Vancouver 2010
Olympia-Bilanz
Zwiespältige Schweizer Olympia-Bilanz
Mit sechs goldenen Auszeichnungen stellten die Schweizer Athleten einen neuen Olympia-Rekord auf. Auf der anderen Seite wurde das Ziel von insgesamt 12 Medaillen mit einer mässigen zweiten Woche verpasst. Es bleibt ein zwiespältiger Eindruck zurück.
Bild
- Simon Ammann gewinnt von der Normalschanze
- Der Abfahrtssieg von Didier Défago
- Langlauf-Gold für Dario Cologna
- Simon Ammann siegt von der Grossschanze
- Mike Schmid erring Skicross-Gold
- Carlo Janka wird Riesen-Slalom-Olympia-Sieger
- Silvan Zurbriggen wird Kombi-Dritter
- Bronze für Boardercrosserin Olivia Nobs
- Schweizer Curler gewinnen Bronze
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Der letzte Eindruck bleibt oftmals hängen. In der zweiten Olympia-Woche verliessen die Schweizer Sportlerinnen und Sportler die Wettkampfstätten in schmerzhafter Regelmässigkeit knapp geschlagen. Seit Carlo Jankas Riesenslalom-Gold am vergangenen Dienstag vermochten die Schweizer trotz vieler Podest-Chancen nur noch die bronzene «Trost»-Medaille im Curling der Männer zu erobern.
Dabei schürten die Schweizer mit ihrem Traumstart gleich selbst die vielleicht übersteigerten Erwartungen. Gleich am ersten Tag eroberten Simon Ammann und Dario Cologna mit ihren zwei Goldmedaillen die vorübergehende Führung in der Nationenwertung. Danach triumphierten auch Didier Défago, erneut Ammann, Mike Schmid und Janka auf grossartige Art und Weise.
Qualität vs. Quantität
Die Schweizer Bilanz ist geprägt von Gegensätzen. Die sechs Olympia-Siege sichern der Schweiz den hervorragenden 6. Rang im Medaillenspiegel. Dieser Erfolg ist nicht hoch genug einzuschätzen. Andererseits definierte Swiss Olympic das Ziel nicht an der Anzahl Goldmedaillen, sondern an der Gesamtzahl der Medaillen. 14 Medaillen hatte die Schweiz in Turin erobert, das Ziel von 12 in Vancouver war bewusst ambitioniert gewählt. Mit 9 Medaillen haben die Athleten beide Marken, zumindest quantitativ, deutlich verpasst.
«Von der Anzahl der Medaillen haben wir uns mehr erhofft. Nicht alle Athleten haben ihr Potenzial ausgeschöpft», resümierte Swiss-Olympic-Headcoach Gian Gilli, «wir müssen weiter daran arbeiten, dass die Sportler am Tag X bereit sind.»
Schnee vs. Eis
Auffallend ist die Dominanz der Schneesportler. Acht der neun Medaillen eroberten die Schweizer auf Skiern oder Brettern. Die Swiss-Ski-Athleten waren auch für sämtliche Olympia-Siege verantwortlich. Die einzige Medaille auf Eis holten die Curler. Erfreulich waren auch die Leistungen der Eishockey-Nati. Enttäuschungen setzte es dagegen für die Eiskunstläufer und die Eiskanal-Sportler ab – insbesondere für das Schweizer Bob-Team, das zum ersten Mal seit Innsbruck 1964 ohne eine einzige Medaille blieb.
Männer vs. Frauen
Genauso ungleich verteilt sind die Medaillen zwischen den Männern und Frauen. Hatte die Schweiz in Turin vor vier Jahren noch vier Olympia-Siegerinnen, so holte in Kanada einzig Olivia Nobs mit Bronze im Boardercross eine Medaille. Insbesondere von den Curlerinnen, den Skifahrerinnen, den Snowboarderinnen, aber auch von den Titelverteidigerinnen Evelyn Leu in der Skiakrobatik und Maya Pedersen-Bieri im Skeleton hatte man sich mehr erwartet. Man müsse nun genau anschauen, ob der Frauen-Sport in den letzten Jahren vernachlässigt worden sei, meinte Gilli. «Vielleicht sind Fehler passiert, vielleicht war es aber auch Zufall. Das müssen wir nun analysieren.»
Helden vs. Pechvögel
Die 21. Olympischen Winterspiele brachten auch männliche Schweizer Verlierer hervor. Halfpipe-Künstler Iouri Podladtchikov musste sich genauso wie Stéphane Lambiel nur um Punktebruchteile vom Medaillentraum verabschieden. Der mit grossen Erwartungen angetretene Didier Cuche muss zu den grossen Geschlagenen gezählt werden. In Erinnerung bleiben aber auch die emotionalen Interviews mit den knapp gescheiterten Mirjam Ott und Fabienne Suter.
Mit Simon Ammann hat die Schweiz dafür einen der ganz grossen Olympia-Helden in ihren Reihen. Der Toggenburger stieg mit seinem zweiten Doppelsieg in einen elitären Zirkel von Olympia-Legenden auf und schrieb nebenbei Skisprung-Geschichte. Auch Dario Colognas Goldmedaille – die erste in der Schweizer Langlauf-Geschichte – ist sehr hoch einzuschätzen. Didier Défago gewann mit der Männer-Abfahrt ausserdem das prestigeträchtigste Rennen im Skisport.
(Manuel Köng, Vancouver)
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