Inhalt

Vancouver 2010

Vancouver 2010

Vancouver 2010: «With Glowing Hearts»

Montag, 1. März 2010, 15:07 Uhr

Die Olympischen Winterspiele brachten die Herzen der Menschen in Kanada zum Glühen. Die Begeisterung der Gastgeber war ansteckend. Wetterprobleme und ein Todesfall warfen aber auch Schatten auf die Spiele.

Bild

Artikel bewerten

  • Durchschnittliche Bewertung: 4
  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5

Artikel teilen

Die leise Angst der Organisatoren, die Bevölkerung würde sich nicht begeistern lassen, zerstreute sich in dem Moment, als Wayne «The Great One» Gretzky das Olympische Feuer in Vancouver entfachte. Der Stolz und die Freude war den Kanadiern alsbald anzusehen. Für die gute Stimmung sorgten auch die unzähligen hilfsbereiten und charmanten Volunteers.

Olympisches Volksfest

Die Atmosphäre in den Austragungsorten Vancouver und Whistler war mitreissend und herzerwärmend. Das von der kanadischen Nationalhymne entliehene Olympia-Motto «With Glowing Hearts» hätte besser nicht passen können. Dabei halfen die überaus erfolgreichen kanadischen Athleten, die dem Gastgeber mit 14 Goldmedaillen die erfolgreichsten Winterspiele der Geschichte bescherten. Am Schlusstag fand der Jubel der sportbegeisterten Nation mit dem ersehnten Hockey-Turniersieg den krönenden Höhepunkt.

«Wir haben es geschafft, jede zur Verfügung stehende Eintrittskarte zu verkaufen», freute sich Dave Cobb, Vizepräsident des Organisationskomitees VANOC. Olympia-Artikel wie die roten «Ahornblatt-Fausthandschuhe», Schals, Kappen oder Jacken waren bei Bevölkerung und Touristen derart beliebt, dass sich vor den Läden lange Schlangen bildeten. VANOC geht davon aus, das operative Olympia-Budget von rund 1,8 Milliarden Franken ausgleichen zu können.

Voreiliges Urteil nach schwierigem Start

«Vancouver 2010» legte eine erstaunliche Enwicklung hin. Begonnen hatten die Spiele mit einem tragischen Unfall. Der Rodler Nodar Kumaritaschwili verunglückte im Training tödlich. Die Freude an der Eröffnungsfeier war in Gedenken an den jungen Georgier gedämpft. Sicherheitsdiskussionen um die Rodel- und Bobbahn, anfängliche technische Pannen und das regnerisch-warme Wetter veranlassten ausländische Medien wie die renommierte englische «Guardian» dazu, Vancouver 2010 schon nach zwei Wettkampftagen für die «schlechtesten Spiele aller Zeiten» zu erklären.

Auch wenn die Veranstalter durchaus Fehler gemacht haben, das Urteil war verfrüht und falsch. «Irgendetwas ist passiert in Vancouver und in ganz Kanada. Die Olympia-Euphorie hat das Land gepackt. Hier war die Bevölkerung wirklich Teil der Spiele und nicht nur als Zuschauer dabei», durfte VANOC-Chef John Furlong zurecht bilanzieren. Dabei bekam er von IOC-Präsident Jacques Rogge Zustimmung. «Das Organisationskomitee in Vancouver hat tolle Arbeit geleistet, die Atmosphäre ist fantastisch. Die Athleten sind sehr glücklich», so der Belgier. «Natürlich wirft der Tod von Nodar Kumaritaschwili einen Schatten auf diese Spiele. Der Zwischenfall wird für immer Teil dieser Spiele sein. Das kann man nicht isolieren.»

Wetter als Unsicherheitsfaktor – auch in Sotschi?

Grosse Probleme sollte den Organisatoren wie erwartet das Wetter bescheren. Nach einem kalten Winter 2008/2009 waren die Meteorologen aufgrund des «El Niño»-Phänomens schon im Vorfeld von einem milden Februar 2010 ausgegangen. Die grössten Schwierigkeiten bereitete der mittlerweile wärmste Vancouver-Winter seit 114 Jahren den Athleten in Cypress Mountain. Im teils strömenden Regen fanden die Wettkämpfe dort unter grenzwertigen Bedingungen statt. Auch in Whistler mussten sich die Sportler mit Verschiebungen, Trainingsausfällen und schwierigen Verhältnissen abfinden – taten dies aber angesichts des grossartigen Einsatzes der Helfer mehrheitlich ohne Klagen.

Übrigens, als die Kritik an der Vergabe der Olympischen Spiele nach Vancouver aufgrund des frühlingshaften Klimas am lautesten war, mass man am Olympia-Ort 2014 im russischen Sotschi mit 13 Grad Celsius noch wärmere Temperaturen.

(Manuel Köng, Vancouver)