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WM 2010 Südafrika

FIFA WM 2010

WM 2014: Brasilien unter Druck

Montag, 12. Juli 2010, 17:41 Uhr

Die WM in Südafrika ist passé, die nächste steht bevor. In vier Jahren ist Brasilien Gastgeber, aber wenn das Land nicht endlich in Bewegung kommt, drohen alle schönen Pläne zur Makulatur zu werden. Die Probleme werden eher grösser als kleiner.

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«Unglaublich, wie spät Brasilien dran ist», hatte Jérôme Valcke, immerhin Generalsekretär des Weltverbandes FIFA, vor 2 Monaten alarmiert festgestellt, und den Brasilianern erklärt: «Ihr müsst euch schon ins Zeug legen.»

«Das machen wir», versprach Ricardo Teixeira, OK-Chef, mächtiger Präsident des brasilianischen Verbandes CBF. Staatspräsident Luiz Inácio Lula da Silva prophezeit die beste WM, «die dieser Planet je gesehen hat».

Erhebliche Finanzierungsprobleme

Doch Zweifel sind angebracht: 12 Stadien hat Brasilien vorgeschlagen, nur 6 hat die FIFA bislang gutgeheissen. In Belo Horizonte, Brasilia, Cuiabá, Curitiba, Manaus und Porto Alegre. In allen 6 Städten gibt es dennoch grosse Probleme, zumeist mit der Finanzierung.

Der Neubau oder die Renovierung der Arenen stehen auf einer Liste von 86 Projekten, für die die Regierung 13,2 Milliarden Dollar bereitgestellt hat. Doch die Verteilung der Gelder gestaltet sich schwierig.

São Paulo: Sorgenkind Nummer 1

Die Kosten für die Renovierung des legendären Maracanã in Rio de Janeiro, wo am 13. Juli 2014 das Endspiel stattfinden soll, sind mittlerweile auf 400 Millionen Dollar gestiegen. Doch das Sorgenkind Nummer 1 bleibt São Paulo, die grösste Stadt des Landes und dessen wirtschaftlicher Motor. Das Morumbi, Stadion des sechsmaligen Meisters FC São Paulo, ist wie zwei weitere der 12 WM-Arenen in privater Hand. Umgerechnet 287 Millionen Euro werden benötigt, um es für das Eröffnungsspiel in Schuss zu bringen.

Doch die Stadt verweigert dem FC São Paulo finanzielle Garantien. Der Klub will sich nicht verschulden und bevorzugt eine kleine, umgerechnet 128 Millionen Euro teure Lösung. Das hiesse: kein Eröffnungsspiel in São Paulo, und keine Spiele ab dem Viertelfinale. Teixeira graut vor der Vorstellung, «dass die WM ohne São Paulo stattfindet» - doch so wird es womöglich kommen.

WM-Orte ohne Team der obersten Ligen

Mit der Ausweitung auf 12 Austragungsstätten wollen die Veranstalter den Fussball in alle Winkel des Landes bringen. Die 5 Grossregionen haben mindestens einen Vertreter. Doch Manaus und Cuiabá sind ohne Team in den obersten beiden Profiligen. Den Stadien dort droht nach der WM Leerstand und Verfall.

Der Bundesdistrikt Brasilia wird zudem von einem der grössten politischen Skandale in der Geschichte des Landes erschüttert, bei der Errichtung des Nationalstadions wurde noch kein Stein bewegt. Baustopp auch bei der «Arena Capibaripe» in Recife. In Natal wird für die «Arena das Dunas» gerade erst die Erde geebnet. In Manaus und Cuiabá reissen sie noch die Fassaden der alten Stadien ein, um Platz für die neuen zu schaffen.

Probleme auch bei den Flughäfen

Der Pessimismus beschränkt sich nicht auf die Stadien. Grosse Kopfschmerzen bereitet die Situation der Flughäfen, die schon heute in jeder Ferienzeit an die Grenze der Belastbarkeit stossen. Laut einer Studie operierten die Airports für 10 der 12 geplanten Austragungsstätten im Jahr 2009 über ihrer Kapazität. Und ohne Flughäfen bricht der Transport aufgrund der Dimensionen des Landes wohl zusammen.

Schon denkt die FIFA darüber nach, den Spielplan entsprechend anzupassen. «Brasilien ist ein Kontinent, nicht nur ein Land», sagt Generalsekretär Valcke. Der Weltverband wird wohl zumindest für die Vorrunde 4 Regionen einrichten, um die Reisezeit zwischen den Spielorten auf ein bis zwei Flugstunden für Mannschaften und Fans zu begrenzen.

Einstweilen aber bleibt Teixeira wohl nur, auf den berühmten «Jeitinho» der Brasilianer zu setzen: Das Geschick, in verzwickten Situationen den Kopf noch listig aus der Schlinge zu ziehen.

(agenturen/jäg)