wenger voll und ganz zutreffen.

Seinen unbändigen Willen stellte er nicht nur gegen Abderhalden unter Beweis, als er mit dem Nachdrücken nicht nachliess, bis den St. Galler sämtliche Kräfte verliessen und dieser kapitulieren musste. «Wenn er etwas erreichen will, dann gibt es für ihn kein Hindernis», sagt Schwester Franziska über «Kile».

Die Konkurrenz deklassiert

Die «Hindernisse» Gisler Bruno, Laimbacher Ivo, Nötzli Reto, Thürig Mario, Abderhalden Jörg, von Ah Benji, Bless Michael und schliesslich Grab Martin überrannte der wortkarge Wenger in Frauenfeld förmlich und ist deshalb einer der verdientesten Schwingerkönige aller Zeiten. Uneinholbare 1,75 Punkte Vorsprung auf Abderhalden und Grab vor dem 8. Gang sprechen Bände und führten nicht nur bei den Herren des Schwingerverbands für grosse Verwirrung.

«Ich hoffe, dass es mir in Frauenfeld von Beginn weg gut laufen wird», hatte Wenger im Juli in aller Bescheidenheit gesagt. Er hat das Feld mit all seinen Favoriten überrannt – der Überschwinger und neue König aus dem Diemtigtal.

Wenger Kilian, Schwingerkönig 2010

Kilian Wenger

Wohnort

Horboden BE

Geb.-Datum

11.05.1990

Beruf

Metzger
Zimmermannslehrling

Grösse

190 cm

Gewicht

98 kg

(bon)