Eishockey
Meisterporträt SC Bern
Das Dutzend ist voll beim SC Bern
Beim 12. Meistertitel ist es endlich soweit: Dem SC Bern wird erstmals in der Vereinsgeschichte der Meisterpokal in der heimischen Arena überreicht. Der Titel ist der verdiente Lohn für eine starke Playoff-Bilanz mit 12:3 Siegen.
Bild
Artikel bewerten
Artikel teilen
Zum dritten Mal in Serie nahm der SC Bern die Playoffs am 9. März als Qualifikations-Sieger in Angriff. Die grosse Frage, die sich vor der Viertelfinal-Serie gegen Lugano stellte: Halten diesmal die Nerven?
Tatsächlich war für die Berner in den beiden vergangenen Jahren der Playoff-Viertelfinal Endstation. 2008 scheiterte man an Fribourg, 2009 an Zug.
Heuer hielten die Nerven - dafür sorgte der Playoff-erfahrene Coach Larry Huras schon zu Beginn der Saison. Ein wichtiger Faktor auf dem Weg zum 12. Meistertitel.
Die Nervenstärke
Mit 3 Ausnahmen ging der SC Bern in den Playoffs immer als Sieger vom Platz - auch dann, wenn es eng wurde. Das eminent wichtige 2. Spiel im Viertelfinal gewann Bern in Lugano mit 7:6. Dreimal gingen die Berner im Halbfinal gegen Kloten als Sieger mit der Minimaldifferenz von einem Tor vom Eis.
Auch die beiden ersten Verlängerungen in der Finalserie gegen Genf gingen an den SCB. Zweimal erzwangen die Berner in den letzten 10 Minuten den Ausgleich, zweimal entschieden sie die Verlängerung dann schnell für sich. Und zweimal hiess der Torschütze dabei Ivo Rüthemann. Nur bei beiden «Matchpucks» am Dienstag und Donnerstag zeigte das Team noch einmal Nerven. Die meisterliche Reaktion folgte aber schliesslich in der «Finalissima» vor eigenem Publikum.
Die Ausgeglichenheit
Auch wenn ein Spieler wie Rüthemann aus dem Kollektiv herausstach, so ist es im Falle des SC Bern, Ausgabe 2010, die Mannschaft, die den Titel herausspielte. Wer über eine vierte Sturmlinie mit Christian Dubé, Simon Gamache und Jungspund Tristan Scherwey (Jahrgang 1991) verfügt, muss nichts und niemanden fürchten.
Zu dieser Ausgeglichenheit gehört, dass die beiden erfolgreichsten SCB-Skorer Rüthemann und Martin Plüss in der Qualifikation «nur» auf je 42 Skorerpunkte kamen. Das reichte ligaweit zu den Rängen 16 und 18. Zum Vergleich: Viertelfinal-Gegner Lugano wusste den NLA-Topskorer Randy Robitaille (65 Punkte) in seinen Reihen. Der Kanadier war in der Serie gegen Bern aber völlig abgemeldet.
Die Defensive
«Defence wins championships» lautet ein viel bemühtes, bisweilen auch abgenutztes Motto. Wer aber trotz nur sechstbestem Angriff am Ende der Qualifikation an der Spitze steht, weiss seine Stärken in der Defensive. Auch in der Final-Serie hinterliess die Berner Verteidigung den agileren und solideren Eindruck.
Sinnbildlich für die Berner Stärke in der Verteidigung steht Roman Josi. Das Supertalent wird sich sehr wahrscheinlich Richtung NHL verabschieden und in Bern dank seinen überragenden (Playoff-)Leistungen in bester Erinnerung bleiben. Allein in der Final-Serie gegen Genf gelangen Josi 7 Assists.
Der Goalie
Zu einer guten Defensive gehört ein guter Goalie. Und der hat in Bern Tradition. Vor 9 Jahren trat Marco Bührer das schwierige Erbe von Renato Tosio an - mit Erfolg. Zwar musste sich der 30-Jährige in den vergangenen zwei, drei Jahren ab und an Kritik gefallen lassen. Heuer zeigte er sich aber wie das ganze Team in den Playoffs von seiner besten Seite.
Die Ausländer
Auch ein «Paradiesvogel» wie Simon Gamache ordnete sich in der 4. Linie ganz dem Team unter. Das war nicht immer so - in seiner ersten Saison beim SCB 2006/07 wurde er zwar in der Qualifikation Topskorer, blieb aber in den entscheidenden Momenten in den Playoffs wirkungslos.
Diesmal liess sich Gamache nicht mehr so einfach vom Gegner wegdrücken und erzielte gerade auch im Playoff-Final wichtige Tore. Dasselbe lässt sich auch von den anderen ausländischen Stürmern Brett McLean und Jean-Pierre Vigier sagen. Und auch Travis Roche leistete als kreativer Offensiv-Verteidiger einen wichtigen Beitrag zum Gewinn der 3 Serien gegen Lugano, Kloten und Genf.
Der Trainer
Neu am SC Bern in dieser Saison war auch der Mann an der Bande. Nach 3 mehrheitlich erfolglosen Jahren unter John van Boxmeer übernahm Larry Huras zu Saisonbeginn das Ruder. Der Kanadier setzte schon von Beginn weg da an, wo sein Vorgänger gescheitert war: bei den Playoffs.
Aufgrund der vergangenen schmerzlichen Erfahrungen des SCB in den Playoffs liess Huras einen Mentaltrainer engagieren: die US-Koryphäe Saul Miller. Schliesslich wusste der Kanadier schon vor seinem Engagement bei Bern, wie man als Coach Meister wird. Viermal schaffte er das in Frankreich mit Rouen. In der Schweiz holte er je einmal mit den ZSC Lions (2001), Lugano (2003) und nun mit Bern den Titel.
Zu einem 2. Titel beim gleichen Klub reichte es Larry Huras in der Schweiz noch nicht. Sein Vertrag beim SC Bern läuft aber noch (mindestens) ein Jahr...
Der SC Bern im Porträt
Klubgründung: 1931
Schweizer Meistertitel: 12 (1959, 65, 74, 75, 77, 79, 89, 91, 92, 97, 2004, 2010)
Stadion: 17'131
Zuschauerschnitt Qualifikation 2009/10: 15'709
CEO: Marc Lüthi
General Manager: Sven Leuenberger
Trainer: Larry Huras
Assistenztrainer: Hans Kossmann
Das Spielerkader:
Torhüter: Marco Bührer, Olivier Gigon
Verteidiger: Kevin Fey, Philippe Furrer, Beat Gerber, Andreas Hänni, David Jobin, Roman Josi, Dominic Meier, Travis Roche (Ka), Philipp Rytz, Martin Stettler.
Stürmer: Lubos Bartecko (Slk, bis Ende Dezember), Pascal Berger, Alex Chatelain, Christian Dubé, Etienne Froidevaux, Simon Gamache (Ka), Roland Gerber, Lee Goren (Ka, seit Anfang Januar), Brett McLean (Ka), Daniel Meier, Trevor Meier, Caryl Neuenschwander, Martin Plüss, Marc Reichert, Ivo Rüthemann, Tristan Scherwey, Jean-Pierre Vigier (Ka), Thomas Ziegler.
(ste)
Meldungen im Tagesverlauf
- Pensionskassen zapfen Reserven an
- Trübe Aussichten für den Sommer-Tourismus
- Neue Raumfahrt-Ära: Die Schweiz will mitmischen
- Wohnungssuche: So bewerben Sie sich richtig
- Vermieter duldet kein hyperaktives Kind
- Vorsicht bei Haarentfernung mit Laser
- Nachhaltig enthaart mit Blitzlicht-Epilierern
- Günstiger mit Prepaid-Daten-Abo im Ausland
- Handy-Abzocke: Schweizer im Nachteil
- Ständerats-Kommission: Keine Anzeigen mehr gegen Kiffer
- Steuern: Neuenburger arbeiten am längsten für den Staat
- Hinter «griechischer Katastrophe» steckt viel Kalkül
- Euro-Krise bedrängt Frankenkurs
- Hin und Her um Barnettas Zukunft
- «Tokyo Sky Tree»: Höchster Turm der Welt offen
- Meichtry schwimmt um eine EM-Medaille








