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Playoff-Talk

Andreas Hänni: «Wir spielen unser System in jeder Situation»

Freitag, 16. April 2010, 16:22 Uhr

SCB-Verteidiger Andreas Hänni erklärt im Playoff-Talk den Stellenwert der mentalen Arbeit für das Spiel des SCB. Er spricht über die Atmosphäre in der Berner Arena, eine Bar in Lugano und das richtige Rezept fürs nächste Playoff-Finalspiel gegen Genf.

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Andreas Hänni, nach neun Siegen in Serie bezog der SCB in Genf die erste Niederlage. Dann der schlechte Start ins Spiel von gestern. Trotzdem machte sich keine Nervosität breit, Bern reagierte umgehend. Eine Stärke des SCB?
Andreas Hänni: Das ist sicher eine Stärke. Und sie kommt nicht aus dem Nichts. Wir haben eine sehr konstante Regular Season gespielt. Wir haben uns ein Fundament gebaut, hatten von Anfang Saison an einen Plan, den wir konsequent verfolgt haben. Unsere Selbstsicherheit kommt von unserer Erfahrung und unserer Arbeit im mentalen Bereich. Wir spielen unser System in jeder Situation , ob wir ein Tor bekommen oder eins geschossen haben, immer. Durch die Ruhe und Sicherheit, die wir so erlangt haben, können wir uns immer voll auf den nächsten Einsatz konzentrieren.

Wie sieht diese mentale Arbeit konkret aus?
Larry Huras legt darauf grossen Wert. Ausserdem hatte Bern den Amerikaner Saul Miller engagiert, der mit der Mannschaft und jedem Einzelnen gearbeitet hat. Er hat uns ein grosses Stück weiter gebracht.

Drei der sechs Berner Treffer fielen im Powerplay. In Überzahl ist der SCB im Playoff weit erfolgreicher als in der Meisterschaft. Warum?
Wir haben nicht speziell mehr Powerplay trainiert als bis anhin. In den Playoffs legt aber jeder nochmals einen Zacken zu. Der statistische Wert aus der Saison ist ja nur ein Durchschnitt, auch da gab es Phasen, wo das Überzahlspiel ähnlich gut lief. Momentan läuft das Powerplay aber einfach gut, und das ist sehr wichtig.

Im Schlussdrittel provozierte Genf zahlreiche Schlägereien. Welchen Stellenwert hat ein aggressives Auftreten in diesen Momenten für die weitere Serie?
In einer Serie hat jeder Einsatz einen Effekt. Es ist nicht das erste Mal, dass Genf so provoziert und es wird auch nicht das letzte Mal sein. Es ist eine Taktik, mit welcher uns Genf aus dem Konzept zu bringen versucht. Wir müssen dies zu unserem Vorteil nutzen. Da sind wir wieder bei der mentalen Vorbereitung: Wir haben uns zum Ziel gesetzt, Fehler des Gegners zu unserem Vorteil zu nützen. Wir dürfen uns nicht provozieren lassen, sollen sie nur in Unterzahl spielen. Es ist aber keine Frage, dass wir uns auch wehren. Wir sind Genf physisch sicher ebenbürtig.

Sie sind ein Routinier, haben schon zahlreiche Playoffs gespielt. Reagiert man da in solchen Momenten ruhiger als früher und können Sie den jungen Spielern auch etwas weitergeben?
Die Erfahrung ist natürlich sehr wertvoll. Es ist wichtig, den Überblick zu behalten und nicht im Moment gefangen zu bleiben. Es kann passieren, dass einem Spieler mal eine Sicherung durchbrennt. In solchen Momenten ist es wichtig, den Kontext im Auge zu behalten. Lässt man sich zu sehr gehen, kann man dem eigenen Team massiv Schaden zufügen.

In der Meisterschaft bezog der SCB gegen Genf drei Heimniederlagen, auswärts war man hingegen zweimal erfolgreich. Warum spielt der Heimvorteil nun in den Playoffs plötzlich?
Die Playoffs und die Meisterschaft, das sind zwei verschiedene Geschichten. Grundsätzlich wollen wir unser Spiel spielen. Das gibt uns Selbstsicherheit, macht uns stark, das ist das Wichtigste. Dazu kommt dann der Einfluss des Publikums. Wenn wir in Genf ausgepfiffen werden, müssen wir schauen, dass wir auch diese Energie für uns nutzen können. Unser Spiel darf nicht abhängig sein vom Stadion, in welchem wir spielen. Wenn wir dann unser Spiel aufziehen, ist es umso schöner, dies vor einer Atmosphäre wie in unserer Arena tun zu können.

Ihr Stammverein ist Lugano. Wie empfanden sie die Stimmung in Bern als Gegner, wie heuer im Dress des SCB?
Die Stimmung ist phänomenal. Es ist natürlich schöner, wenn man die 17‘000 Fans im Rücken hat als gegen sich. Diese Anhängerschaft ist ja nicht einfach so entstanden. Es ist ein Privileg, als Sportler vor einer solchen Kulisse aufspielen zu können. Ich geniesse das vor allem vor dem Spiel. Während des Spiels bekomme ich dann weniger von der Kulisse mit.

Zusammen mit Larry Huras wurden sie 2003 Schweizer Meister. Was für eine Beziehung haben sie zu ihrem langjährigen Lugano-Coach?
Ich habe grossen Respekt vor Larry Huras. Ich schätze ihn als Coach und als Menschen, schätze seine Berufseinstellung, die Intensität, sein Streben nach Perfektion. Jede Sekunde lebt er die Richtung, in die wir gehen wollen, vor. Er ist ein grossartiger Coach. Für meine persönliche Entwicklung als Spieler war er sehr wichtig. Ich habe viel von ihm gelernt.

Was machen Sie während der Playoffs um etwas Abstand vom Eishockey zu gewinnen?
Ich absolviere ein Studium in Kommunikationswissenschaft und habe ausserdem eine Bar in Lugano. An einem spielfreien Tag ist es wichtig, an andere Sachen zu denken als Eishockey, auch mal ein Buch fürs Studium zu lesen. So habe ich zwei gute Hobbys, die für den nötigen Ausgleich sorgen.

Sie lesen gerne. Gibt es ein spezielles Playoff-Final-Buch?
(Lacht)…Nein, eigentlich nicht. Wir haben von Saul Miller Bücher bekommen. Die sind sehr nützlich. Aber wichtiger ist es wie gesagt, auch mal abschalten zu können.

Jetzt geht es wieder nach Genf. Was für einen Auftritt Servettes erwarten Sie da?
Genf wird sicher sehr energiegeladen aufs Eis kommen, wie es das immer tut zuhause. Wir müssen unbedingt schauen, den gleich hohen Energie-Level wie sie zu haben, das ist der Schlüssel für einen guten Start ins nächste Spiel.

(Interview: Markus Gafner)