Vancouver 2010
Eishockey
Tapfere Schweizer unterliegen den USA
Die Schweiz ist aus dem olympischen Eishockey-Turnier ausgeschieden. Trotz aufopfernder Leistung und eines grossartigen Goalies Jonas Hiller musste sich das Team des abtretenden Coaches Ralph Krueger mit 0:2 geschlagen geben.
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Im letzten Spiel unter dem scheidenden Coach Ralph Krueger lief zwei Drittel lang alles für die leidenschaftlich kämpfenden Schweizer. Zweimal sprang der Puck an das Gehäuse hinter dem starken Goalie Jonas Hiller. Und als die favorisierten US-Amerikaner in der 40. Minute jubelten, rettete die um Sekundenbruchteile abgelaufene Drittelsuhr den Schweizern das 0:0.
«Unser Ziel war, das Spiel möglichst lange offenzuhalten und es unserem Gegner so schwer wie möglich zu machen. Das ist uns gelungen, darauf können wir stolz sein», sagte Krueger nach seinem letzten Spiel mit der Schweizer Nationalmannschaft.
Entscheidendes Tor in der 42. Minute
Schliesslich stellte Zach Parise mit seinem Tor in der 42. Minute doch noch Gerechtigkeit her für die klar überlegenen USA. Der Stürmer der New Jersey Devils lenkte im vierten Powerplay der Amerikaner einen Weitschuss Brian Rafalskis ab. Der Puck segelte über den chancenlosen Hiller und kullerte von dort ins Tor. Die Schweizer forcierten danach erfolglos ihre Offensive. Die besten Chancen zum Ausgleich hatten Sandy Jeannin, der aus spitzem Winkel an den Innenpfosten traf und Luca Sbisa, der aus der Distanz am hervorragenden Ryan Miller scheiterte.
Den Schlusspunkt setzte erneut Parise mit dem Treffer ins leere Tor. «Er war ganz klar unser stärkster Spieler», lobte ihn US-Coach Ron Wilson. Die Leistungen seiner Teamkollegen wollte er aber nicht schmälern: «Wir brauchten unser bestes Spiel, um die Schweizer heute zu schlagen», anerkannte der früher in der Schweiz spielende Wilson.
Schweizer Druckphase zu Beginn
Anders als im Gruppenspiel startete die Schweiz frech in die Partie. In der vierten Minute kamen Raffaele Sannitz und zweimal Julien Sprunger gar zu einer Dreifach-Chance, die aber ungenutzt blieb. Mit einigen Checks vermochten die Krueger-Boys das eher anti-US-amerikanisch eingestellte kanadische Publikum zu begeistern. Ab dem Ende des Startabschnitts kamen allerdings die haushohen Favoriten besser in Schwung.
Die Schweiz konnte sich unter Druck auf einen Jonas Hiller in Top-Form verlassen. Der NHL-Goalie der Anaheim Ducks brachte die hochdekorierten Stürmer der USA mit insgesamt 42 Paraden zur Verzweiflung. Aber auch die Feldpieler taten sich mit grossem Einsatz hervor - immer wieder warfen sie sich in Schüsse und Pässe. «Die Schweiz hat nicht so viel Talent wie die USA. Sie spielen aber genau richtig, um dieses Defizit wettzumachen», lobte Wilson seinen Trainer-Kollegen Krueger.
Krueger: «Hätten ein Wunder gebraucht»
Die beiden waren sich einig, dass aber nicht nur die Schweiz, sondern auch die USA sehr diszipliniert verteidigt haben. «Es war unglaublich schwierig für uns, sie länger unter Druck zu setzen. Sie haben uns sehr wenig Raum gelassen», analysierte der Schweizer Coach. «Am Ende hat das klar bessere Team gewonnen. Wir wären sehr gerne im Halbfinal gestanden. Es ist schmerzhaft, nach so grossartigem Einsatz auszuscheiden. Wir hätten aber ein Wunder gebraucht, um diese USA zu schlagen.»
Zufrieden mit dem letzten Spiel
Trotzdem zog Krueger ein positives Olympia-Fazit. «Wir sind hierher gekommen, um das Schweizer Eishockey gut zu präsentieren und uns teuer zu verkaufen. Die Spieler und ich haben daran geglaubt, eine Medaille zu holen - auch wenn das von aussen gesehen vielleicht unrealistisch war. Wir haben hier Charakter gezeigt und alles gegeben. Es ist ein Turnier, dass ich ewig im Herzen behalten werde.»
In den 13 Jahren seit seiner Amtsübernahme habe die Nati riesige Fortschritte gemacht. «Gegen Kanada und die USA an Olympischen Spielen zu 20, 25 Chancen zu kommen, das wäre früher undenkbar gewesen.» Trauer komme bei ihm angesichts des Abschieds (noch) keine auf. «Ich bin dankbar, dass ich in der Schweiz 13 Jahre arbeiten durfte. Dass es mein letztes Spiel war, werde ich wohl erst in ein paar Tagen realisieren.»
Sbisa mit Fingerbruch
Luca Sbisa hat sich gegen die USA die Fingerspitze des Ringfingers der linken Hand gebrochen. Der Verteidiger hatte im 1. Abschnitt einen Schuss mit der Hand geblockt. Trotz der Verletzung stand Sbisa nach der ersten Pause noch über 10 Minuten auf dem Eis.
(Manuel Köng, Vancouver)
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