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WM History 1990

WM 1990: «...und am Ende gewinnt immer Deutschland»

Donnerstag, 13. Mai 2010, 15:00 Uhr

Vier Ex-Weltmeister in den Halbfinals, viele Herzschlag-Entscheidungen, tanzende Oldies und ein ausgewachsener Skandal: «Italia Novanta» bot einen Reigen von Emotionen - aber oft nur mässigen Fussball. Weltmeister wurde Deutschland.

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Final WM 1990: Deutschland-Argentinien

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Zu kurzer Sommer für Gastgeber Italien

Ein heissblütigeres Publikum und einen ambitionierteren Ausrichter hätte die Fifa nicht finden können. Ende der 1980er Jahre war Italien das fortschrittlichste Fussball-Land. Die Stadien waren modern, die Liga die beste der Welt und Fussball im gesamten Leben integriert. Gianna Nannini und Edoardo Bennato, die Interpreten des offiziellen WM-Songs, luden zu «Un estate italiana».

Der «italienische Sommer» war aber fünf Tage zu kurz: Die «Squadra Azzurra», die in den ersten fünf Spielen ohne Gegentor geblieben war, schied im Halbfinal gegen Argentinien nach einem 1:1 im Penaltyschiessen aus. Roberto Donadoni und Aldo Serena scheiterten an Sergio Goycochea und stürzten das Land in Trauer. Der Sieg im kleinen Final und der Titel des Torschützenkönigs für den zuvor wenig bekannten Salvatore «Toto» Schillaci (6 Tore) war ein schwacher Trost.

Deutschland zum dritten Mal Weltmeister

Die mit sechs Italien-Legionären angetretenen Deutschen starteten ebenfalls stark ins Turnier und überzeugten vor allem mit ihrem Mittelfeld um Regisseur Lothar Matthäus. Ab den Viertelfinals benötigten sie aber ihre Elfmeter-Nervenstärke. 1:0 gegen die Tschechoslowakei dank einem Penalty-Tor von Matthäus und Sieg im Penaltyschiessen im Halbfinal gegen England.

Auch der Final gegen Argentinien wurde aus 11 Metern entschieden: Rudi Völler liess sich kurz vor Schluss im Strafraum fallen, Andreas Brehme verwandelte zum 1:0, Deutschland holte nach 1954 und 1974 erneut den Titel.

Das Fazit von Englands Gary Lineker ist um die Welt gegangen: «Fussball ist ein Spiel, bei dem 22 Spieler hinter einem Ball herjagen, und am Ende gewinnt immer Deutschland.»

Der Spuckskandal

Auf dem Weg zum Titel hatte Deutschland im Achtelfinal die Niederlande mit 2:1 ausgeschaltet. In Erinnnerung bleibt vor allem der Spuckskandal - 14 Jahre vor Alex Frei: Frank Rijkaard und sein direkter Gegenspieler Rudi Völler lieferten sich lange ein hartes Duell - bis Rijkard Völler ins Gesicht spuckte. Der Deutsche beschwerte sich, beide flogen vom Platz.

WM 1990: Der Spuckskandal

Für Europameister Holland ging damit ein enttäuschendes Turnier zu Ende, in der Van Basten, Gullit und Co. kein einziges Spiel gewinnen konnte und nur mit Glück die Vorrunde (3 Remis) überstand.

Weltmeister als Spieler und Trainer

Deutschlands Trainer Franz Beckenbauer schaffte mit dem WM-Titel Historisches: 16 Jahre nach seinem Titelgewinn als Spieler wurde der «Kaiser» auch als Teamchef Weltmeister - dabei durfte er sich mangels Diplom gar nicht «Trainer» nennen.

Nach der WM verstieg sich Beckenbauer zur Behauptung: «Der deutsche Fussball wird auf Jahre hinaus unschlagbar sein.» Die dänischen «Ferienkicker» widerlegten ihn allerdings nur zwei Jahre später an der EM in Schweden.

Roger Milla betört die Massen

Als erstes afrikanisches Team erreichte Kamerun ein WM-Viertelfinale. Die Afrikaner schlugen im Auftaktspiel sensationell Weltmeister Argentinien um Diego Maradona. Im Achtelfinal bezwangen sie Kolumbien - der exzentrische kolumbianische Torwart René Higuita liess sich bei einem seiner Ausflüge den Ball abluchsen.

Held der Kameruner war Roger Milla. Der 38-Jährige hatte seine Karriere eigentlich ein Jahr zuvor beendet und kehrte erst auf Wunsch von Staatspräsidenten Paul Biya ins Team zurück. Wegen konditioneller Mängel kam Milla immer nur zu Kurzeinsätzen - für vier Treffer reichten aber auch diese aus. Jedes seiner Tore feierte er mit einem Tanz an der Eckfahne - das Publikum war begeistert. Im Viertelfinal gegen England war aber auch für das spielfreudigste Team des Turniers die WM zu Ende.

(uk/boe)