Vancouver 2010
Skicross
Skicross: Wilde Taxifahrt zu Stosszeiten
Am Sonntag um 18.30 Uhr (Final ab 21.15 Uhr live SF info) wird in Vancouver mit den Qualifikationsläufen im Skicross eine neue spektakuläre Disziplin in die Familie der Olympischen Sportarten aufgenommen. Traditionellerweise haben Schweizer Athleten bei diesem Debüt beste Chancen auf Edelmetall.
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Quizfrage: Was haben Sonny Schönbächler, Gian Simmen und Tanja Frieden gemeinsam? Alle Athleten haben beim olympischen Debüt ihrer Sportarten Gold für die Schweiz errungen.
Schönbächler eröffnete den Reigen in der Skiakrobatik 1994 in Lillehammer (Nor). Gian Simmen stand in 1998 in Salt Lake City (USA) in der Halfpipe der Snowboarder zuoberst auf dem Treppchen und Tanja Frieden eroberte den goldenen «Plämpu» 2006 in Turin (It) beim 1. Olympia-Auftritt der Boardercrosser. Beim Skicross könnte Mike Schmid diese schöne Schweizer «Tradition» fortsetzen.
Spektakel pur
Der «Koloss» aus Frutigen ist der derzeitige Leader im Skicross-Weltcup und bringt mit 193 cm Körpergrösse und 96 kg die nötigen physischen Voraussetzungen mit, um sich in den Positionkämpfen während den Läufen mit 3 Konkurrenten zu behaupten. «Wir haben Spektakel pur», prophezeit der 25-Jährige vor dem Wettkampf.
Die Sprünge, Wellen und Steilwandkurven im Parcours von Cypress Mountain mag er. Doch eine Rennprognose wagt er nicht abzugeben und er sieht sich auch nicht in der Favoritenrolle: «Es kommen eher 15 als 10 Fahrer für den Sieg in Frage.»
Die Spitze im Skicross ist in der Tat breit und der Charakter der jungen Sportart, mit Positionskämpfen und dem halsbrecherischen Hindernissparcours, bietet genügend Raum für Überraschungen.
Ein bunter Strauss von Favoriten
Zu Schmids ärgsten Kontrahenten zählt mit Andreas Matt u.a. ein Österreicher. Matt belegt hinter dem Schweizer Rang zwei im Gesamtweltcup und ist der amtierende Weltmeister im Skicross. Dank Heimvorteil ein gewichtiges Wort um Gold mitreden wird auch Christopher Delbosco. Der Kanadier gilt als ganz heisses Eisen, nicht zuletzt angeheizt durch die Erfolge seiner Landsleute Alexandre Bilodeau (Gold in der Buckelpiste) und Maelle Ricker (Gold im Boardercross der Frauen).
«Last but no least» droht Schmid auch Konkurrenz aus dem eigenen Lager. Mit dem Davoser Beni Hofer, ehemaliger Alpiner, Conradign Netzer (Andeer) und Richard Spalinger (Zweisimmen) verfügt die Schweiz über drei weitere Akteure mit Potenzial.
Wiedersehen mit Daron Rahlves
Fans des alpinen Skirennsports werden beim Skicross auf einen alten Bekannten treffen. Mit dem ehemaligen Spitzenfahrer Daron Rahlves (USA) steht nämlich auch ein gestandener «Alpiner» im Startgate. Für Rahlves sind es bereits die vierten Olympischen Winterspiele. Dreimal trat er bei den Alpinen an. 2006 in Turin war er in der Abfahrt als grosser Favorit gestartet, Am Ende resultierte nur Rang 10, der mittlerweile 36-Jährige trat danach vom alpinen Skirennsport zurück.
«Wie eine wilde Taxifahrt»
Mit Skicross hat Rahlves eine neue «Liebe» gefunden. «Ich liebe es, mir hin und wieder selbst mächtig Angst einzujagen. Da ist dieser Sport genau das Richtige», beschreibt der Kalifornier seinen Antrieb zu einer zweiten Karriere. «Skicross ist ein wenig so, als würde man ein Taxi in Höchstgeschwindigkeit durch die überfüllten Strassen New Yorks steuern.»
Erste Erfolge kann Rahlves bereits aufweisen. Im Januar stand er im österreichischen St. Johann als Zweiter erstmals auf dem Skicross-Podest. Der Amerikaner ist also wieder da und hat mit Olympia noch eine Rechnung offen: «Ich will meine Karriere als Skifahrer mit einer Olympia-Medaille krönen».
(sil)
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