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Ski alpin

Bode Miller: «Wollte wieder so fahren wie als Kind»

Montag, 22. Februar 2010, 11:15 Uhr

In Turin 2006 sorgte Bode Miller mit nächtlichen Eskapaden und enttäuschenden Leistungen für Kopfschütteln. Im letzten Sommer stand der Amerikaner kurz vor dem Rücktritt. Nun zeigt sich der Amerikaner in der Form seines Lebens.

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«Ich bin müde zur Abfahrt gestartet, noch müder zum Slalom angetreten und jetzt noch viel müder. Aber es fühlt sich grossartig an, so gefahren zu sein», sagte Miller mit einem Lächeln im Gesicht, nachdem er seinen Medaillensatz nach Bronze in der Abfahrt und Silber im Super-G komplettiert hatte. Der Sieg in der Superkombination brachte ihm die erste Olympische Goldmedaille der Karriere ein.

Vier Jahre nach dem Karriere-Tiefpunkt in Turin steht Bode Miller schon jetzt als einer der grossen Gewinner der Oylmpischen Winterspiele 2010 fest.

Debakel an den Olympischen Sielen 2006

Die letzten Winterspiele waren für Bode Miller - ihm wurden Medaillen in allen 5 Disziplinen zugetraut - ein Debakel gewesen. Immer wieder tauchten Fotos auf, die Miller kurz vor Renneinsätzen in mehr oder weniger angetrunkenem Zustand im Nachtleben Sestrières abbildeten. Bei seinen fünf Auftritten auf den Pisten bewies er dagegen die weit weniger grosse Einsatzfreude. Neben einem 5. (Abfahrt) und einem 6. Rang (Riesenslalom) schied er dreimal aus.

Für sein gar nicht olympisches Verhalten erntete Miller weltweit Kritik. Der Angeprangerte gab sich jedoch für ihn typisch uneinsichtig: «Ich hatte zwei grossartige Wochen und habe auf olympischem Top-Level gefeiert», liess er die enttäuschten Fans im amerikansichen Fernsehen wissen.

Vier Jahre der Irrungen und Wirrungen

Die folgenden Jahre waren von Millers stetem Wandel und der Suche nach dem perfekten Umfeld geprägt. Stets kokettierte er mit dem Rücktritt. Im Mai 2007 verliess er das US-Ski-Team und kämpfte sich fortan mit dem «Bode-Mobil», seinem Camper, durch den Skizirkus. 2008 gewann er zwar zum zweiten Mal nach 2005 den Gesamtweltcup. Doch nur ein Jahr später liess Miller die schlechteste Saison seiner Karriere folgen. «Das Feuer ist weg», erklärte er und liess eine Rückkehr als Profisportler im nächsten Winter offener denn je.

Erst spät in der Vorbereitung für die Olympia-Saison 2009/2010 entschied sich Miller, doch noch einmal einen Anlauf zu nehmen. Er schloss sich wieder dem US-Ski-Team an, kämpfte zu Beginn der Saison jedoch mit konditionellem Rückstand und Verletzungen. Erst in Wengen im Januar fand er mit einem zweiten Abfahrtsplatz und dem Sieg in der Super-Kombination - dem ersten Weltcuperfolg nach fast zwei Jahren - zurück auf die Erfolgsspur.

Miller: «Will einfach so Skifahren wie früher»

In Kanada trat Miller mit viel geringerem Druck an, als noch vier Jahre zuvor. «Ich wollte alles loslassen und so fahren wie ich als Kind gefahren bin. Ohne zu überlegen, immer am Limit», erklärte er seinen Plan. «Ich wäre mit einem vierten Rang genauso glücklich gewesen wie jetzt mit Gold nach einer solchen Slalom-Fahrt wie heute.» Für ihn zähle nur der Spass am Skifahren. «Nur deshalb bin ich zurückgekehrt in den Skisport. Nicht wegen den Olympischen Spielen.»

An Millers puristischer Einstellung hat sich also auch mit 32 Jahren nichts geändert. Aber offenbar hat er endlich (wieder) einen Weg gefunden, seine Freude auf der Piste zu entfalten. «Es wäre dumm jetzt zurückzutreten, wo es mir gerade so viel Spass macht», beantwortete er die Frage nach seinem nächste Rücktritt. Aber wer weiss bei Bode Miller schon, was in zwei Monaten sein wird. Wohl nicht mal er selbst.

Bode Miller: Siegerporträt

Geboren am 12.02.1977 in Franconia, New Hampshire.

Grösse: 1,88 m. - Gewicht: 92 kg.

Grösste Erfolge:

-Olympiasieger Super-Kombination, Olympiazweiter Super-G, Olympiadritter Abfahrt 2010

-Olympiazweiter Riesenslalom und Kombination 2002

-Weltmeister Riesenslalom und Kombination 2003

-Weltmeister Abfahrt und Super-G 2005

-WM-Zweiter Super-G 2003

-zweifacher Gesamtweltcup-Sieger (2005 und 2008), 32 Weltcupsiege.

(Manuel Köng, Whistler)