WM History
WM-History 1982
WM 1982 in Spanien: «Pablito» Rossi, der Göttliche
Paolo Rossi reiste nach einer zweijährigen Sperre an die WM 1982 in Spanien. «Pablito» kam, sah, zögerte ein paar Spiele lang und schoss dann Italien zum 3. Titel. Geprägt wurde die Endrunde aber auch von der Klasse Brasiliens.
Das Foul 1982: Maradonas Tritt in den Magen
Argentinien war am «Mundial» Titelverteidiger und trat mit einem neuen «Wunderkind» an: Diego Armando Maradona, damals gerade auf dem Sprung nach Europa, nach Barcelona. Maradona konnte phasenweise überzeugen, besonders beim 4:1 gegen Ungarn. Insgesamt war seine Leistung aber enttäuschend. In der Zwischenrunde gegen Brasilien und Italien wurde er ohne Unterbruch provoziert. Die Reaktion kam, als das Ausscheiden Argentiniens schon fast sicher war: Maradona trat dem Brasilianer Dirceu in den Magen: Rot für das aufstrebende Genie.
Der Super-Match 1982: Italien - Argentinien
Italien gegen Argentinien in der Zwischenrunde war vielleicht nicht das beste Spiel des Turniers, dafür ein richtungsweisendes, was den Ausgang der WM betraf: Italien erdrückte die Südamerikaner. Italien als «Aussenseiter» spielte nur in der ersten Halbzeit den typischen «Catenaccio». ln der zweiten Hälfte änderte die «Squadra azzurra» die Taktik, die entscheidenden Tore schossen Marco Tardelli (später beim FC St.Gallen) und Antonio Cabrini.
Die Enttäuschung 1982: Südamerika
Argentinien blieb als Titelverteidiger also unter den Erwartungerı, Peru und Chile enttäuschten sogar auf der ganzen Linie und waren chancenlos. Chile, immerhin WM-Dritter 1962, war in der überraschend brisanten Gruppe 2 mit Deutschland, Österreich und Algerien der Punktelieferant. Peru, das in den Siebzigerjahren zur Weltspitze gehörte, blieb in Gruppe 1 mit Italien blass. Nur eine Nation aus Südamerika konnte brillieren: Brasilien, das aber in der Zwischenrunde dem späteren Weltmeister knapp unterlag.
Der Fehlentscheid 1982: Gentiles Foul
Italien gegen Südamerika, nächstes Kapitel: Wer wäre Weltmeister geworden, wenn der deutsche Schiedsrichter Walter Eschweiler einen Penalty mehr gepfiffen hätte? Das Vorrunden-Spiel zwischen Italien und Peru endete 1:1, allerdings fällte Raubein Claudio Gentile den Peruaner Juan Carlos Oblitas im Strafraum penaltyreif. Italien kam letztlich nur ganz knapp weiter in die Zwischenrunde. Es war nur einer von zahlreichen Fehlentscheiden in Spanien: Unvergessen bleibt auch das aberkannte Tor beim Spiel Frankreich - Kuwait mit dem folgenden Spielunterbruch und dem skurrilen Auftritt von Kuwaits Verbandspräsident, der das Feld stürmte.
Der Weltmeister 1982: Italien dank Paolo Rossi
So hiess der Weltmeister schliesslich ltalien nach einem überlegenen 3:1-Sieg im Final gegen Deutschland. Einen Makel hatte der Titelgewinn jedoch. ln der Vorrunde gegen Kamerun, Peru und Polen war die Leistung der Italiener grottenschlecht. 3 Unentschieden reichten zum Weiterkommen. Dann steigerte sich die «Squadra» von Spiel zu Spiel. Die Nummer 20, Paolo Rossi, war die grosse Figur. 6 Tore erzielte der zerbrechlich wirkende Stürmer insgesamt. Darunter das 1:0 im Final, obwohl er von Karlheinz Förster gut gedeckt worden war. Bis kurz vor der Endrunde sass Rossi eine zweijährige Sperre ab, weil er in einem Wettskandal verwickelt war.
Schlechte Verlierer 1982: El Salvador
Ein kurzer Abstecher zur schlechtesten Mannschaft, die je an Weltmeisterschaften teilnahm: EI Salvador war die Lachnummer des Turniers. Die Mittelamerikaner waren tatsächlich noch schlechter als 1970 in Mexiko und leisteten sich gleich ein 1:10 gegen Ungarn. Die Magyaren mussten für ihnen Kantersieg nicht allzu viel tun, derart schwach trat El Salvador auf.
Zum Eklat kam es in Spiel 3 gegen Argentinien (0:2): Zahlreiche Salvadorianer traten den Schiedsrichter aus Bolivien. Dafür gab es notabene keine Bestrafungen...
Der Skandal 1982: Der Friedensnobelpreis
Deutschland und Österreich hatten den Taschenrechner mitgenommen und sagten sich: «Wenn wir gegeneinander 1:0 spielen, sind wir beide weiter und Algerien draussen.» Horst Hrubesch erzielte früh dieses 1:0 und dann war das Spiel eigentlich fertig. Waffenstillstand, Nichtangriffspakt, «Friedensnobelpreis» - so das Zitat von Frankreich-Trainer Michel Hidalgo. Undiplomatisch dazu die Aussage des deutschen FIFA-Vizepräsidenten Hermann Neuberger: «Es ist das gute Recht eines Teams, auf Sicherheit zu spielen.»
Pechvögel 1982: Brasilien
Tragisch war das Ausscheiden der «Seleçao», welche zuvor Zauber-Fussball wie zu besten Zeiten gezeigt hatte. Italien kämpfte in der Zwischenrunde Brasilien im «vorgezogenen Endspiel» mit 3:2 nieder. Das Team von Tele Santana zeigte Spielvarianten aus dem Lehrbuch. Die Stars hiessen Junior, Socrates oder Zico, der «weisse Pelé». Diese Liste offenbarte aber auch das Hauptproblem: Das Mittelfeld war zwar exzellent, der Sturm jedoch schwach. Die grossen Brasilien-Teams verfügten mit Garrincha und Pelé über bessere Torschützen.
Überraschung 1982: Afrika
Afrikas Fussball machte 1982 erstmals im grossen Stil auf sich aufmerksam. Kamerun hätte sich in Gruppe A fast durchsetzen können. Algerien schlug Deutschland gar mit 2:1. Dieser Sieg zählte zu den grössten Sensationen der WM-Geschichte und wurde damals etwa mit dem 0:1 ltaliens gegen Nordkorea 1966 verglichen. Kamerun seinerseits überzeugte vor allem defensiv und scheiterte nur wegen der Anzahl Plus-Tore an Italien. Überragend war Keeper Thomas N'Kono, einer der wohl besten afrikanischen Torhüter aller Zeiten.
(Thomas Rickenbach/koem)
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