WM History
WM-History 1998
WM 1998: Triumph der «Equipe tricolore»
Die Endrunde 1998 wurde zum Siegestaumel einer ganzen Nation. Pathetisch erklärte Präsident Jacques Chirac nach dem gewonnenen Final, Frankreich habe «seine Seele wiedergefunden».
Weltmeister 1998: Frankreich
Für Frankreich wurde die WM im eigenen Land zum totalen Triumph. Die «Equipe tricolore» bezwang im Final dank zwei Toren von Zinedine Zidane und einem von Emmanuel Petit den Titelverteidiger Brasilien mit 3:0. Frankreich realisierte im Turnier insgesamt 15 Treffer, so viele wie kein anderes Team. Die Euphorie war gross: Rund 1,7 Millionen Menschen jubelten nach dem Titel auf den Strassen von Paris und feierten die ganze Nacht. Die Basis für den WM-Titel hatte Frankreich bereits viel früher gelegt. Mit einem beispielhaften Ausbildungsmodell wurde der Höhenflug eingeleitet.
Superstar 1998: Zinedine Zidane
Der Star des Turniers hiess nicht wie allgemein erwartet Ronaldo, sondern Zinedine Zidane. Der Sohn algerischer Einwanderer hatte mit zwei Final-Toren massgeblichen Anteil am WM-Titel. «Zizou» war an der WM-Endrunde aber ein Spätzünder. lm zweiten Vorrunden-Spiel gegen Saudi-Arabien wurde er nach einem Tritt des Feldes verwiesen und musste bis zum Viertelfinal aussetzen. Tore schoss Zidane an der WM nur deren zwei, aber eben die wichtigsten. Er deutete damals an, was er danach noch oft zeigte: «Zizou» schlägt in grossen Spielen zu!
Verlierer 1998: Holland
Das Penaltyschiessen entvvickelte sich an der WM 98 definitiv zum Horror für Holland. lm Halbfinal schied das Team von Guus Hiddink erst in der Elfmeter-Lotterie aus. Bereits an den EM-Endrunden 1992 und 1996 waren die «Oranjes» im Elfmeterschiessen gescheitert. Die Serie war damit aber noch nicht beendet. Auch an der EM 2000 scheiterte Holland in gleicher Manier; die Tragödie war perfekt. Zurück zur WM: lm Spiel um Platz drei kamen die Niederländer um das Nervenspiel herum - das Spiel gegen Davor Sukers Kroatien ging «regulär» verloren...
Super-Match 1998: Brasilien - Holland
Die Halbfinal-Partie in Marseille hätte eigentlich zwei Sieger verdient gehabt. Bis zum Ende der Verlängerung fielen zwar nur zwei Tore, dennoch fand die Partie auf einem hohen Niveau statt. Ronaldo brachte den Titelverteidiger nach der Pause in Führung. Holland rannte darauf gegen den Rückstand an. Als die Zeit zu verrinnen schien, schoss Kluivert vier Minuten vor Schluss doch noch den Ausgleich. Dies kostete Kraft: Oranjes gerieten in der Verlängerung gewaltig unter Druck, doch den Südamerikanern gelang die Entscheidung erst im Penalty-Krimi.
Stadion 1998: Stade de France
Die WM-Organisatoren liessen auf den Sommer 1998 hin im Pariser Vorort Saint-Denis eine topmoderne Fussball- Arena errichten. Das Stade de France wurde zum damals teuersten Stadion der Welt. An die 700 Millionen Franken kostete der UFO-förmige Stadion-Traum. Die Arena bietet rund 80'000 Zuschauern Platz und verfügt über eine spektakuläre Dachkonstruktion.
Der Neubau war Austragungsort des WM-Finals Mit dem Triumph Frankreichs hätte das neue Nationalstadion nicht besser «eingeweiht» werden können.
Tragödie 1998: Hooligans
Das wohl traurigste Kapitel im Rahmen einer Fussball-WM geschah am Rande des Vorrunden-Spiels Deutschland - Jugoslawien. ln Lens kam es zu schweren Ausschreitungen deutscher Hooligans. Der französische Polizist Daniel Nivel erlitt dabei durch Fusstritte schwerste Kopfverletzungen und lag anschliessend monatelang im Koma. Nivel leidet heute noch an den Folgen dieser Attacke. Auf deutscher Seite erwog man damals ernsthaft einen Rückzug vom WM-Turnier. Deutschlands Coach Berti Vogts wehrte sich letztlich jedoch erfolgreich dagegen.
Überraschung 1998: Kroatien
Das Team von Trainer Miroslav Blazevic nahm 1998 nach der Ablösung von Jugoslawien erstmals an einer WM teil und überraschte dabei positiv. lm Viertelfinal demütigte Kroatien Deutschland mit 3:0. lm Halbfinal gegen Frankreich brachte der spätere Torschützenkönig Suker (6 Tore) die Kroaten gar in Führung, ehe den Franzosen doch noch die Wende gelang. lm Spiel um Platz drei fand Kroatien aber wieder zum Siegen zurück. Gegen Holland setzte es sich mit 2:1 durch und wurde so zum besten WM-Neuling der jüngeren Geschichte.
Enttäuschung 1998: Spanien
Die Fussball-Grossmacht Spanien strauchelte bereits in der WM-Vorrunde. Das Spiel gegen Nigeria leitete dabei das Ausscheiden ein. Goalie-Legende Andoni Zubizaretta unterlief ein Eigentor, die Iberer verloren 2:3. Nach dem 0:0 gegen Paraguay nützte Spanien auch ein 6:1 gegen die Bulgaren nichts mehr, weil Nigeria gegen Paraguay eine B-Mannschaft einsetzte und verlor: Spanien verpasste den Einzug in die WM-Achtelfinals. Die spanische Öffentlichkeit war schwer enttäuscht. Der ungeliebte Trainer Javier Clemente musste in den Medien als Sündenbock herhalten.
Brisanz 1998: USA - Iran
Die Begegnung zwischen Iran und den USA beinhaltete wegen der angespannten Be- ziehung beider Länder eine gewisse Brisanz. Der US-Verbandssekretär stilisierte die Partie denn auch in Anlehnun an die «Mutter aller Schlachten» zur «Mutter aller Spiele» hoch. Die beiden Mannschaften gaben sich aber trotz der Affiche des Spiels zurückhaltend. Mehr noch: Vor dem Anpfiff erhielt die Equipe der USA von ihren iranischen Kollegen weisse Rosen als Zeichen des Friedens. Das Resultat wurde damit zur Neben- sache: Der lran gewann 2:1.
(Pascal Mathis/koem)


