WM History
WM-History 1986
WM 1986: Maradona verzaubert die Welt
Nach 1970 gastiert die Fussball-Weltmeisterschaft erneut in Mexiko. Das Turnier wurde von einem einzigen Spieler geprägt : Diego Armando Maradona. Die «Hand Gottes» und er führten Argentinien zum 2. Titel nach 1978.
Dass die Weltmeisterschaft nach 1970 bereits wieder in Mexiko gastierte, war eine Notlösung. Eigentlich hätte das Turnier in Kolumbien stattfinden sollen. Weil jedoch die Teilnehmerzahl von 16 auf 24 Teams erhöht wurde, gab der südamerikanische Staat die Endrunde 1982 an die FIFA zurück. Zu gross war die finanzielle Last. Unter den Ersatzbewerbern machte Mexiko gegen Brasilien und die USA das Rennen. Obwohl das Land ein Jahr vor der WM von einem verheerenden Erdbeben heimgesucht wurde, ging das Turnier reibungslos über die Bühne.
Enttäuschender Titelverteidiger
Nicht auf Touren kam Titelverteidiger Italien. ln den Gruppenspielen verhinderte Alessandro Altobelli mit 2 Toren beim knappen 3:2-Sieg gegen Südkorea ein weiteres «koreanisches Debakel» für den Weltmeister. 1966 hatte die «Squadra azzurra» gegen Nordkorea 0:1 verloren.
lm Achtelfinale kam es zum Knüller gegen Europameister Frankreich. 0:2 gingen die ausgebrannten Italiener gegen die «Bleus» mit Juve-Star Michel Platini unter. Weltmeister-Coach Enzo Bearzot trat nach dem enttäuschenden Abschneiden seines Teams zurück.
Maradonas Sololauf und die «Hand Gottes»
Seit den grossen Zeiten Pelés hat kein Spieler eine WM so dominiert wie er: Diego Armando Maradona. Argentinien sei «Maradona und 10 Mann um ihn herum», war in der Presse zu lesen. Ganz stimmte die Aussage nicht, der Wahrheit kam sie aber sehr nahe.
Im Viertelfinal gegen England tanzte Maradona praktisch die ganze gegnerische Mannschaft aus und schob zum 2:0 ein. Sein Sololauf über den halben Platz wurde zurecht zum «WM-Tor des Jahrhunderts» gewählt. Nicht weniger historisch war auch sein erster Treffer in diesem Spiel, als er den Ball per Hand ins Tor bugsierte. Dank Maradonas Genialität und der selbsternannten «Hand Gottes» zog Argentinien mit 2:1 in den Halbfinal ein.
Penalty-Krimi zwischen Brasilien und Frankreich
Auch der Viertelfinal zwischen Frankreich und Brasilien sollte in die Fussball-Geschichte eingehen. In 120 Minuten fielen zwar nur 2 Tore, was Platini, Giresse und Tigana auf der einen, Socrates, Zico, Junior und Careca auf der anderen Seite boten, war aber Fussball-Kunst in Vollendung. Am Ende entschied ein Penalty-Krimi sondergleichen die Partie. Socrates scheiterte aus dem Stand an Bats, Platini verschoss ebenfalls. Julio Cesar donnerte den Ball an den Pfosten. Schliesslich war es Fernandez als fünftem Schützen der Franzosen vergönnt, Brasilien aus dem Turnier zu schiessen.
Französischer «Deutschland-Komplex»
Im Halbfinal kam es zur Neuauflage der «Nacht von Sevilla» an der WM 1982, als Deutschland gegen Frankreich nach Penaltyschiessen in den Final einzog. Und der «Deutschland-Komplex» der Franzosen hielt auch 1986 an. Die «Equipe tricolore» unterlag in der regulären Spielzeit mit 0:2. Trainer Beckenbauer fand mit der überraschenden Nomination von Wolfgang Rolff die richtige Taktik. Der Mittelfeldspieler verfolgte Michel Platini auf Schritt und Tritt und nahm den französischen Spielmacher völlig aus dem Spiel.
Bereits nach 9 Minuten traf Andreas Brehme zum 1:0. Danach zogen die Franzosen ihr berüchtigtes Kombinationsspiel auf, doch Deutschlands Goalie Toni Schuhmacher hielt seinen Kasten sauber. Die Entscheidung fiel erst kurz vor Spielende. In der 89. Minute schloss der eingewechselte Rudi Völler einen Konter mit dem 2:0 ab.
Maradona eliminiert die «Roten Teufel»
Auch der 2. Halbfinal zwischen Argentinien und Belgien ging mit 2:0 aus. Argentinien war gegen die «Roten Teufel» klarer Favorit. Trotzdem endete die erste Halbzeit torlos. Nach dem Seitenwechsel sorgte Maradona aber ein weiteres Mal für die Differenz. Dank seinen beiden Treffern zog Argentinien gegen Deutschland in den WM-Final ein.
Verdienter WM-Titel für Argentinien
Dass Maradona im Final seine Genialität vorerst nicht ausspielen konnte, war seiner disziplinierten Bewachung durch Lothar Matthäus zu verdanken. Trotzdem gingen die Favoriten nach 23 Minuten durch Jose Brown in Führung. 10 Minuten nach der Pause erhöhte Jorge Valdano auf 2:0. Dank zwei Toren nach Eckbällen (74. und 80.) kam Deutschland aber überraschend in die Partie zurück.
Bei der entscheidenden Aktion hatte der beste Spieler des Turniers dann doch noch seine Füsse im Spiel. Mit einem genialen Pass in die Tiefe lancierte Maradona in der 83. Minute Jorge Burruchaga. Dieser konnte alleine auf das deutsche Goal losziehen und das 3:2-Siegestor erzielen. Nach 1978 holte sich Argentinien damit den 2. WM-Titel.
Torschüztenkönig Gary Lineker
Englands Gary Lineker sicherte sich mit 6 Toren die Torschützen-Krone. Sein Meisterstück lieferte er im letzten Gruppenspiel gegen Polen ab. England war bis zu diesem Zeitpunkt noch ohne Tor. Auf der Insel wurde das Team von Bobby Robson schon als «Trottel der WM» beschimpft. Zu viel für den Everton-Stürmer: lnnert 30 Minuten erzielte Lineker einen lupenreinen Hattrick und schoss England damit zurück in den Favoritenkreis. Nach einem 3:0 im Achtelfinal gegen Paraguay mit zwei weiteren Lineker-Toren war für England das Turnier im Viertelfinal zu Ende. Lineker wurde nach der WM von Barcelona verpflichtet.
(ros/walt)
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