Vancouver 2010
Snowboard
Das Erbe der Schochs
Vor vier Jahren in Turin musste sich Simon Schoch im Parallel-Riesenslalom nur Bruder Philipp geschlagen geben. Nun will der ältere der beiden Snowboard-Brüder aus dem Schatten treten. Die Aufgabe ist aber äusserst schwierig. «SF zwei» überträgt ab 21.50 Uhr.
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Die Schweiz war lange Zeit die dominierende Kraft im Alpin-Snowboard-Sport. Bei der Olympia-Premiere 1998 in Nagano eroberte Ueli Kestenholz Bronze, 2002 in Salt Lake City krönte sich Philipp Schoch zum ersten Mal zum Olympiasieger, 2006 gewann erneut Philipp Schoch - und hinter ihm sorgte sein Bruder Simon für einen Doppelsieg.
Seither haben die anderen Nationen die Schweiz allerdings ein- und überholt. Philipp Schoch kämpft seit Jahren mit schweren Bandscheibenproblemen und kann in Cypress Mountain nicht antreten. Die Olympia-Starter Simon Schoch, als 9. im Weltcup bester Schweizer, Roland Haldi, Nevin Galmarini und Marc Iselin befinden sich nicht (mehr) in der absoluten Weltspitze.
«Habe hart dafür trainiert»
Simon Schoch glaubt trotzdem, dass ihm der Sprung nach ganz oben gelingen könnte: «Die Nachfolge meines Bruders anzutreten wäre eine grosse Ehre für mich. Es ist ein Ziel, wofür ich in der letzten Zeit hart trainiert habe.» Die bislang eher missglückte Saison ohne einen Podestplatz störe ihn nicht: «Jeder Olympia-Teilnehmer kann gewinnen. Ich fühle mich gut, trotz der nicht perfekten Resultate zuletzt.»
SF-Experte Gian Simmen zu den Schweizer Chancen : «Simon Schoch hat viel Olympia-Erfahrung. Ich traue ihm einen Exploit zu. Wenn es darauf ankommt, konnte er bisher Topleistungen abrufen. Wenn die Piste wirklich ruppig und schwer ist, könnte das eine Chance für Nevin Galmarini sein, weil er aus dem Freeride/Freestyle-Bereich kommt. Roland Haldi und Marc Iselin traue ich eher weniger eine Spitzenplatzierung zu.»
Kanadischer Heimsieg?
Die meistgenannten Favoriten sind im Vorfeld nicht die Schweizer. Im Weltcup führen die zwei Österreicher Benjamin Karl und Andreas Promenegger. An dritter Stelle folgt der Kanadier Jasey Jay Anderson – die Hoffnung der Heimfans.
Gian Simmen zu den Topfavoriten: «Nicht die Österreicher sind für mich die Topfavoriten, sondern Anderson. Der Mann machte einen ganz starken Eindruck. Die Erwartungen der Fans treiben ihn noch mehr an.»
Piste hielt bislang dem Regen stand
Am Freitag ging über lange Zeit heftiger Regen auf die Strecke nieder. Der nasse Schnee bereitete den Alpin-Snowboarderinnen zwar einige Mühe, tiefe Gräben – wie im Vorfeld befürchtet – entstanden aber nicht.
Gian Simmen zum Pistenzustand : «Bei den Frauen hat die Piste überraschend lange gehalten. Gegen Schluss wurde es holprig. Es war aber bis zur Entscheidung fair, weil beide Seiten gleich schwierig zu fahren waren. Ich habe da keine Bedenken. Weil es das letzte Rennen auf dem Hang ist, könnten die Organisatoren im Notfall auch mit Chemikalien nachhelfen.»
(Manuel Köng, Vancouver)


