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Notengebung

Orientierung im Noten-Dschungel

Dienstag, 10. August 2010, 15:41 Uhr

Im Schwingen ist es wie in der Schule - es gibt Noten. Die Notengebung ist aber für Laien auf Anhieb nicht ganz einfach zu verstehen. Eine Erklärungshilfe.

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Im Fussball ist es simpel; jene Mannschaft, die mehr Tore erzielt, ist Sieger. Im Boxen ist die Angelegenheit auch noch verständlich; der überlegenere Boxer der Runde erhält 10 Punkte, sein Gegner 9 - ausser er geht auf die Bretter oder ist krass unterlegen. Dann erhält er nur 8 Zähler. Am Schluss wird abgerechnet, vorausgesetzt keiner der Faustkämpfer ging K.o.

Maximalnote 10,0 für den Plattwurf

Im Schwingen ist die Angelegenheit komplizierter. Es gibt Noten von 8,5 bis 10,0. Es ist in Ausnahmefällen sogar möglich, dass ein Schwinger, der einen Kampf verliert, dennoch mehr Punkte gutgeschrieben erhält, als einer, der den Kampf gestellt hat (Unentschieden).

Doch der Reihe nach: Die Maximalnote 10,0 erhält ein Schwinger, der seinen Gegner mit einem Plattwurf auf den Rücken wirft. Heisst, beide Schultern des Unterlegenen berühren das Sägemehl quasi gleichzeitig. Muss der eine Schwinger seinen Kontrahenten auf den Rücken drücken, dann gibt es 9,75 Punkte für einen «Sieg mit Überdrücken» .

8,75 bis 9,0 für einen «Gestellten»

Variert wird auch bei gestellten Gängen , Duellen also, bei denen kein Sieger hervorgeht. Handelte es sich um einen attraktiven Kampf , dann wird den «Bösen» je die Note 9,0 geschrieben. Bei einem unattraktivem Kampf gibt es 8,75 Punkte. In Ausnahmefällen können die 3 Kampfrichter gar auf 8,5 entscheiden, falls beide Schwinger äusserst passiv agiert haben.

Verlierer erhält Note 8,5

In diesem Fall könnte ein Verlierer mit 8,75 gar die höhere Note erhalten. Diese Punktezahl gibt es aber nur bei einer ehrenvollen Niederlage, bei der stark gekämpft und viel riskiert worden ist. «Die Maximalnote 8,75 für den verlorenen Gang gilt als Ausnahme und darf nur bei überdurchschnittlicher, technisch hochstehender und angriffiger Arbeit erteilt werden», heisst es im Technischen Regulativ des Eidgenössischen Schwingerverbandes. So erhält ein Schwinger, der einen Gang verliert, in der Regel die Note 8,5.

Am Ende werden alle Noten zusammengezählt. Jene Schwinger, welche z.B. am «Eidgenössischen» nach 7 Gängen die höchste Punktzahl aufweisen, bestreiten den Schlussgang.

Festsieger ohne Schlussgang-Teilnahme

Das wiederum kann zur Folge haben, dass einer ein Fest gewinnt, der gar nicht im Schlussgang war. Weil eben alle guten Schwinger am Schluss gleich viele Kämpfe bestritten haben. Einen solchen Sieger nennt man dann den lachenden Dritten. Das gibt es ziemlich oft. Ein prominentes Beispiel ist das Unspunnenfest 1999, in dem Jörg Abderhalden nicht im Schlussgang stand, am Schluss aber am meisten Punkte totalisierte und als Sieger da stand.

Es könnte also auch beim «Eidgenössischen» theoretisch einen Sieger geben, der nicht Schlussgangteilnehmer war. Allerdings wäre er dann kaum König, sondern nur Erstgekrönter. Den Titel «König» kann man sich im Prinzip nur mit einem Schlussgangsieg holen, wobei es auch da Ausnahmen gibt: Arnold Forrer stellte 2001 den Schlussgang gegen Abderhalden, aber die Eidgenössischen Obmannen befanden die Gesamtleistung von Forrer über das ganze Fest als königswürdig.

Die Turner forderten die Noten

Ihren Anfang hatte die Notengebung Ende des 19. Jahrhunderts mit dem Aufkommen des Turnerschwingens genommen. Wie beim Kunstturnen verlangten die schwingenden Turner, auch den Stil des Kampfes zu berücksichtigen. Allerdings ging die Skala damals noch von 5 - 10 und oftmals wurde konfus benotet. «Da wurde wild im Zeug herumgemischelt», sagt Ernst Schläpfer, Obmann des ESV-Zentralvorstands und zweifacher Schwingerkönig.

In den Zwischenkriegsjahren näherte man sich dann der heute aktuellen Notengebung, auch wenn damals noch differenzierter benotet wurde. So konnte es für einen Sieg zum Beispiel auch nur 9,5 Punkte geben. Die Notengebung, wie man sie nun kennt, existiert seit Mitte der 1970er-Jahre.

Abderhaldens Plattwurf im Schlussgang 2007 gegen Fausch.

Notengebung

10,00 Sieg mit Plattwurf

9,75 Sieg mit Überdrücken

9,00 Gestellt (unentschieden) bei attraktivem Kampf

8,75 Gestellt bei unattraktivem Kampf

(8,50 Gestellt, beide Schwinger äusserst passiv - sehr selten)

8,75 Niederlage, aber stark gekämpft und viel riskiert

8,50 Niederlage

(bon)