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WM-History 1978

WM 1978: Argentinien, «Adelante» gegen das Regime

Donnerstag, 22. April 2010, 12:00 Uhr, Aktualisiert 23.04.2010, 10:06 Uhr

Argentinien holte sich an der Heim-WM 1978 den Titel. Wie vier Jahre zuvor waren die Holländer die unglücklichen Finalverlierer. In Erinnerung bleiben aber auch die Schmach der Deutschen in Cordoba und die politische Situation im Gastgeberland.

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WM 1978: Final Argentinien-Niederlande

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Endlich war es soweit: Argentinien konnte die Weltmeisterschaften ausrichten. Freude kam in der Bevölkerung aber nur wenig auf. 1976 hatte die faschistische Militärjunta die Macht übernommen und regierte mit Folter und Terror. Die Junta unter General Videla wollte der Welt ein Land ohne Probleme demonstrieren und verschärfte vor der WM noch einmal den Druck auf die Opposition. Während der Weltmeisterschaften blieb es dank eines Waffenstillstandes zwischen der Regierung und der Guerilla weitgehend ruhig.

Das Gerücht: Die Politik half mit

Peru hatte sich nach 1970 erneut für die WM qualifiziert. Dank Superstar Teofilo Cubillas schaffte es das Team aus den Anden in die Zwischenrunde. Dort spielte es aber nur noch einmal eine wichtige Rolle: Im letzten Gruppenspiel trafen die Peruaner auf Argentinien. Der Gastgeber musste mit 4 Toren Vorsprung siegen, um den Final zu ereichen. Am Ende gewann Argentinien gar mit 6:0. Kurz darauf machten Gerüchte die Runde, wonach 35'000 Tonnen Getreide und ein 50-Millionen-Dollar-Kredit der argentinischen Regierung den Peruanern die Niederlage versüsst hätten.

Der Weltmeister: Für das Volk siegen, nicht für die Regierung

Der Gastgeber holte dank eines 3:1-Sieges über Holland seinen ersten WM-Titel. 76'000 Zuschauer verwandelten das Estadio River Plate in einen Hexenkessel. Der Baumeister des Erfolgs war Nationaltrainer Cesar Luis Menotti, der nur ein Credo kannte: «¡Adelante!», «Vorwärts» sollte es gehen, und zwar mit technisch hochstehendem Offensiv-Fussball sowie einem straffen Kollektiv.

Für den Regime-Kritiker Menotti stellte der Erfolg seiner Elf die wirksamste Kritik an der regierenden Militärelite dar. Nicht für die Junta, sondern für die 71'000 Zuschauer im Estadio Monumental sollten sie spielen, forderte er seine Spieler vor dem Final auf.

Bild Mario Kempes (2. v.l.) trifft im Final gegen die Niederlande.
Mario Kempes (2. v.l.) trifft im Final gegen die Niederlande. keystone

Der Star: Mario Kempes

Grosse Namen gab es 1978 in Argentinien einige. Einer stach letztendlich heraus: Mario Alberto Kempes. Der 24-Jährige war der einzige Söldner in Menottis Team. Seit zwei Jahren spielte er bei Valencia und war mit Abstand der beste Torjäger der spanischen Primera Division. ln der ersten Saison hatte er 24, ein Jahr später gar 28 Tore geschossen. Auch bei der WM im eigenen Land holte er sich mit sechs Treffern die Torjäger-Krone. Seinen wichtigsten Treffer erzielte er dabei in der Verlängerung des Finalspiels.

Die Abwesenden: Maradona und Cruyff

Beim letzten Cut aus Argentiniens WM-Kader geflogen war ein 17-jähriger Wunderspieler: Diego Armando Maradona. Menotti begründete die Absage an Maradona mit dem Druck, der auf den Teenager an der Heim-WM gelastet hätte.

Nicht dabei war auch der beste Spieler seiner Zeit, Johan Cruyff. Der niederländische Meisterstratege war nach der WM-Qualifikation seines Teams aus der Nationalmannschaft zurückgetreten. Lange hiess es, Cruyff habe die WM aus politischen Gründen sausen lassen. Was Cruyff genau zur Absage bewogen hatte, ist bis heute nicht bekannt.

Am 11.Juni 1978 ging Nicolaus Robert (kurz Rob) Rensenbrink in die Fussball-Geschichte ein. Sein Tor zur 1:0-Führung der Holländer gegen Schottland war der 1000. Treffer an einer Fussball-WM. ln Erinnerung bleibt er aber nicht wegen seiner fünf WM-Tore, sondern wegen der verpassten Chancen. Bereits im WM-Finale 1974 blieb der torgefährliche Linksaussen ohne Erfolgserlebnis. Vier Jahre später sollte es nicht besser werden. Eine Minute vor Schluss hatte er gegen Argentinien den Siegtreffer auf dem Fuss, traf aber nur die Torumrandung.

Die Überraschung: Tunesien

Vor der WM hatte sie niemand auf der Rechnung: Beim Turnier in Argentinien lehrten die Tunesier aber ihre Vorrundengegner das Fürchten. Zum Auftakt überraschten sie Mexiko und liessen den Gastgebern von 1970 beim 3:1 keine Chance. Gegen die starken Polen hielten sie lange mit, mussten sich letztlich aber mit 0:1 geschlagen geben. Somit war vor dem letzten Gruppenspiel gegen Deutschland noch alles offen. Der Underdog war gegen den Weltmeister lange die bessere Mannschaft, musste aber nach dem 0:0 wieder nach Hause reisen.

Das Wunder von Córdoba: «I werd narrisch»

Im letzten Spiel der Zwischenrunde traf Deutschland auf Österreich. «Klar, die putzen wir weg, 5:0 oder 6:0», sagte Deutschlands Captain Berti Vogts vor der Partie. Es sollte anders kommen: «Da kommt Krankl. Tor, Tor, Tor. Tor, Tor, Tor. l werd narrisch. Krankl schiesst ein, 3:2 für Österreich.» Der österreichische Reporter Edi Finger konnte sich nach dem Siegtreffer des Austria-Teams in der 88. Minute kaum mehr halten.

WM 1978 in Argentinien: Österreich-Deutschland - das «Wunder von Cordoba»

47 Jahre hatten die Österreicher auf einen Sieg gegen Deutschland warten müssen. Das «Wunder von Córdoba» ging in das österreichische Volksgut ein - in Deutschland spricht man noch heute von der «Schmach von Córdoba».

Bild Hans Krankl dribbelt sich zum 3:2 gegen Deutschland.
Hans Krankl dribbelt sich zum 3:2 gegen Deutschland. keystone

(Ueli Känzig/boe)