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WM-History 1974

WM 1974 in Deutschland: «Oranje»-Frust im Final

Donnerstag, 15. April 2010, 11:42 Uhr, Aktualisiert 17:43 Uhr

Die 10. Fussball-Weltmeisterschaft fand in Deutschland statt. Die Mannschaft des Gastgebers feiert mit den Bayern-Stars Beckenbauer, Maier und Müller den 2. Weltmeister-Titel nach 1954. Die attraktivste Equipe des Turniers war aber Final-Gegner Niederlande.

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WM 1974 in Deutschland: «Oranjer» Frust im Final

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Deutschland zum zweiten Mal Weltmeister

20 Jahre nach dem «Wunder von Bern» sicherte sich Deutschland den 2. Weltmeister-Titel. Im Final gegen die favorisierten Niederländer lagen die Deutschen zwar schon nach 2 Minuten mit 0:1 in Rückstand, doch Paul Breitner und «Bomber» Gerd Müller wendeten das Blatt noch in der 1. Halbzeit.

1972 hatte die Truppe von Trainer Helmut Schön schon den EM-Titel geholt - damals mit wunderschönem Offensiv-Fussball. An der WM im eigenen Land wurde Fussball «gearbeitet» (O-Ton Breitner). Der Grundstein für den deutschen Kampf-Fussball der 80er und 90er-Jahre war gelegt. Die Helden im deutschen Team hiessen Franz Beckenbauer, Sepp Maier und Gerd Müller - alle von Bayern München.

Orange Fussball-Kunst durch Cruyff & Co.

Nach grossen Erfolgen auf Klub-Ebene meldete sich die Niederlande an der WM in Deutschland auch mit dem Nationalteam erstmals auf der internationalen Bühne. Gleich mit einem 2:0-Auftaktsieg gegen Uruguay machen sich die «Oranjes» mit ihrem attraktiven Stil zum WM-Favoriten.

Die Zwischenrunde beendete die Mannschaft von «Bondscoach» Rinus Michels mit einer Bilanz von 6:0 Punkten bei 8:0 Toren und qualifizierte sich so für den Final. Am Ende fehlte nur die Krönung. Johan Cruyff, Johan Neeskens, Niclaus Rensenbrink & Co. nahmen Finalgegner Deutschland auf die leichte Schulter und erhielten die Quittung!

Überraschendes Feuerwerk der Polen

Polen war die grosse Überraschung der WM 74. Sie verpassten den Final nur knapp nach der denkwürdigen Wasserschlacht von Frankfurt gegen Deutschland (0:1). Im «Kleinen Final» sicherten sich die Polen gegen Brasilien aber den 3. Platz.

Die Polen überzeugten und erfreuten mit ihrem offensiv ausgerichteten Stil. Argentinien wurde 3:2, Haiti gleich mit 7:0 bezwungen. Prunkstück des Teams war denn auch der Sturm mit Torschützenkönig Grzegorz Lato (7 Tore), Robert Gadocha und Andrzej Szarmach. Polen löste mit dem erfolgreichen Auftritt an der WM die UdSSR als Fussball-Macht im Ostblock ab.

Neuer Modus ohne K.o.-Phase

Die WM in Deutschland brachte einen neuen Modus. Nach der 1. Runde mit Spielen in vier Gruppen gab es erstmals seit 1954 keine Viertelfinals mehr. Die Finalisten wurden in zwei neuen Vierergruppen eruiert. Damit kam es zu mehr Spielen und für den Gastgeber zu mehr Einnahmen.

Dennoch kam es in der Finalrunde quasi zu zwei «Halbfinals»: In den letzten Partien Holland-Brasilien (2:0) und Deutschland-Polen (1:0) hatten alle vier Teams noch die Möglichkeit, den Gruppensieg sicher zu stellen.

Der Exzentriker Johan Cruyff

Er ist noch heute der Inbegriff des attraktiven niederländischen Offensiv-Fussballs: Johan Cruyff. Mit seiner herausragenden Spielintelligenz war er im Spiel der «Oranjes» der Denker und Lenker. Cruyff wurde denn auch zum besten Spieler des Turniers gewählt.

Die WM 74 sollte für die legendäre Nummer 14 der einzige Auftritt an einem Endturnier bleiben. 1978 verzichtete er aus ideologischen Gründen (Militärdiktatur im Gastgeberland Argentinien) auf eine Teilnahme. «König Johan» blieb mit dem Nationalteam der ganz grosse Erfolg versagt. Erfolgreicher war er mit Ajax Amsterdam: Von 1971-73 holte er dreimal den europäischen Meistercup.

Die Enttäuschungen: Italien und Brasilien

Italien, zweifacher Weltmeister und WM-Finalist 1970, musste nach der Vorrunde bereits die Heimreise antreten. Gerade mal ein Sieg gegen Haiti schaute heraus, gegen Polen (1:2) und Argentinien (1:1) konnten Facchetti, Riva, Mazzola und Co. nicht überzeugen. Die «Squadra Azzurra» war in Deutschland völlig überaltert.

lm Umbruch befand sich auch Brasilien. Nach dem Spektakel an der WM '70 in Mexiko war die Fussball-Kost der Ball-Zauberer vom Zuckerhut in Deutschland gar mager. Vom Weltmeister-Team '70 war nur noch Jairzinho dabei. Ohne zu überzeugen schafften es die Brasilianer ins «Kleine Finale», wo sie Polen unterlagen.

Die Überraschung durch den «Klassenfeind»

In der Vorrunde kam es zum «Klassen-» bzw. «Bruder-Kampf» zwischen der BRD und der DDR. Das Spiel war kein grosses, erwähnenswert aber das Resultat: Die im Westen nicht ganz ernst genommenen DDR-Kicker setzen sich gegen den «Klassenfeind» mit 1:0 durch - der Sozialismus gab dem Kapitalismus eine gehörige Ohrfeige.

Bild Sparwasser erzielt das 1:0 für die DDR gegen die verdutzten BRD-Verteidiger.
Sparwasser erzielt das 1:0 für die DDR gegen die verdutzten BRD-Verteidiger. keystone

Den entscheidenden Treffer erzielte Jürgen Sparwasser. ln der 78. Minute umkurvte er die Herren Höttges und Vogts und liess auch Goalie Maier keine Chance. Deutschland West war nach dieser Niederlage geschockt. Die BRD-Elf wurde durch Sparwasser aber geweckt und marschierte anschliessend zum Titel.

(ros/mos)