WM History
WM-History
WM 1970: Pelés letzter Schritt zur Unsterblichkeit
Die WM von 1970 war die vielleicht spielerisch beste und eine der dramatischsten der Geschichte. Brasilien sicherte sich den 3. Titel und zelebrierte «Samba»-Fussball. Der Halbfinal zwischen Deutschland und Italien ging als «Jahrhundertspiel» in die Geschichte ein.
Mit Brasilien, Italien und Uruguay hatten gleich 3 Doppel-Weltmeister die Chance, sich bei einem weiteren Triumph den Jules-Rimet-Cup definitiv zu sichern. Uruguay war aber bestenfalls ein Aussenseiter-Tipp. Zwar hatten die Südamerikaner in der Qualifikation Argentinien ausgeschaltet, doch galt das Team als disziplinlos. Mit Brasilien und Italien blieben also 2 Favoriten übrig. Und die mit Stars gespickten Teams sollten dem Turnier in Mexiko bis in den Final erhalten bleiben.
Familientreffen Brasilien - Peru
Nach dem souveränen Gruppensieg traf Brasilien im Viertelfinal auf Peru. Die Nationalmannschaft des Anden-Staates war damals so gut wie nie zuvor. Das Südamerika-Duell war so etwas wie ein «Familientreffen»: Brasiliens Coach Mario Zagallo und Perus Trainer Didi waren als Spieler zwei Mal zusammen Weltmeister geworden. Mit dabei war auch Pelé. Für ihn war es die 4. und letzte Weltmeisterschaft. Brasilien wurde seiner Favoritenrolle gegen Peru gerecht und führte bereits nach 15 Minuten mit 2:0. Mit 4:2 zog die «Seleção» schliesslich gegen Uruguay in den Halbfinal ein, den sie mit 3:1 gewann.
Das «Jahrhundertspiel» Deutschland - Italien
Im anderen Halbfinal trafen Italien und Deutschland aufeinander. Die Partie ging als «Jahrhundertspiel» in die Geschichte ein. In der Gluthitze von Mexiko City lieferten sich die beiden Teams einen offensiven Schlagabtausch. Erst in der 90. Minuten glich Karl-Heinz Schnellinger zum 1:1 aus und schoss Deutschland damit in die Verlängerung. Dort legte Gerd Müller mit 2:1 vor.
Dann aber brachen die Deutschen ein und kassierten innerhalb von 6 Minuten zwei Tore. Franz Beckenbauer blieb trotz einer verrenkten Schulter auf dem Feld. Er liess sich den Arm mit einer Schlinge am Körper festbinden und spielte bis zum Schlusspfiff weiter. Beide Mannschaften waren wegen der Hitze dermassen erschöpft, dass sie nicht mehr an Taktik dachten, sondern nur noch nach vorne stürmten. In der 110. gelang es Gerd Müller, die 3:2-Führung der Italiener noch einmal auszugleichen. Doch nur eine Minute später erzielte Gianni Rivera den Treffer zum Endstand von 4:3 und schoss sein Team damit in den Final.
Brasilien sichert sich den Rimet-Pokal
Im Endspiel trafen die beiden Favoriten Italien und Brasilien aufeinander. Nach 18 Minuten brachte Pelé die Brasilianer in Führung. Italien glich noch vor der Pause aus. Nach dem Seitenwechsel hatte die Squadra Azzurra jedoch keine Chance mehr gegen den brasilianischen «Samba»-Fussball. Mit 4:1 sicherten sich die Südamerikaner vor über 100'000 Zuschauer im Azteken-Stadion den 3. WM-Titel und durften den Rimet-Pokal behalten. Für Pelé war es der 3. Titel an der 4. Weltmeisterschaft und hat damit den letzten Schritt zur Unsterblichkeit gemacht.
Giacinto Facchetti, Captain und Eckpfeiler der Squadra
Von den Spielern blieb nicht nur der geniale brasilianische Sturm um Pelé und Jairzinho in Erinnerung. Der Italiener Giacinto Facchetti war einer der besten Verteidiger seiner Zeit. Der schussstarke Lombarde war Captain und Eckpfeiler der Squadra in diesen Jahren. Auch im Klub-Fussball sammelte Vize-Weltmeister Facchetti Erfolge. Mit Inter Mailand unter Trainer Helenio Herrera gewann er mit reinstem Catenaccio zwei Mal den Meister-Cup, den Vorläufer der Champions League.
Der Torschützenkönig: Gerd Müller
Den «Goldenen Schuh» in Mexiko holte sich Gerd Müller mit 10 Treffern. Ein Tor Marke «Gerd Müller» ist heute noch ein Begriff. Wenn der deutsche Stürmer den Ball nach einer überraschenden Drehung ins Tor bugsierte, dann «müllerte» er. Als einer von nur ganz wenigen Spielern hat Müller mit 68 Treffern in 62 Partien mehr Tore geschossen, als Länderspiele bestritten.
Gastgeber Mexiko scheitert im Viertelfinal
Die WM 1970 ging nicht nur als ein äusserst faires, sondern auch als ein fussballerisch hochklassiges Turnier in die Geschichte ein. Eine echte Enttäuschung gab es in Mexiko nicht. Die Favoriten spielten nicht immer souverän, qualifizierten sich aber sicher für den Viertelfinal. Gastgeber Mexiko jedoch überzeugte selten. Nur dank einem strittigen Penalty-Entscheid gegen Belgien kamen die Mexikaner in die K.o.-Runde und schieden dort gegen Italien aus. Das mässige Abschneiden in der Vorrunde hatte auch finanzielle Folgen. Mexiko hätte als Gruppensieger im Azteken-Stadion vor 107'000 Zuschauern gespielt. Als Gruppenzweite musste das Heimteam ihren Viertelfinal aber in Toluca austragen, wo im Stadion nur 27'000 Fans Platz hatten.
(Thomas Rickenbach/walt)
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