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Eishockey-WM

Jaromir Jagr: «Es zählt die Arbeit, nicht das Talent»

Montag, 24. Mai 2010, 11:05 Uhr

Nach 5 Jahren ist die tschechische Eishockey-Nationalmannschaft zurück auf dem Thron des Weltmeisters. Ein alternder Superstar sowie ein Team als starke Einheit bildeten die Basis des überraschendes Erfolgs.

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Bild Wie wenn es die erste Auszeichnung wäre: Jagr mit der WM-Trophäe.
Wie wenn es die erste Auszeichnung wäre: Jagr mit der WM-Trophäe. keystone

Er hat alles gewonnen, was es im Eishockey zu gewinnen gibt: Stanley-Cup, Olympia-Gold und Weltmeister-Titel. Doch der Ehrgeiz nach mehr lässt nicht nach. Jaromir Jagr ist 38-jährig, nicht mehr der Schnellste auf den Kufen, aber fürs Team wichtiger denn je. Der Altstar führte Tschechien in Köln zum ersten WM-Titel seit 2005 - und war mit 7 Punkten in 9 Spielen der beste Skorer im Team.

Favorit Russland zeigte im Final der Eishockey-WM 2010 die schöneren, die attraktiveren Spielzüge. Russland hatte Jewgeni Malkin und Pawel Datsjuk. Russland schoss mehr aufs gegnerische Tor (36:25). Russland hatte Alexander Owetschkin. Russland traf den Pfosten. Russland hatte Ilja Kowaltschuk. Tschechien hatte ein Team. Tschechien gewann die Partie mit 2:1.

Bykow: «Wir hatten mehr erwartet»

«Ich denke, wir haben gar nicht mal so schlecht gespielt», resümierte Datsjuk, «nun sind wir alle sehr enttäuscht, wir wollten das dritte Gold in Serie gewinnen.» Trainer Slawa Bykow hielt sich nach Russlands erster Niederlage seit 27 WM-Spielen wie stets kurz: «Wir hatten mehr erwartet, aber unglücklicherweise war heute nicht unser Tag.»

Konträr war die Gemütslage im tschechischen Lager. Nach den Niederlagen gegen Norwegen und gegen die Schweiz war das Team abgeschrieben. Doch spätestens nach dem Sieg gegen Kanada im letzten Zwischenrunden-Spiel kam Tschechien in Fahrt. Es folgten die Siege nach Penalties gegen Finnland (Viertelfinal) und Schweden (Halbfinal). Am Ende der Erfolg gegen die scheinbar unbezwingbaren Russen.

Jagr und die Liebe zum Eishockey

«Das war sehr wahrscheinlich die grösste Überraschung in der Eishockey-Geschichte», meinte ein überglücklicher Jagr, «sie hatten die Stars im Team, wir solche aus der heimischen Liga - dies zeigt, dass es nicht aufs Talent ankommt, sondern auf die harte Arbeit.»

Jagr ist stolz auf die Mannschaft. Im dritten Drittel des Finalspiels musste er die letzten Minuten von der Bank aus zuschauen, das Knie schmerzte nach einem Zweikampf zu stark. Er litt mit der Mannschaft als der Druck der Russen zunahm, die letzte Minute schaute er nur noch auf den Boden.

Umso grösser dann die Freude über den Titel, der wenige Tage zuvor so entfernt schien. Und dann kam der Satz, den man irgendwie erwartet hatte: «Ich hoffe, dies war nicht mein letztes Spiel für das Nationalteam. Ich liebe Eishockey und will so lange wie möglich spielen.»

(jäg)