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Playoff-Final

Bern-Genf: Das topgesetzte Duo steht im Final

Freitag, 9. April 2010, 12:27 Uhr

In den aktuellen Playoffs wurde für einmal die Papier-Form gewahrt. Mit dem SC Bern und Genf treffen im Final die Nummern 1 und 2 aufeinander. Entsprechend ausgeglichen und spannend sind die Voraussetzungen in diesem Duell. Nicht einmal der Heim-Vorteil dürfte ein sicherer Wert sein.

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SC Bern vor dem Playoff-Final

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Tor: Steigende Form bei Bern und bei Genf

Marco Bührer sei kein Meister-Goalie (mehr), war hier und da im Vorfeld der aktuellen Saison zu lesen. Bis jetzt hat der Bülacher alle Kritiker wieder einmal Lügen gestraft. Bührer, 2004 mit dem SC Bern bereits einmal Meister, hat gerade in der Serie gegen die Kloten Flyers starke, solide Leistungen gezeigt und bei den vier Siegen im Schnitt nur knapp mehr als zwei Tore pro Spiel kassiert. Gerade in den Druckphasen der «Flieger» war auf Bührer Verlass, mit Big Saves verhinderte er eine Verlängerung der Serie. Seine Bilanz in den Playoffs 2010 lautet somit 8 Siege, 0 Niederlagen. Die Frage kann höchstens sein, wie er auf eine eventuelle erste Niederlage reagieren wird.

Bei Genf hat sich Tobias Stephan in den Halbfinals gegen den EV Zug gegenüber dem Viertelfinal erheblich gesteigert. Gegen die Freiburger war nach einigen Aussetzern noch Kritik am Zürcher in Genfer Diensten aufgekommen. Gegen Zug war er eine Bank und liess sich nicht einmal durch das «Jahrhundert-Eigentor» von Marek Malik aus der Fassung bringen. Stephan stach sein hochgelobtes Gegenüber Jussi Markkanen klar aus, mit vertauschten Keepern würde in der alten Herti-Halle möglicherweise noch ein bisschen weiter Eishockey gespielt.

Abwehr: Schweizer Nati-Spieler im Fokus

Andere NLA-Teams werden in der Abwehr von ausländischen Backs dominiert, beim SC Bern ist ein 19-jähriger Lockenkopf in diese Rolle gestürmt: Roman Josi, NHL-Draft bei den Nashville Predators, spielt in diesen Playoffs als wäre er die Reinkarnation von Paul Coffey. Übersicht, läuferische Klasse und ein offensives Potenzial, wie es bei Schweizer Verteidigern nur selten vorkommt. Josi dürfte seine letzte Saison beim SC Bern spielen – und mit Kollegen wie Travis Roche, Dominic Meier, Martin Stettler oder Beat Gerber ist diese Abwehr allemal meisterwürdig.

Auch bei Genf ist ein Schweizer Internationaler in der Abwehr der «anchor man»: Goran Bezina. Der Verteidiger mit NHL-Erfahrung bei den Phoenix Coyotes spielt im System von Coach Chris McSorley die Schlüsselrolle. Nach seiner Verletzung vor Olympia in Vancouver ist Bezina in alter Stärke zurückgekehrt, orchestriert die sattelfeste Abwehr und setzt auch in der Offensive Akzente (9 Punkte in 13 Spielen). Wie bei Bern ist auch in Genf die Abwehr breit besetzt: Bezina und seine Nebenleute wie der Tscheche Marek Malik, Robin Breitbach, Martin Höhener oder John Gobbi (alles Nationalspieler) sind ebenfalls für einen Titel gut - den Titel, den man vor zwei Jahren gegen die ZSC Lions noch knapp verpasst hatte.

Angriff: Solide Berner, künstlerische Genfer

Beim SC Bern hat man die richtigen Schlüsse aus den Playoff-Pleiten der letzten Jahre gezogen und auf den Ausländerpositionen einen Strategiewechsel vorgenommen. Brett McLean, Jean-Pierre Vigier und Lee Goren sind keine Künstler und Traumtänzer, sondern hart arbeitende Stürmer, die den Gegner in Schach halten und sich auf dem engen Playoff-Eis durchsetzen können. Coach Larry Huras konnte es sich lange leisten, auf einen Topskorer wie Simon Gamache zu verzichten. Der dankte es ihm bei seinem ersten Einsatz gegen die Kloten Flyers gleich mit einer Triplette. Für die nötige Breite sorgen beim SCB die Cracks mit Schweizer Pass wie Christian Dubé, Ivo Rüthemann und Martin Plüss. Alles vorbildliche Kämpfer mit für Schweizer Verhältnisse bemerkenswertem offensivem Potenzial.

Im Gegensatz zu den Bernern setzt man in Genf im Angriff bei den Ausländern auf offensive Brillanz. Toni Salmelainen, Jeff Toms und Juraj Kolnik können Spiele im Alleingang entscheiden. Kolnik hat dies in Spiel 6 gegen den EV Zug mit vier Toren zuletzt gerade wieder bewiesen. Im Windschatten dieses Trios haben auch diverse Schweizer Spieler einen Sprung nach vorne gemacht: Thomas Déruns hat sich vom Bandenhobler zum spektakulären Skorer weiter entwickelt und auch der ehemalige Berner Junior Daniel Rubin trifft wie noch nie.

Fazit: Nichts als Fragen vor dem Final Bern - Genf

Mit dem SC Bern und Genf treffen im Playoff-Final die Nummern 1 und 2 der Qualifikation aufeinander. Wer eine ausgeglichene Final-Serie voraussagt, muss also kein grosser Prophet sein. Was soll denn entscheiden? Die Bank? Auf dem Trainerposten darf man von einem Patt ausgehen, Larry Huras und Chris McSorley sind zwei erfahrene Füchse, die ihre Teams im entscheidenden Moment optimal einstellen können.

Die Kraftreserven? Dürften kaum entscheidend sein. Genf hat zwar fünf Spiele mehr auf dem Buckel als Bern, durfte sich nun aber auch seit Ostermontag regenerieren. Die Nerven? Beide Teams haben sich bislang von der ruhigen Seite gezeigt, Ausflipper waren kaum zu sehen. Genf hat immerhin schon die Erfahrung eines Rückstands gemacht, gegen Fribourg lag man 1:3 hinten.

Der Heimvorteil? Genf hat die ersten beiden Spiele gegen Fribourg in Les Vernets verloren, seither aber fünfmal in Serie gewonnen. Bern hat seine vier bisherigen Heimspiele für sich entschieden. Vorteil Bern also? Auch nicht zwingend, denn in der Qualifikation haben die Genfer dreimal in Bern gewonnen, Bern wiederum siegte in Genf in zwei von drei Spielen... Nichts als Fragen also, lassen wir uns überraschen!

(ac)