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ESAF 2010
Adrian Käser: «Ich hoffe auf einen Schlussgang-Entscheid»
Als 18-Jähriger zum Schwinger-König gekrönt, schrieb Adrian Käser vor 21 Jahren ein Stück Sport-Geschichte. Im Interview blickt er nochmals auf seinen grössten Coup zurück, spricht von den Veränderungen in der Sportart und über die Ausgangslage am «Eidgenössischen».
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Adrian Käser, vor 21 Jahren wurden Sie in Stans zum jüngsten Schwingerkönig aller Zeiten ausgerufen. Werden Sie noch oft auf diesen Triumph angesprochen?
Adrian Käser: Ja, eigentlich noch recht viel. Es ist doch manchmal erstaunlich, wenn ich beispielsweise einen Jungschwinger-Kurs gebe, werde ich von den Kindern erkannt, obwohl sie ja 1989 noch gar nicht geboren waren.
Mit 18 Jahren waren Sie Schwingerkönig. Hatte dieser Titel Ihr Leben damals komplett verändert?
Es war schon recht viel los, vor allem in der ersten Zeit nach dem Triumph. Mit den Jahren hat sich dies dann gelegt.
Gab es auch negative Seiten?
Im Grossen und Ganzen eigentlich nicht. Wie bei allen anderen Sachen gibt es auch Ärgerliches. Doch dies hielt sich in Grenzen.
Können Sie sich noch an den Moment erinnern, als Sie Eugen Hasler nach 8 Minuten besiegten?
Der ganze Kampf und die ganze Vorbereitung darauf sind noch sehr präsent, als wäre es gestern gewesen. Alles andere geht schneller in Vergessenheit. Der erste Run nach dem Schlussgangsieg war so gewaltig, dass konnte man gar nicht alles verarbeiten. Viele Dinge gingen an mir vorbei, von denen ich erst Kenntnis nahm, als mich Personen später darauf ansprachen oder davon erzählten.
Mit Silvio Rüfenacht gewann 1992 letztmals ein Berner den Titel. An den nachfolgenden 5 «Eidgenössischen» ging der Kanton leer aus – wieso?
Weil die anderen ganz einfach stärker gewesen waren. Da gibt es nicht allzu viel zu erklären. Die Ostschweizer hatten vor uns eine Durststrecke. Bei uns Bernern lief es zu dieser Zeit sehr gut. Die Gefahr besteht immer, dass die Nachwuchsarbeit vernachlässigt wird, wenn es rund läuft. Dafür mussten wir in den letzten Jahren büssen. Man hat dann aber reagiert und viel Wert auf den Nachwuchsbereich gelegt. Doch die ganze Entwicklung geht nicht von einem auf das andere Jahr. Doch nun sind wir zurück im Geschäft und können an der Spitze mitreden.
Wie hat sich das Schwingen in den letzten 20 Jahren in sportlicher Hinsicht verändert?
Die Trainingsmöglichkeiten sind professioneller geworden. Beinahe jeder Top-Schwinger hat seinen persönlichen Trainer. Zu meiner Zeit haben wir uns noch auf unser Gefühl verlassen, was wir trainieren wollen und müssen. Das war sicher nicht immer schlecht. Aber nun wird natürlich viel gezielter, viel effizienter trainiert, was unter anderem dazu führt, dass die Schwünge dynamischer ausgeführt werden.
Welche Veränderungen stellen Sie an einem Wettkampftag fest?
Zu meiner Aktivzeit war es nicht ungewöhnlich, dass man zu zweit an einem Wettkampf-Anlass unterwegs war und sich auf diese Weise unterstützte. Heute ist es so, dass die Schwinger ihre Betreuer haben. Auch neben dem Festplatz wird versucht, den Athleten alles zu bieten, in ärztlicher und therapeutischer Hinsicht. Das hatten wir alles noch nicht gekannt. Wir waren für uns selbst verantwortlich.
Die Popularität des Schwingsports ist enorm, mit ihr nimmt aber auch die Kommerzialisierung zu. Fluch oder Segen?
Beides. Es hat Vor- und Nachteile. Ein wenig ist der Schwinger auch ausgeliefert, man hat gegenüber Sponsoren Verpflichtungen und ist mehr eingeschränkt. Aber ich finde es richtig, dass die Schwinger für ihren Aufwand entschädigt werden. Aber übertreiben sollte man dies nicht, hier ist der gesunde Menschenverstand gefragt.
Was sind Ihre Erwartungen an das «Eidgenössische» in Frauenfeld?
Ich hoffe auf ein tolles Fest und gutes Wetter. Am Sonntag soll jeder nach Hause gehen und von sich sagen können, dass es ein toller Anlass gewesen war. Zudem fände ich es gut, wenn es einen Schlussgang-Entscheid geben würde. Das macht doch viel aus - alle warten auf den Final und man möchte sehen, wer der Sieger ist und nicht einen Gestellten zum Schluss serviert bekommen.
Wer wird zum König ausgerufen?
Das ist schwierig zu sagen. Es gibt einen Favoritenkreis, aber da manche noch angeschlagen sind, wird die Gruppe der Sieges-Anwärter möglichweise bis zu 10 oder 12 Athleten umfassen. Toll ist, dass jeder Verband Schwinger hat, die um den Titel kämpfen können.
In früheren Austragungen des «Eidgenössischen» kamen 3 bis 5 Schwinger für den Titel in Frage. Nun ist alles viel ausgeglichener?
Über Jahre kamen Forrer und Abderhalden, vielleicht noch Sutter und Fausch für einen grossen Titel in Frage. Die Ostschweizer dominerten in dieser Zeit. In der aktuellen Saison lief es so, dass die Schwinger einander gewollt oder ungewollt aus dem Weg gingen. Das macht es umso spannender, niemand weiss genau, wer wie stark sein wird.
(Interview: Philippe Jäggi)
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