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Philipp Degen: «Für mich war klar: Ich muss weg!»
Im Sommer 2008 wagte Philipp Degen den Sprung in die Premier League. Bei Liverpool hütete der Verteidiger aber mehrheitlich die Ersatzbank und wurde zudem immer wieder durch Verletzungen zurückgeworfen. Jetzt kehrt der 27-Jährige in die Bundesliga zurück. Bei Stuttgart soll alles besser werden.
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Philipp Degen, Sie sind vor eineinhalb Wochen beim VfB Stuttgart angekommen. Wie gut konnten Sie sich schon im Team integrieren?
Ich bin sehr herzlich empfangen worden. Ich traf dort auf ein sehr junges Team, alle sind sehr offen und das freut mich natürlich.
Beim VfB treffen Sie auch auf Ihren früheren Basel-Trainer Christian Gross, unter dem Sie den Durchbruch geschafft haben. War er ausschlaggebend für Ihren Wechsel ins Schwabenland?
Ja, sicher. Christian Gross war und ist eine sehr wichtige Person in meiner Entwicklung. Ich muss aber auch sagen, dass sich Stuttgart sehr stark um mich bemüht hatte und ich bin froh, hier beim VfB nach all meinen Verletzungen eine neue Chance zu erhalten. Ich werde alles dafür geben, um dieses Vertrauen zu rechtfertigen.
Sie sagten einst, Christian Gross sei der beste Trainer. Was macht er besser als andere?
Er macht alles für den Erfolg und verlangt dies auch von seinen Spielern. Er lebt den Fussball förmlich. Sein Wissen, seine Art, wie er Dinge angeht, die Detailpflege - das ist einzigartig. Deshalb ist er mir ein Vorbild - auch für das Leben nach der Profikarriere. Er vermittelt Werte, die ich meinen Kindern weitergeben würde. Zudem ist er stets transparent und kann seine Entscheidungen vor den Spielern erklären und begründen.
Betrachten Sie den Wechsel nach den zahlreichen Verletzungen als eine Art Neuanfang?
Durch die lange Zeit als Reservist habe ich quasi das Gefühl verloren, wie es ist, auf dem Platz zu stehen und regelmässig zu spielen. Jetzt bin ich gesund und kann es kaum erwarten, wieder voll anzugreifen. Für mich ist dies eindeutig ein Neubeginn.
Werfen wir einen Blick zurück. Sie standen zwei Jahre bei Liverpool unter Vertrag, spielten dort an der legendären Anfield Road. Was bleibt aus dieser Zeit?
Das war für mich eine sehr lehrreiche Zeit, trotz aller Enttäuschungen. Ich bin menschlich gereift und glaube, dass mir dies im weiteren Verlauf meiner Karriere helfen wird. Früher war ich grün hinter den Ohren, in den letzten zwei Jahren in England habe ich einen grossen Schritt nach vorne gemacht.
Hatten Sie sich mehr Chancen bei den «Reds» ausgerechnet, als bekannt wurde, dass Roy Hodgson zu Liverpool wechselt?
Nein. Ich wusste, dass es für mich fast unmöglich ist, regelmässig zu spielen. Auf meiner Position spielt ein englischer Nationalspieler, den Liverpool für 18 Millionen Pfund geholt hat (Glen Johnson, Anm. d. Red.). Für mich war klar: Ich muss weg! Ich wollte zu einem Verein, bei dem ich spielen kann. Ich brauche diese Challenge Woche für Woche.
Wie lange benötigen Sie nach zwei Jahren ohne regelmässige Spielpraxis, um wieder ihre Bestform zu erreichen?
Das weiss ich nicht. Ich kann nur sagen, dass ich mit ganzem Herzen bei der Sache bin und mich freue, diese Herausforderung in Stuttgart anzunehmen. Ich sehne jedes Spiel herbei und werde irgendwann wieder meinen alten Formstand erreichen.
Sie kennen die Bundesliga bereits aus ihrer Zeit bei Borussia Dortmund. Welches sind die Unterschiede zur Premier League?
Beide Ligen sind Top-Ligen der Welt. Grosse Unterschiede gibt es nicht. Die Bundesliga hat besonders im physischen Bereich stark zugelegt, was auch an der WM zum Ausdruck gekommen ist.
Stuttgart musste im Sommer einige Abgänge verkraften, Sami Khedira ist sicher der prominenteste davon. Was darf man dem VfB in der am Wochenende beginnenden Saison zutrauen?
Dieses Team hat Potenzial, grosses Potenzial! Wir sind eine sehr junge Mannschaft, aber man sieht, dass jeder Vollgas gibt und mitzieht. Und wenn jeder alles für den Erfolg macht, dann werden wir auch erfolgreich sein.
(Interview: bon / mos)
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