Inhalt

WM-History 2006

WM 2006: Ein Sommermärchen

Donnerstag, 3. Juni 2010, 11:18 Uhr

Grossleinwände, Traumwetter und Festtagsstimmung – die WM 2006 in Deutschland bot vor allem den Fans ein unvergessliches Spektakel. Fussballerisch bleiben ein überraschend offensives Deutschland, ein enttäuschendes Brasilien und ein hitziger Final mit einem folgenschweren Kopfstoss in Erinnerung.

Videoplayer
Zidanes Ausraster

Mehr zum Thema

Artikel bewerten

  • Durchschnittliche Bewertung: 4
  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5

Artikel teilen

Die WM 2006 in Deutschland war laut FIFA-Präsident Sepp Blatter die am besten organisierte der Geschichte. Aber nicht nur der reibungslose Ablauf der WM imponierte. Vielmehr sorgte das enthusiastische und gastfreundliche Deutschland für Volksfeststimmung im ganzen Land und darüber hinaus. Gepaart mit dem Traumwetter über die vier Wochen ergab das ein wahres Sommermärchen.

Italien siegt im Elfmeterschiessen

Aus fussballerischer Sicht war das Turnier geprägt von Taktik und Athletik. Tore waren Mangelware, der Deutsche Miroslav Klose wurde mit nur 5 Treffern Torschützenkönig. Vier Spiele gingen ins Elfmeterschiessen, so auch der Final, in dem Italien Frankreich 5:3 im Elfmeterschiessen besiegte und somit zum 4. Mal Weltmeister wurde.

Unerfreuliche Rekorde 2008: Schweiz

Das Schweizer Nationalteam zeigte in der Gruppenphase eine hervorragende Leistung: Gegen Frankreich schaffte Köbi Kuhns Elf ein 0:0-Remis. Zwei Siege gegen Togo (2:0) und Südkorea (2:0) sicherten Rang 1 nach der Gruppenphase. Ohne ein Gegentor kassiert zu haben, trafen die Schweizer im Achtelfinal auf die Ukraine.

Nach torlosen 90 Minuten und einer ebenso ereignislosen Verlängerung wurde das Spiel im Penaltyschiessen entschieden. Die Schweizer trafen kein einziges Mal und mussten mit zwei bitteren Superlativen im Rucksack nach Hause fahren: Die Schweizer Nati schied als erstes Team überhaupt ohne Gegentreffer von einer WM aus. Und: die Schweizer Nati war die erste Mannschaft, die bei einer WM im Elfmeterschiessen kein einziges Mal traf.

Bild Miroslav Klose, der Torschützenkönig der WM 2006.
Miroslav Klose, der Torschützenkönig der WM 2006. keystone

Erfreuliche Spielweise 2006: Deutschland

Nicht nur die deutschen Fussballfans, auch das Team von Trainer Jürgen Klinsmann bot ein tolles Fussballfest. Mit überraschend offensivem Fussball zogen die Deutschen als Gruppensieger weiter. Im Achtelfinal gegen Schweden folgte der grosse Auftritt des jungen Lukas Podolski, der beide Treffer zum 2:0-Sieg erzielte. Als wahrer Krimi erwies sich die Viertelfinalpartie gegen Argentinien, die Deutschland glücklich im Penaltyschiessen gewann. Der attraktive Halbfinal gegen Italien war mit Chancen auf beiden Seiten lange ausgeglichen. Erst in der Verlängerung erzielte der spätere Weltmeister zwei Tore. Deutschland sicherte sich in einem abwechslungsreichen kleinen Final gegen Portugal schliesslich Bronze.

Turniermannschaft 2006: Frankreich

Die «Equipe tricolore» startete schlecht ins Turnier. Ein 0:0 gegen die Schweiz und das 1:1 gegen Südkorea – die Medien sparten nicht an Kritik an der «überalterten» Mannschaft. Die erste gute Leistung der Franzosen dann beim 2:0 gegen Togo, das auch das Weiterkommen sicherte. Vom Achtelfinal an steigerten sich die Franzosen immer weiter. Das 3:1 gegen Mitfavorit Spanien und das 1:0 gegen Brasilien liess die Medien plötzlich von der Routine und Cleverness Frankreichs schwärmen. Nach einem verhaltenen Halbfinalsieg gegen Portugal verloren die Franzosen den dramatischen Final unglücklich – schliesslich blieb der 2. Platz, den ihnen nach der Gruppenphase niemand zugetraut hätte.

Bild Zinedine Zidane (r.) wurde trotz Ausraster zum Spieler der WM.
Zinedine Zidane (r.) wurde trotz Ausraster zum Spieler der WM. keystone

Ausraster 2006: Zidane

Beim Stand von 1:1 ging der Final in die Verlängerung, in der Frankreich das auf Abwehr bedachte Italien dominierte. In der 110. Minute dann rammte Zinedine Zidane seinen Kopf in die Brust Marco Materazzis, als Reaktion auf die mehrfachen Beleidigungen Materazzis gegen Zidanes Familie. «Zizou» wurde natürlich des Feldes verwiesen, die Partie flaute danach ab. Zidane fehlte im Elfmeterschiessen – vielleicht entscheidend. Im Nachhinein wurden beide Beteiligten mit Spielsperren und Geldstrafen gebüsst. Zidanes «Kopfstoss» erreichte innert Stunden durch das Lied «Coup de boule» und etliche Internet-Videos Berühmtheit.

Überraschung 2006: Australien

Zu den Überraschungen der WM 2006 zählte das Team von Australien. Das Team von «Down under» zeigte gute Gruppenspiele und zog als 2. in den Achtelfinal ein. Mit Australien überstand zum ersten mal ein Team aus Ozeanien die Gruppenphase. Ebenso begeisterten Angola und Trinidad und Tobago. Die beiden Mannschaften, die praktisch nur aus Amateuren bestanden, konnten in ihren Gruppenspielen den Gegnern durchaus Paroli bieten und erkämpften sich so die Sympathien des Publikums. Vor allem in Erinnerung: der hervorragende Ersatz-Torhüter Hislop, dank dem man einen Punkt gegen Schweden einfahren konnte.

Bild Aloisi und Wilkshire vom australischen Team haben gut lachen: als erstes Team der Ozeaniengruppe weiter.
Aloisi und Wilkshire vom australischen Team haben gut lachen: als erstes Team der Ozeaniengruppe weiter. reuters

Enttäuschung 2006: Brasilien

Was zuerst über die Franzosen gesagt wurde, traf eigentlich auf die brasilianische Mannschaft zu. Trotz dreier Siege in der Gruppenphase enttäuschte die Seleçao schlichtweg. Das Team wirkte überaltert oder ausgelaugt. Im Achtelfinal war eigentlich Gegner Ghana den Brasilianern ebenbürtig, scheiterte nur am eigenen Unvermögen, 100%ige Torchancen zu verwerten. Im Viertelfinal dann wirkten die Brasilianer unmotiviert und gelangweilt – sie wurden prompt von den dominierenden Franzosen nach Hause geschickt.

Super-Match 2006: Spanien gegen Frankreich

Das Achtelfinal Spanien gegen Frankreich war spielerisch eines der besten Matches der WM. In einem offenen und spannenden Schlagabtausch (1:1-Pausenstand) mussten die Spanier sich erst gegen Ende den wie verwandelten Franzosen mit 3:1 geschlagen geben. Damit setzten die Spanier auch ihre unglückliche Tradition fort, als Favorit früh auszuscheiden.

Mannschaft der Herzen 2006: Elfenbeinküste

Die Elf der Elfenbeinküste zeigte in der Gruppenphase durchwegs sehr gute Leistungen. Doch das Lospech hatte die Mannschaft in eine starke Gruppe mit Holland und Argentinien befördert. Das Team um Didier Drogba spielte offensiv attraktiven Fussball, geriet aber dadurch gegen Argentinien und Holland schnell in Rückstand, den es nicht mehr egalisieren konnte. Die Zuschauer bedauerten die Abreise der Ivorer nach der Gruppenphase.

(krea)