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WM-History

WM 1930-1938: Startschuss in Uruguay

Freitag, 19. März 2010, 17:27 Uhr

Am 13. Juli 1930 war es soweit: Mit der Partie Frankreich - Mexiko wurde in Uruguays Hauptstadt Montevideo das erste WM-Spiel der Geschichte angepfiffen. Der Start einer Erfolgsgeschichte sondergleichen! Ein Blick auf die ersten drei WM-Turniere.

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WM 1930: Die erste WM in Uruguay

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Von 1908 bis 1928 massen sich die Fussball-Nationalmannschaften im Rahmen von Olympischen Spielen, es gab noch keine eigene Weltmeisterschaft. 1924 nahm mit Uruguay an Olympia in Paris zum ersten Mal eine nicht-europäische Equipe teil.

Auf dem alten Kontinent wusste man nichts über die «Urus». In Südamerika wurde zu dieser Zeit bereits seit längerem professionell Fussball gespielt und so setzte sich das technisch und taktisch hoch überlegene Uruguay mit einem Skore von 25:2 Toren durch und gewann das Turnier. Im Final besiegten die «Urus» die Schweiz mit 3:0.

1930 in Uruguay: Der Schritt in die Autonomie

1930 war es endlich so weit: Die Fussballer bekamen ihr eigenes Turnier und mussten sich nicht mehr dem olympischen Verband beugen. Uruguay, dem Olympiasieger von 1924 und 1928, kam die Ehre zu, die erste WM auszurichten.

Fussballer als Seefahrer

Mit der Wahl von Uruguay hatte die FIFA aber das erste hausgemachte Problem. Durch die lange Anreise mussten viele Verbände auf eine Teilnahme verzichten. Zwei Monate vor Beginn des Turniers hatte sich noch kein europäischer Verband angemeldet. Letztlich unternahmen lediglich Belgien, Frankreich, Jugoslawien und Rumänien die 3-wöchige Seereise.

Bild Der Ball des WM-Finals 1930.
Der Ball des WM-Finals 1930. Reuters

13 Teams spielten an der ersten WM: Die 4 genannten Europäer, USA, Mexiko sowie 7 Teams aus Südamerika. Die gesamte Endrunde fand in den 3 Stadien der Hauptstadt Montevideo statt. Argentinien und Uruguay waren die grossen Favoriten, welche sich dann auch im Final gegenüberstanden. Gastgeber Uruguay krönte sich mit einem 4:2 zum ersten offiziellen Fussball-Weltmeister der Geschichte.

Die ersten Skandale an der ersten WM

Die erste WM machte nicht nur aus sportlicher Sicht von sich reden: Beim Vorrundenspiel Argentinien gegen Frankreich kam es zum ersten WM-Skandal. Argentinien ging 9 Minuten vor Schluss 1:0 in Führung. Kurz darauf pfiff Schiedsrichter Almeida Rego aus Brasilien die Partie ab - 6 Minuten zu früh und während der Franzose Langiller alleine auf das gegnerische Tor zulief. Erst nach Protesten wurde weitergespielt. Señor Rego machte weiter von sich reden. lm Halbfinale der «Urus» gegen Jugoslawien übersah er Tore der Europäer und im Abseits stehende Spieler der Gastgeber.

Hinweis

Die Redaktion von sport.sf.tv blickt im Wochenrhythmus auf vergangene WM-Turniere zurück.

1934 in Italien: Der Verzicht des Weltmeisters

Vier Jahre nach der Premiere in Uruguay wurde 1934 die erste Weltmeisterschaft auf europäischem Boden ausgetragen.

Die WM fand ohne den amtierenden Weltmeister statt. Uruguay hatte die italienische Absage vier Jahre zuvor nicht vergessen. Ein weiterer prominenter Abwesender war England, das mit der FIFA im Clinch lag. Dennoch meldeten sich 32 Nationen an, was zur ersten Quali der WM-Geschichte führte. Die Endrunde mit 16 Teams bot dann Spannung pur, wurde doch von Beginn an im K.o.-System gespielt.

Faschistische Propaganda von Il Duce

ln Italien war seit 1922 Benito Mussolini an der Macht. Der «Duce» investierte Millionen für den Bau von neuen Stadien in Turin, Florenz und Neapel. Die Arenen Roms und Mailands wurden restauriert. Und Mussolini sah das Spektakel als ideale Plattform für die Propaganda seines faschistischen Regimes an.

Bild Italien-Trainer Vittorio Pozzo (M) inmitten seiner Spieler 1934.
Italien-Trainer Vittorio Pozzo (M) inmitten seiner Spieler 1934. Keystone

Deshalb war es klar, dass die «Azzurri» im eigenen Land den Titel gewinnen mussten. Und es wurde alles dafür gemacht. So entdeckten die Italiener beim Argentinier Luis Monti «zufällig» vor der WM italienische Vorfahren. Er wurde eingebürgert. Monti ist der einzige Spieler, der 2 WM-Finals für 2 Länder bestritt (1930 mit Argentinien, 1934 mit Italien).

Skandalöse Schiedsrichter-Leistungen

Rege Unterstützung erhielten sie zudem vom Tessiner «Unparteiischen» Rene Mercet, der das Viertelfinale gegen Spanien leitete und sein Bestes für die Italiener tat. Er gab zwei klare Elfmeter für Spanien nicht, aberkannte den Iberern zwei reguläre Tore und übersah diverse unfaire Aktionen der Italiener.

Auch im Halbfinal gegen Österreich half der Schiedrichter (Ivan Eklind, Sd) nach und pfiff Italien in den Final. Tags zuvor wurde er noch von Mussolini als persönlicher Ehrengast empfangen. Der Schwede leitete dann auch den Final gegen die Tschechoslowakei und übersah dort diverse rot-würdige Fouls der Italiener. Der Weltmeistertitel war dem faschistischen Italien nicht zu nehmen.

1938 in Frankreich: Im Schatten des 2. Weltkrieges

Über den Weltmeisterschaften in Frankreich lagen dunkle Schatten. Acht Verbände hatten unter Protest ihre Teilnahme abgesagt, da die Spiele in Europa und nicht wie ursprünglich versprochen in Südamerika stattfanden.

Bild 1938: Italiens Nationalmannschaft grüsst den faschistischen Diktator Benito Mussolini.
1938: Italiens Nationalmannschaft grüsst den faschistischen Diktator Benito Mussolini. Keystone

Zudem hatte die Krise in Europa erste Auswirkungen. So sagte auch Spanien ab, herrschte doch Bürgerkrieg zwischen Diktator Franco und den Republikanern. Auch Österreich war nicht mehr am Start, vielmehr trat nach dem Einmarsch Hitlers in der «Ostmark» eine «grossdeutsche» Equipe an. Es half ihr wenig, musste sie sich doch in zwei Spielen der Schweiz geschlagen geben.

Dafür leuchtete der Stern von Brasiliens Stürmer Leonidas da Silva umso heller. Er war mit acht Toren, davon alleine vier gegen Polen, der Star des französischen Publikums und der erste internationale Fussball-Superstar. Am Ende gewannen aber die Italiener mit ihrer defensiven Stärke den letzten Titel vor dem Krieg. Erst zwölf Jahre später fand in Brasilien die nächste WM statt.

Bild Der Erfinder des Fallrückziehers: Leonidas da Silva.
Der Erfinder des Fallrückziehers: Leonidas da Silva. Keystone

(Ueli Känzig/mum)