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WM 2010 Südafrika

FIFA WM 2010

Der Voodoo lebt!

Matthias Erne, Südafrika
Samstag, 29. Mai 2010, 9:17 Uhr, Aktualisiert 09:19 Uhr

Es soll niemand glauben, bei der WM habe Voodoo-Zauber nichts verloren. Ganz im Gegenteil: Wir sind in Afrika, und Voodoo gehört für viele Afrikaner zum täglichen Leben. Der Fussball ist davon nicht ausgeschlossen. Ein Erfahrungsbericht aus nächster Nähe.

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Vor der WM 2006 drehten wir in Ghana mit dem Team von Hearts of Oaks, dem Vorzeige-Verein des Landes. Die Stunden vor dem Spitzenspiel gegen Ashanti Gold verbrachten die Spieler mit einer intensiven Voodoo-Sitzung im Hotel in der felsenfesten Überzeugung, dass man ohne die Beschwörung der Götter gar nicht erst zum Spiel antreten müsste.

Zaubersprüche als essentielle Matchvorbereitung

Auf der Fahrt im Mannschaftsbus zum Stadion war der Voodoo-Zauberer in Hochform. Er versprühte geweihtes Wasser, murmelte beschwörende Zaubersprüche – für uns naive Europäer eine spannende Show, für die afrikanischen Spieler eine essentielle Matchvorbereitung. Im Stadion angekommen, blieben die Spieler im Bus sitzen, bis der Voodoo-Mann im feindlichen Gebiet seine Arbeit begonnen hatte. Blitzschnell platzierte er geweihte und verzauberte Fleischstücke um den Bus herum, um die Geister zu verscheuchen, die der Gegner mit grösster Sicherheit dort ausgelegt hatte.

Fauler Zauber führt zu Prügelei

Nachdem wir ausgestiegen waren, realisierten wir, dass wir in des Teufels Küche geraten waren. Die Anhänger von Ashanti Gold empfanden das Ganze als faulen Zauber. Innerhalb weniger Sekunden entwickelte sich eine «währschafte Keilerei». Dass mein Kameramann und ich mit dem Voodoo nichts zu tun hatten, interessierte keinen, schon gar nicht die Polizisten, die demonstrativ in die andere Richtung schauten, was ihnen so direkt niemand verargen kann – wer will sich schon freiwillig den Zorn der Götter zuziehen?

Flucht ohne Spiel-Bilder

Die Sache wurde immer unangenehmer. Der Deutsche Trainer von Hearts erlitt eine Schulterluxation, zwei seiner Spieler wurden so zusammengeprügelt, dass sie das Spiel verpassten. Uns selbst blieb ein ähnliches Schicksal erspart, weil ein einsichtiger Funktionär des Heimklubs ein Einsehen hatte. Bevor auch wir zu Voodoo-Opfern wurden, schloss er uns kurzerhand in seinem Büro ein, wo wir uns solange versteckten, bis der grösste Zorn der Menge verraucht und das Spiel angepfiffen war. Diesen Moment nutzten wir zur Flucht – Bilder vom Hit Hearts-Ashanti waren in diesem Moment unwichtig geworden.

Wenn Masseure Zauberer sind

Es soll niemand glauben, dass in den nächsten Wochen Voodoo in Südafrika keine Rolle spielen wird. Wer weiss schon, ob der dritte Masseur der Nigerianer wirklich ein Masseur ist, und keiner, der fürs Zaubern zuständig ist? Und ich kann mir nicht vorstellen, dass Ghana ohne Voodoo-Experten zur WM reisen wird. Wenn in den nächsten Wochen in Südafrika ungewöhnliche Sachen passieren sollten, dann wissen Sie jetzt: Es könnte auch Voodoo im Spiel gewesen sein.

Matthias Erne ist freischaffender Fernsehjournalist und berichtet für SF von der Fussball-WM in Südafrika. Im Vorfeld hat er für die SRG Reportagen in Afrika, Ozeanien, Nord- und Südamerika gedreht.

Kommentare aktiv...

M. Biene, Rorschachherberg
(Majathebee Frau)
Verfasst am: 7.6.2010 13:52

ich bin in südafrika aufgewachsen

und hatte nie mit voodoo oder irgendeiner... mehr

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S. Lamprecht, Eglisau
(Verteidiger Mann)
Verfasst am: 29.5.2010 10:08

Lebte..

selber 5 Jahre in Westafrika und kann nur... mehr

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J. Batt, Salmsach
(Weltmeister2014CH Mann)
Verfasst am: 29.5.2010 9:39

Danke

Sehr spannender Bericht

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