Vancouver 2010
Eishockey
Schweizer ringen Kanada Punkt ab!
Leidenschaftlich kämpfende Schweizer haben Gastgeber Kanada an den Olympischen Spielen grossen Widerstand geleistet. Die Krueger-Boys holten ein 0:2 auf und unterlagen dank einem überragenden Jonas Hiller erst im Penaltyschiessen.
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Den Schweizern gelang damit ein ähnlicher Exploit wie vor vier Jahren in Turin, als sie sensationell 2:0 gegen die Kanadier gewannen. Der zuvor blasse Superstar Sidney Crosby bewahrte die Gastgeber diesmal mit seinem Penaltytor vor einer «Blamage» wie 2006.
Eigentlich hätte die Rolle des Helden des Abends aber der Schweizer Goalie Jonas Hiller verdient gehabt. Der Appenzeller NHL-Keeper ragte mit 44 (!) zum Teil mirakulösen Paraden aus einem starken Schweizer Kollektiv heraus.
Das Spiel begann aus Schweizer Sicht schlecht. In der 10. Minute traf Dany Heatley zum 1:0. Der Stürmer mit Berner Lockout-Vergangenheit tankte sich vor Goalie Jonas Hiller durch und schob den Puck backhand ins Tor. Nach einer Verschnauf-Pause setzten die Kanadier nach: In der 21. Minute profitierte Patrick Marleau im bereits vierten Powerplay von einem Abpraller und bezwang den für einmal überraschten Hiller. «In dieser Phase nahmen wir zuviele Strafen, das hatten wir uns anders vorgenommen», schüttelte Coach Ralph Krueger den Kopf.
Schlechter Start weggesteckt
Hiller war gefordert. Der Appenzeller hielt die Schweizer im Spiel. «Er gab uns mit seinen Paraden eine Chance zurückzukommen», anerkannte sein Trainer. Die Mitspieler schöpften Mut. Mit grossem Eifer teilten sie gegen die im Schnitt 7 kg schwereren Kanadier Checks aus. Die Schweizer Unnachgiebigkeit trug Früchte: In der 29. Minute bearbeiteten Thierry Paterlini und Martin Plüss in der eigenen Zone ihre Gegenspieler solange, bis Ivo Rüthemann mit dem erkämpften Puck auf Goalie Martin Brodeur zulaufen konnte. Weil in der Mitte Plüss einen Verteidiger auf sich zog, nutzte SCB-Stürmer Rüthemann den Platz zum herrlichen Anschlusstreffer.
Die Schweizer drehten nun mächtig auf. Patrick von Gunten schoss in einer Schweizer Druckphase Ende des Mittelabschnitts in Richtung kanadisches Tor, wo Marleau den Puck mit dem Schlittschuh ins eigene Gehäuse ablenkte. 10 Sekunden vor dem Ende des zweiten Drittels stand die Partie wieder unentschieden.
Hiller unbezwingbar - bis zum 4. Penalty
Im Schlussabschnitt suchten die Kanadier entschlossen den Siegtreffer. 18:3 lautet das Schussverhältnis zu ihren Gunsten. Der ruhende Schweizer Pol war in diesen Momenten erneut Hiller, der zwischendurch sogar Applaus der kanadischen Fans erntete. Dank ihm und dem aufopfernden Einsatz der Verteidiger gelang es dem Aussenseiter, eine Verlängerung und schliesslich ein Penaltyschiessen zu erzwingen.
Auch im Shootout hielt der Goalie der Anaheim Ducks die Schweiz lange im Spiel. Die ersten drei Versuche der Kanadier wehrte er ab. Weil auch die Schweizer ihre Chancen vergaben, durfte sich Crosby in seinem zweiten Versuch als Siegtorschütze feiern lassen.
Dass die Titelaspiranten soviel Mühe bekunden sollten, war nicht zu erwarten gewesen. Erstens dürften die Kanadier die Schweiz nach der Niederlage in Turin 2006 kaum mehr unterschätzt haben. Zweitens zeigten die «Maple Leafs» im ersten Gruppenspiel (8:0 gegen Norwegen) die wesentlich bessere Form, als die Schweiz gegen die USA (1:3). Ralph Krueger folgerte: «Wir waren heute viel besser als in Turin. Dort hatten wir auch Glück. Hier haben wir nach dem 0:2 eine grossartige Moral gezeigt. Dafür gratuliere ich dem Team.»
Trotz der Niederlage nahm er deshalb viel Positives mit für den weiteren Verlauf des Turniers: «Wir haben uns gegenüber dem USA-Spiel klar gesteigert. Wir wollen hier mit jedem Spiel wachsen. Damit wollen wir gegen Norwegen am Sonntag weiter machen.»
(Manuel Köng, Vancouver)
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