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ESAF 2010
Die ungläubige Freude des neuen Königs
Das Eidgenössische Schwing- und Älplerfest in Frauenfeld hat beste Unterhaltung geboten: Spannung bis zum Ende, tragische Helden, frenetisch gefeierte Idole und mit Kilian Wenger einen mehr als würdigen aber doch etwas überraschenden neuen Schwingerkönig.
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«Ich bin überglücklich», zeigte der sonst überaus ruhige und zurückhaltende Wenger nach seinem Schlussgangsieg über Martin Grab erste emotionale Regungen. «Was ich wirklich erreicht habe, realisiere ich noch nicht hundertprozentig». Dazu blieb dem 20-jährigen Diemtigtaler auch kaum Zeit. Mit seinem dynamischen und kompromisslosen Schwingstil legte er Gegner um Gegner im Sägemehl flach und katapultierte sich im Eiltempo in den Schwinger-Olymp.
Grabs schwerer Gang
Der Festsieg stand schon vor dem Schlussgang fest, was dem finalen Duell etwas die Spannung raubte. Doch Wenger und Grab zeigten den 47‘000 Zuschauern in der Thurgau-Arena dennoch, dass sie gewillt waren, noch einmal alles zu geben.
Für Grab war der Gang zum finalen Zweikampf sicherlich nicht einfach. Der Innerschweizer wusste schon vorher, dass er keine Chance auf den Königstitel mehr haben würde. «Am Anfang spürte ich schon eine gewisse Leere in mir», gestand der 31-Jährige. «Doch ich habe mich letztlich voll konzentriert auf den Schlussgang vorbereitet.» Doch auch Grab war es nicht vergönnt, den jungen «Wilden» aus Bern zu bodigen. Trotz Enttäuschung zeigte sich Grab als fairer Verlierer: «Ich mag Kilian den Triumph von Herzen gönnen!»
Das entthronte Idol
Wenger entthronte ausgerechnet sein Idol und Vorbild Jörg Abderhalden. Der dreifache Schwingerkönig und Dominator des vergangenen Jahrzehnts hatte das Direktduell im 5. Gang verloren, kämpfte sich mit drei Siegen in Folge aber nochmals heran. «Was ich nach dem 5. Gang noch tun konnte, habe ich gemacht. Ich bin mit mir und meiner Leistung absolut im Reinen», zeigte sich Abderhalden versöhnlich. Die Trauer über den Verlust der Krone hielt sich bei ihm in Grenzen: «So tragisch ist das nicht. ich habe in meiner Karriere so viel erreicht. Ich war dreimal Schwingerkönig und habe mich hier in Frauenfeld nochmals an die Schwingelite heran gekämpft. Mit dem Resultat kann ich gut leben.»
Abderhalden lässt Zukunft offen
Am Rand des Sägemehlrings wurde bereits vor dem Schlussgang heftig über die Zukunft Abderhaldens spekuliert. Viele erwarteten den Rücktritt. «Ich habe mich bisher nicht mit meinem Rücktritt beschäftigt», erteilte der bald 31-Jährige den Spekulationen vorerst eine Abfuhr. «Ich werde jetzt in Ruhe analysieren und was kommen wird, wird sich zeigen.»
Pellet zementiert sein Denkmal
Dem Schwingsport definitiv den Rücken kehren wird Hans-Peter Pellet. Der unermüdliche 40-Jährige wird von den Schwingfans vergöttert und sorgt überall für stehende Ovationen. So auch in Frauenfeld, wo er zum Abschluss seiner eindrücklichen Karriere seinen 5. Eidgenössischen und seinen insgesamt 136. Kranz abholte. «Ich habe an sieben Eidgenössischen teilnehmen dürfen. Dass ich nun in Frauenfeld meinen 5. Eidgenössischen Kranz erringen konnte, ist einmalig.»
Seine Beziehung zum Publikum ist auch für Pellet schwer zu fassen: «Es ist wunderschön!» Doch woher die Begeisterung kommt, darüber kann auch der sympathische Publikumsmagnet nur spekulieren: «Wahrscheinlich lieben die Leute, dass ich immer ‚auf tutti‘ schwinge. Manchmal geht diese Taktik auf, manchmal eben auch nicht. Doch heute hat es voll funktioniert.»
(Silvio Kern, Frauenfeld)
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