Leichtathletik
EM
Das Problem mit den leeren Rängen
Der magere Publikumsaufmarsch an der EM in Barcelona hat seine Gründe, schreibt SF-Leichtathletik-Kommentator Peter Minder. Das Wettkampf-Programm ist zu wenig attraktiv - und auch die Stierkämpfer buhlen um die Gunst der Zuschauer.
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Dass die Leichtathletik-EM 2010 so früh stattfindet, hat einen plausiblen Grund: An diesem Wochenende beginnen für die Spanier die Sommerferien. Ab Montag soll die Stadt leer sein, und deshalb wäre eine Austragung der Titelkämpfe wie üblich Mitte August wenig erfolgversprechend gewesen.
Der Ferienbeginn in Spanien fällt mit den letzten beiden Wettkampftagen der Europameisterschaften zusammen. Es bleibt zu hoffen, dass das Stadion wenigstens zum Abschluss besser gefüllt ist als in den erstenTagen. Denn im Vergleich zu den letzten EM in München 2002 und Göteborg 2006 sind die Titelkämpfe in Barcelona punkto Zuschaueraufmarsch bisher enttäuschend verlaufen.
Kaum Entscheidungen an den ersten drei Tagen
Der Fanzustrom fiel sehr bescheiden aus, und die gähnende Leere in weiten Teilen des Stadions blieb auch dem TV-Publikum nicht verborgen. Die Gründe dafür sind vielfältig. Sie reichen von der eher mittelmässigen bis problematischen Organisation bis hin zum langweiligen Programm. Viele Katalanen sparen sich offensichtlich den Gang auf Barcelonas Hausberg Montjuic - am Abend und vor allem am Morgen.
Wenn am ersten Abend der EM nur zwei Finals stattfinden und am zweiten sowie dritten Wettkampftag gerade mal deren 4 respektive 5 Entscheidungen angesetzt sind, können das nicht einmal die Athleten mit starken Leistungen und spannenden Rennen gerade biegen.
Siegerehrungen vor leeren Rängen
Und die Efforts werden ihnen auch noch schlecht gedankt. Denn anstatt den Grossteil der Siegerehrungen geschickt ins Programm einzubauen, werden sie am Ende des Abendprogramms - wenn die meisten Zuschauer das Stadion bereits verlassen haben- durchgeführt. Das ist nicht sehr athletenfreundlich und fast schon respektlos den Hauptakteuren gegenüber.
Wer hat das Sagen?
Der europäische Leichtathletikverband (EAA) unternimmt (zu) viele Anstrengungen, die Sportart attraktiver zu machen. Nur, davon spürt man in Barcelona herzlich wenig. Wohl auch weil die Organisatoren die Ideen nur bedingt umsetzen. Die Frage darf gestellt werden, wer eigentlich an einer EM das Sagen hat - der Veranstalter oder der Kontinentalverband?
Eine Antwort sollte möglichst bald gefunden werden, denn die nächsten richtigen Europameisterschaften finden 2014 in Zürich statt. Wie stark dann die EM wieder zu einem Event mit tragfähigem Programm an jedem Wettkampfabend wird, hängt von zwei Schweizern ab. Denn der Präsident der EAA ist ein Schaffhauser und der OK-Chef von Zürich 2014 ein in Zug lebender Zürcher.
Bleibt zu hoffen, das sie sich im Interesse des Publikums und der Athleten finden. Immerhin könnten sie nach geschlagener Schlacht um Machtverhältnisse und Kompetenzen dann hoffentlich die Kappeler Milchsuppe löffeln.
Stierkampf als Konkurrenz
Am 1. August findet in Barcelona übrigens noch eine Parallelveranstaltung statt: ein grosser Stierkampfevent (siehe unten stehendes Foto).
Mal sehen, ob die Leichtathletik mit der traditionellen «Finalissima» am letzten Tag bessere Argumente als die Corrida besitzt, welche diese Woche vom katalanischen Parlament per 2012 verboten wurden.
In Zürich wäre das gar nicht möglich, denn 2014 wird das Leichtathletik- wohl auch immer noch das Fussballstadion Zürichs sein. Und das hoffentlich ohne Stützen.
Peter Minder ist SF-Leichtathletik-Kommentator. «SF zwei» übeträgt das Geschehen in Barcelona am Samstag ab 19 Uhr und am Sonntag ab 19.25 Uhr.
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