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Nationalmannschaft

Nati: Nach der Quali ist vor der Endrunde

Donnerstag, 15. Oktober 2009, 13:46 Uhr, Aktualisiert 15:57 Uhr

Ticket nach Südafrika gebucht, Umstände abhaken - so der Tenor am Tag nach der WM-Qualifikation der Schweizer Nationalmannschaft. Nach der Feier wartet auf die Nati viel Arbeit - auch wenn da und dort schon geträumt wird.

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Stimmen nach der WM-Qualifikation (Tagesschau-Beitrag)

In 239 Tagen beginnt die WM - mit der Schweiz! Ein Grund zum Feiern: Eine vierte Endrunden-Teilnahme in Folge ist für ein kleines Fussballland wie die Schweiz keine Selbstverständlichkeit. Und so brachen nach dem Punktgewinn gegen Israel Spieler und Trainer in grossen Jubel aus. «Jetzt können wir feiern», sagte Stéphane Grichting nach dem Spiel.

Christoph Spycher, gegen Israel einer der Besten, wollte während seines Interviews mit SF so rasch wie möglich zurück zur Party in der Spielergarderobe. Von einem «wahr gewordenen Traum» sprach Steve von Bergen.

Die Qualifikation wird auch von Fans und Medien gefeiert. Doch zum schweizweiten Strassenfest mit Fans, die sich in den Armen liegen, Feuerwerken, Autocorsos und Hupkonzerten ist es nicht gekommen; die Presse ist von einer Euphorie weit entfernt.

Der Tonfall in den meisten Zeitungen gleicht sich: «Ein erfolgreiches, aber kein grosses» Team sei die Truppe von Ottmar Hitzfeld, schreibt die NZZ. «Erfolgreich, aber kaum elektrisierend», heisst es fast wortgleich in der Berner Zeitung. Das St. Galler Tagblatt spricht von «ergebnisorientiertem», die Südostschweiz von «nüchternstem Resultatfussball» der Nati. Ein Stil, den viele den Deutschen zuordnen. L’Express widersteht dem Klischee nicht: Unter Hitzfeld sei die Mannschaft «germanisiert» worden: «kohärent, arbeitsam, effizient. Und qualifiziert.»

Nicht alle kommentieren derart nüchtern: «Der Messias hat vollbracht, wozu er gerufen wurde», jubelt der Blick in Anspielung auf seine eigene Schlagzeile beim Engagement von Ottmar Hitzfeld. Die Zeitung lässt Ex-Nati-Spieler und -Trainer auflaufen, um dem Team zu gratulieren. Die Aargauer Zeitung spricht im Rückblick auf die gesamte WM-Kampagne von «heissblütigen Nati-Fans» und erinnert an die rot-weissen Fahnenmeere in den Stadien sowie die hohen Einschaltquoten.

Vielleicht muss man die 90 bescheidenen Minuten gegen Israel erst hinter sich lassen, um die grosse Freude aufkommen zu lassen - genau wie dies bei Gelson Fernandes unmittelbar nach dem Spiel der Fall war: «Ich bin mir der Tragweite dieser Qualifikation noch nicht bewusst - vielleicht morgen.» Oder die Schweizer haben sich bereits so an eine Quali gewöhnt, dass sie sich «über den Spielstil der Mannschaft mokierten», wie die Freiburger Nachrichten vermuten.

Einig sind sich Team und Kommentatoren, dass in den drei verbleibenden Nati-Zusammenzügen Fortschritte gefragt sind. «Es liegt noch viel Arbeit vor uns», sagte Grichting. Damit könnte er die Angriffsauslösung und die Kreativität im Mittelfeld gemeint haben, die im Israel-Spiel fast völlig fehlten. «Spielerisch stark steigern» müsse sich die Nati, fordert deshalb die Berner Zeitung.

Erstmals haben die Schweizer am 14. November Gelegenheit, dies zu zeigen, wenn sie - vermutlich gegen Norwegen - ein Testspiel bestreiten. Drei bis vier weitere Vorbereitungsspiele folgen am 3. März sowie in der unmittelbaren WM-Vorbereitung. Auf die Höhenlage in Johannesburg und anderen WM-Austragungsorten (1500 m.ü.M.) wird sich die Nati im Mai in Crans-Montana vorbereiten.

Am WM-Draw am 4. Dezember in Kapstadt werden die Schweizer Gruppengegner des nächsten Sommers bekannt. Erste Zielsetzungen für die Endrunde gibt das Team bereits heute durch: «Wir wollen in Südafrika der Favoritenschreck sein», sagt Hitzfeld. Noch höher sind die Ambitionen bei Hakan Yakin: «In Deutschland sind wir in den Achtelfinals ausgeschieden. Warum sollen wir in Südafrika nicht noch eine Runde weiter kommen?», fragt der Regisseur.

(boe)