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WM 2010 Südafrika

Chile - Schweiz

Hitzfeld: «Das hat mit Fussball nichts mehr zu tun»

Montag, 21. Juni 2010, 19:27 Uhr

Sogar der sonst zurückhaltende Ottmar Hitzfeld verlor kurz seine Contenance: «Das hat mit Fussball nichts mehr zu tun», meinte der Nati-Coach zur roten Karte gegen Valon Behrami. Die Empörung auf Schweizer Seite über die Schiedsrichter-Leistung ist gross.

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31. Minute: Valon Behrami wehrt sich im Zweikampf zunächst gegen den Chilenen Jean Beauséjour, danach gegen Arturo Vidal. Dabei trifft der Tessiner das Gesicht des Letzteren. Vidal geht effektvoll zu Boden, Linienrichter Hassan Kamranifar hebt seine Fahne, Schiedsrichter Khalil Al Ghamdi verweist Valon Behrami des Feldes.

75. Minute: Chiles Valdivia spielt steil Paredes an, der aus abseitsverdächtiger Position Benaglio umspielt. Seine Flanke verwertet Gonzalez zum entscheidenden Tor. Schiedsrichter Al Ghamdi gibt das Tor. Rechts hatte Isla weit im Offside gestanden, er griff aber nicht ins Spiel ein.

«Riesiger Nachteil während einer Stunde»

Bild Ottmar Hitzfeld.
Ottmar Hitzfeld. keystone

Zwei Szenen, die für Aufregung bei den Schweizern sorgten. «Behrami schlägt überhaupt nicht», widerspricht Ottmar Hitzfeld. «Deshalb hatten wir einen riesigen Nachteil während 60 Minuten.» Trotzdem habe man es «fast geschafft, zu Null zu spielen».

Urs Meier beurteilte die Situation ähnlich: «Der Feldverweis war völlig übertrieben. Natürlich hat Behrami mit den Armen gearbeitet, aber das war kein Schlag und keine Tätlichkeit»,
kritisierte der frühere Schweizer Weltklasse-Schiedsrichter im ZDF .

Bild Valon Behrami kann es nicht fassen: Platzverweis.
Valon Behrami kann es nicht fassen: Platzverweis.

Offside oder nicht?

Den Schweizer Spielern machte die zweite Entscheidung aber fast mehr zu schaffen. «Das Tor war abseits», beklagte sich Steve Von Bergen. «Der Schiedsrichter war nicht Topniveau.» Ähnlich Stephan Lichtsteiner: «Das Tor war offside; das geht einfach nicht.»

Die Situation kann allerdings auch anders beurteilt werden. So sah SF-Experte Alain Sutter Paredes auf gleicher Höhe - was Lichtsteiner zur Reaktion trieb: «Aber es war Offside, das siehst du doch, Alain.»

FIFA mit Unparteiischen zufrieden

Die FIFA wies die Kritik an den Schiedsrichter-Leistungen zurück. «Grundsätzlich sind wir sehr zufrieden mit den Leistungen. Fehler sind nur menschlich», sagte Schiedsrichter-Kommissions-Chef José Maria Garcia-Aranda am Montag.

Einzelne Entscheidungen wollte der Spanier nicht kommentieren. «Wenn ein Superstar den Ball weit über das Tor oder in Richtung Eckfahne schiesst, stellt auch niemand gleich die Glaubwürdigkeit des ganzen Spiels in Frage», sagte Garcia-Aranda.

Chile war besser

Fast verdrängt wird durch diese Diskussion, dass der Sieg Chiles angesichts der deutlich höheren Spielanteile - auch schon vor der roten Karte gegen Behrami - in Ordnung geht. Chiles Coach Marcelo Bielsa meinte: «Bei dem Spiel ist es mir so vorgekommen, als wären wir die ganze Zeit im Ballbesitz gewesen. Ich denke, es war am Ende ein verdienter Sieg.»

Leise Kritik an Derdiyok

Auch Hitzfeld räumte ein, dass Chile «läuferisch, technisch und spielerisch» äusserst stark sei. Trotzdem habe man fast ein Unentschieden gerettet. Bei Eren Derdiyoks Grosschance in der 90. Minute «wollte ich schon jubeln», sagte der Lörracher. Derdiyok habe «viel Zeit» gehabt und «sich die Ecke aussuchen» können, liess er Kritik am Leverkusener anklingen.

(boe)