Inhalt

Super League

Neue Bühne, gleiche Rollen

Donnerstag, 9. Juli 2009, 16:16 Uhr, Aktualisiert 10.07.2009, 12:58 Uhr

Nur dreieinhalb Wochen nach der Abstiegsbarrage beginnt am Samstag die Saison 2009/10. Titelkandidaten sind die «üblichen Verdächtigen»: Meister Zürich, die Young Boys und der FC Basel. Oder gibt es doch eine Überraschung?

Basels Antonio Da Silva, Zürichs Eric Hassli und YBs Seydou Doumbia.
Basels Antonio Da Silva, Zürichs Eric Hassli und YBs Seydou Doumbia. (Reuters)

Mehr zum Thema

Artikel bewerten

  • Durchschnittliche Bewertung: 3
  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5

Artikel teilen

Wer kann hoffen, wer muss zittern? Die Ausgangslage der zehn Super-League-Klubs verspricht eine spannende Saison.

Das grösste Lob kommt vom Konkurrenten: Favorit sei der FC Zürich, sagt Basels neuer Trainer Thorsten Fink. Das Team mit drei Titeln in den letzten vier Jahren nicht zu nennen, wäre «fast eine Beleidigung». In der Tat gehört der FCZ zu den meistgenannten Titelanwärtern der Saison 2009/2010, wie auch der FC Basel und die Young Boys - «die üblichen Verdächtigen», wie SF-Fussball-Kommentator Dani Wyler meint.

Für abschliessende Einschätzungen ist es wegen der noch laufenden Transferperiode zu früh. Aber der amtierende Meister hat sein Kader bisher zusammenhalten können – in der Luft liegt allenfalls ein Abgang von Almen Abdi. Die personelle Stabilität bei den Zürchern ist der grösste Unterschied zu Basel und YB. «Aus meiner Sicht hat momentan der FCZ die Nase vorn», sagt auch Wylers SF-Kollege Dani Kern.

Die grosse Unbekannte sei aber der FC Basel, der unter Fink eine neue Ära eingeleitet hat. Wichtigste Änderungen beim FCB – neben der Trainerposition - sind das 4-4-2-System (statt das Spiel mit einer Einerspitze) sowie Regisseur Antonio da Silva. Der von Karlsruhe ausgeliehene Brasilianer soll anstelle von Ivan Ergic die Fäden ziehen. Die letzte Saison vor allem auf internationalem Niveau oft ausgehebelte Defensive wurde mit dem ghanaischen Internationalen Samuel Inkoom und dem Türken Cagdas Atan verstärkt. «Finks Trainingsmethoden und Führungsstil scheinen viele Spieler zusätzlich zu motiveren. Basel hat Substanz», sagt Wyler.

Gibt es für die Young Boys tatsächlich den von den Fans so sehr erhofften ersten Titel nach 23 Jahren? Das scheint angesichts des Kaders gut möglich. Den zwar zu bedauernden Abgängen (Varela, Häberli, Schwegler) stehen vielversprechende Zuzüge gegenüber (Dudar, Mardassi, Coly). Die Erstgenannten sollen die Defensive stabilisieren. Abstimmungsprobleme mit der Dreier-Abwehr gibt es im zweiten Jahr unter Trainer Vladimir Petkovic sicherlich seltener.

Eine Weile musste für die Grasshoppers das Schlimmste befürchtet werden: Die grössten Schlagzeilen gab es neben dem Platz (gescheiterte Investorensuche, Absetzung von Sportchef Erich Vogel). Dazu kamen die Abgänge wichtiger Spieler (Bobadilla, Linz, Riedle). Nun sieht es schon besser aus. Unter dem neuen Coach Ciriaco Sforza ist eine Linie erkennbar, mit den Zuzügen von Aaraus Rogerio und Lugano-Topskorer Vincenzo Rennella sind die Lücken in der Offensive geschlossen worden. «Eine talentierte Mannschaft», meint Wyler, der die Hoppers mindestens im gehobenen Mittelfeld erwartet.

Vor einem Neuanfang steht auch Xamax. Pierre-André Schürmann ersetzt das Duo Aeby/Geiger auf der Trainerbank; es gab zahlreiche Zuzüge und Abgänge. Der Lette Andrejs Kostjuks hat in der Vorbereitung überzeugt, mit Carlos Varela und Frédéric Page konnte man gestandene Super-League-Spieler übernehmen. Gute Verstärkungen, ein ambitionierter Präsident – mit den Neuenburgern ist zu rechnen.

Beim FC Luzern ist eines sicher: So chaotisch (zwei Trainerwechsel) und schlecht (zehn Niederlagen in zwölf Spielen) wie letztes Jahr werden die Innerschweizer kaum in die neue Saison starten. Trainer Rolf Fringer hat das Team via Barrage in der obersten Liga gehalten, die Saison konnte mit einem 5:0 beendet werden. Mit dem Zuzug von Hakan Yakin sind die Erwartungen beim FCL hoch. Die Frage ist: Ab wann darf der Kreativregisseur spielen? Ansonsten ist das Luzerner Kader relativ stabil. Sollte Luzern eine neue Euphorie in der Region auslösen, stellt sich ein anderes Problem: Im Exil in Emmenbrücke während dem Allmend-Umbau hat es nur für 8100 Fans Platz.

Das Damoklesschwert, das über dem FC Sion hängt, heisst Transfersperre. Was geschieht, wenn der Internationale Sportgerichtshof die FIFA-Strafe aufrecht erhält? Bisher hat sich der Cupsieger valabel verstärkt (Chihab, Mitreski, Mpenza), gravierendster Abgang ist derjenige von Regisseur Olivier Monterrubio.

Kann der FC St. Gallen die Aufstiegseuphorie nutzen? «Wichtig ist ein guter Start», ist Dani Kern überzeugt. Die Meinungen über die Stärke des Kaders gehen auseinander. Ab- und Neuzugänge (Nushi, Frick, Jagne, Frei) gab es bei den Grünweissen vor allem in der Offensive, aber im Fokus steht wohl eher die Super-League-Tauglichkeit der Verteidigung.

Eine schwierige Saison könnte der AC Bellinzona bevorstehen. Das zweite Jahr nach dem Aufstieg sei das heikelste, heisst es. Gefährdet sind die Tessiner nach dem Wegzug ihres Abwehrchefs zu YB namentlich in der Defensive: «Emiliano Dudar war für Bellinzona sehr wichtig», sagt Kern.

Ist der FC Aarau Abstiegskandidat Nummer 1? Der neue Trainer Jeff Saibene muss ein Team übernehmen, das viele wichtige Spieler verloren hat (Ianu, Rogerio, Nushi). Ob die Neuzugänge aus Moldawien und aus der Challenge League oben bestehen können, ist fraglich. «Aarau hat noch keine Mannschaft», meint Kern. Andererseits ist der FCA schon immer unterschätzt worden.

(boe)