WM History
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WM 1950-1962: Das Wunder von Bern und Pelés Aufstieg
Nach der WM 1938 in Frankreich verhinderte der 2. Weltkrieg für 12 Jahre ein weiteres Fussball-Fest. Erst 1950 war es in Brasilien endlich wieder so weit: Es war der Auftakt zu einer Ära der Ball-Artisten vom Zuckerhut.
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WM 1950: Gespenstische Stille im Tempel
Nach dem kriegsbedingten Unterbruch fand die erste WM nach 1938 im Jahre 1950 statt. Gastgeber war Brasilien, Prunkstück der Titelkämpfe das Maracana-Stadion in Rio de Janeiro. Mehr als 200'000 Zuschauer sahen den Final zwischen Brasilien und Uruguay - ein Rekord für die Ewigkeit. Später war das berühmteste Stadion der Welt eine Ruine, es herrschte Einsturz-Gefahr. Seit dem Umbau 1998 beträgt das Fassungsvermögen noch 96'000 Zuschauer. Möglicherweise wird das legendäre Stadion 2014 wieder Schauplatz einer Weltmeisterschaft.
Brasilien von Uruguay entzaubert
7:1 gegen Schweden, 6:1 gegen Spanien - für viele Experten war die brasilianische Nationalmannschaft 1950 die beste aller Zeiten. Der «Kicker» schrieb damals über die «Seleção»: «Vor unseren Augen zog ein ans Märchenhafte grenzendes Fussballschauspiel vorüber.»
Doch Uruguay entzauberte die brasilianischen Magier im Final. Die Gastgeber glänzten, die «Urus» siegten. Alcides Edgardo Ghiggia stürmte in der 79. Minute beim Stand von 1:1 auf das brasilianische Tor und traf - Uruguay war zum 2. Mal Weltmeister. Jahre später erklärte Ghiggia bei einem Papstbesuch in Rom: «Nur zwei Menschen sorgten im Maracana für Totenstille - der Papst und ich!»
Hatten die Uruguayer 1930 noch mit viel Eleganz ihren ersten WM-Titel geholt, sicherten sie sich den zweiten mit den Tugenden Taktik, Disziplin und Kampfkraft. Wer im Maracana einer Menge von 200'000 widersteht, hat den Titel verdient.
Die Stars: Schiaffino und Ademir
Zwei Finalisten trafen an der WM 1950 in einem Spiel gleich viermal ins Schwarze. Der Uruguayer Alberto Schiaffino (gegen Bolivien) und der Brasilianer Ademir (gegen Schweden). Ademir wurde mit 9 Treffern Torschützenkönig, Schiaffino traf nur noch ein 5. Mal. Aber sein Treffer war wichtig: lm Final leitete er mit dem 1:1 die Wende ein.
Die Schweiz überraschte, schied aber früh aus
1950 nahm die Schweiz zum 3. Mal an einer WM teil. lm zweiten WM-Spiel gab es ein sensationelles 2:2 gegen den Gastgeber. Die Schweiz besiegte Mexiko mit 2:1, gegen Jugoslawien setzte es ein 0:3 ab. Nach der Vorrunde war Schluss.
Wankdorf, St.Jakob, Charmilles, Pontaise, Cornaredo und Hardturm - in diesen sechs Stadien in Bern, Basel, Genf, Lausanne, Lugano und Zürich ging die WM 1954 über die Bühne.
Legendär ist der Viertelfinal der Schweiz gegen Österreich. In der Bruthitze von Lausanne führte der Gastgeber nach 18 Minuten 3:0, 20 Minuten später stand es 5:3 für die Österreicher. Vor der Pause kam die Schweiz auf 5:4 heran, am Ende hiess es 5:7 gegen die Schweiz. Die 12 Tore in einem Spiel bedeuten bis heute WM-Rekord!
Der Sieg des Aussenseiters
Zu einem vorweggenommenen Endspiel kam es im Viertelfinal: Topfavorit Ungarn traf auf Brasilien. Die Partie verkam aber zu einer wüsten Treterei: Drei Platzverweise und eine Prügelei der Spieler in den Kabinengängen waren die traurige Bilanz. Ungarn gewann den «Krieg» mit 4:2.
Im Final standen also Ungarns Wunderteam mit Puskas, Kocsis und Co. und der Aussenseiter aus Deutschland. Während 31 Spielen waren die «Magyaren» vor diesem WM-Final ungeschlagen geblieben und auch in Bern führten sie bis zur 8. Minute 2:0. Deutschland glich aber schnell aus und in der 84. Minute traf Rahn zum 3:2 und zum Sieg für Deutschland. Der Erfolg Deutschlands ging als «Wunder von Bern» in die Geschichte ein.
Zwei Stars und ein Philosoph
Der Ungar Sandor Kocsis erzielte mit 11 Toren einen neuen WM-Rekord. Wie Ademir 1950 konnte er im Endspiel aber nicht skoren. Überragende Figur des Turniers war Fritz Walter, der als Captain Weltmeister Deutschland anführte. Beim 6:1-Halbfinal-Sieg gegen Österreich war er an allen Toren beteiligt, zwei schoss er selber.
International bekannt wurde 1954 Deutschlands Trainer und «Fussball-Philosoph» Sepp Herberger. «Ein Spiel dauert 90 Minuten», «Nach dem Spiel ist vor dem Spiel» und «Der Ball ist rund» - mit diesen und anderen Fussball-Weisheiten machte er das Fussball-Wunder von Bern erst möglich.
WM 1958: Geburt einer Legende
An der WM 1958 in Schweden betrat der erst 17-jährige Pelé die grosse Fussball-Bühne und führte Brasilien mit seinen Toren zum ersten Weltmeister-Titel. lm Viertelfinal erzielte er gegen Wales den einzigen Treffer, Frankreich schoss er im Halbfinal mit einem Hattrick ab (Endstand 5:2) und im Final gegen Schweden traf er wieder zweimal! Es war der Beginn einer grossen Karriere.
Pelé, Didi, Garrincha, Vava, Gilmar, Zagalo - dies waren die grossen Spieler in einem grossen Team. lm Final verzauberte Brasilien das schwedische Publikum mit magischem Fussball. Doch der Erfolg baute auf einer soliden, unspektakulären Abwehrarbeit auf.
Nullnummer-Premiere und Frankreichs Tormaschinerie
Erstmals an einer WM endete ein Spiel torlos. Daran beteiligt waren die Ballkünstler vom Zuckerhut. Der Gegner hiess England. lm brasilianischen Lager sorgte die Ladehemmung für viel Aufruhr. Auf Druck der eigenen Spieler reagierte Coach Feola und stellte das Team um: Garrincha und Pelé wurden aufgestellt - die Fortsetzung ist bekannt.
Für das Offensiv-Spektakel war Frankreich zuständig. Mit spektakulärem Fussball und 23 Toren begeisterten sie das Publikum. Als Torschütze vom Dienst erwies sich dabei Just Fontaine - seine 13 Tore an einem einzigen Turnieren bedeuten noch heute Rekord. Frankreich scheiterte dennoch im Halbfinal an den Brasilianern. lm «Kleinen Final» deklassierten «Les bleus» Titelverteidiger Deutschland mit 6:3.
Überraschender Gastgeber und prominente Abwesende
Vor der WM wurde im Gastgeberland polemisiert: Soll Schweden mit den Ausland-Profis antreten oder nicht? Man entschied sich für die Legionäre und wurde mit Liedholm, Hamrin, Skoglund und Gustavsson Vize-Weltmeister. Erst im Final wurden die Skandinavier von den überragenden Brailianer gestoppt.
Die Schweiz war in Schweden nicht dabei. Sie scheiterte in der Quali-Gruppe mit Spanien und Schottland, das sich für die Endrunde qualifizierte. Damit waren die Eidgenossen in bester Gesellschaft: Die zweifachen Weltmeister Italien und Uruguay patzerten ebenfalls bereits in der Quali und waren in Schweden nicht dabei.
WM 1962: Ohne den Star zum 2. Titel
ln Schweden war er zum «Fussball-Gott» geworden, in Chile 1962 war er wegen einer im ersten Spiel erlittenen Oberschenkelzerrung der grosse Abwesende: Pelé. Vor jedem Spiel lief die Gerüchteküche auf Hochtouren: Spielt er? Spielt er nicht? Brasiliens Trainer Feola liess den Santos-Star nicht mehr auflaufen.
Vor dem Turnier war Feola kritisiert worden, dass er mit einem überalterten Team nach Chile reise. Sieben Spieler waren deutlich älter als 30 Jahre. Doch Alter schützte offenbar vor schönem und erfolgreichem Fussball nicht: Brasilien war erneut die Attraktion und verteidigte im Final gegen die CSSR (3:1) den Titel.
Leere Stadien und magere Kost
Dass Chile die WM zugesprochen erhalten hatte, war eine riesige Überraschung. Das Zuschauerinteresse im Anden-Staat war dann aber nur gering, nicht zuletzt wegen den hohen Eintrittspreisen. Den Halbfinal zwischen der CSSR und Jugoslawien verfolgten gerade einmal 5'890 Leute. Einzig die Spiele des Gastgebers fanden vor vollen Rängen statt.
Spanien & Schweiz «floppten»
Spanien war vor dem Turnier einer der Geheimfavoriten. Die Real-Stars Ferenc Puskas und Alfredo di Stefano wurden eingebürgert und standen im Kader der Iberer. Di Stefano fiel aber verletzt aus und die Bilanz war ernüchternd: 0:1 gegen die Tschechoslowakei, 0:1 gegen Mexiko und 1:2 gegen Brasilien.
In der Qualifikation hatte sich die Schweiz gegen Vize-WeItmeister Schweden und Belgien durchgesetzt. Die Endrunde verlief allerdings enttäuschend: Nach drei Niederlagen gegen Chile (1:3), Deutschland (1:2) und Italien (0:3) gings wieder nach Hause.
(ros/mos)
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