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Federer Special

Roger Federer

Phönix auf dem Rasen

Sonntag, 5. Juli 2009, 20:52 Uhr, Aktualisiert 23:43 Uhr

In der Mythologie verbrennt sich der Vogel Phönix, um verjüngt aus seiner Asche wieder aufzuerstehen. Roger Federer war in Paris der roten Asche von Roland Garros entstiegen und feierte nun auf dem «heiligen Rasen» von Wimbledon die Auferstehung zur Nummer 1 der Welt.

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Federer zurück auf dem Thron

Doch noch wichtiger als die Zurückeroberung des Tennis-Throns dürfte für den Schweizer die Tatsache sein, dass er nun mit 15 Grand-Slam-Titeln endgültig der erfolgreichste Spieler aller Zeiten ist. Dass Wimbledon Bühne dieses sporthistorischen Ereignisses war, hätte nicht besser gewählt sein können.

Denn auf dem Rasen des «All England Lawn Tennis and Croquet Clubs» hat Federers Triumphzug vor sechs Jahren seinen Anfang genommen, als er 2003 gegen den Australier Mark Philippoussis seinen ersten Grand-Slam-Titel gewann. Und an gleicher Stelle war es, wo der Schweizer im letzten Jahr im Endspiel Rafael Nadal unterlag und seine Vormachtstellung im Tennis nach viereinhalbjähriger Dominanz abgeben musste. 2009 hat sich der Kreis also wieder geschlossen.

Dass man Federer nach seinem Wimbledon-Sieg 2003 bereits mit Pete Sampras verglich, störte den Schweizer damals. «Ich bin noch weit von ihm entfernt», meinte er. Doch der Abstand wurde über die Jahre immer geringer. An den diesjährigen French Open zog Federer nach seinem 14. Major-Titel mit dem Amerikaner schliesslich gleich.

In Wimbledon hat Federer Sampras nun überholt. Den Grundstein für den historischen Triumph auf dem «heiligen Rasen» hatte er aber in Paris gelegt. Mit dem langersehnten Gewinn des «Coup des Mousquetaires» an den French Open schien dem 27-Jährigen eine tonnenschwere Last von den Schultern gefallen zu sein. In Wimbledon konnte er danach befreit aufspielen und strahlte vom ersten Spiel an grösstes Selbstvertrauen aus. Niemand sprach mehr von Krise, viel eher war Federers Garderobe in London Thema in den Tabloids – was dem Schweizer nur Recht sein konnte.

«Es macht Spass, hier zu spielen», meinte Federer nach der ersten Woche. Sein Spass, den er auch in die zweite Turnierwoche mitnahm, bereitete seinen Gegnern, denen er keine Chance liess, nur wenig Freude. Bis zum Final gab Federer nur gegen den Deutschen Philipp Kohlschreiber einen Satz ab.

Der Einzige, der Federer schliesslich fordern konnte, war ausgerechnet Andy Roddick im Final. Kaum ein Spieler weist im Direktvergleich mit dem Baselbieter eine ähnlich miserable Bilanz auf (19:2 Siege zu Gunsten Federers). Doch der Amerikaner drängte Federer mit einer seiner wohl besten Partien an den Rand einer Niederlage. Dass am Schluss doch Roddick die Verlierer-Schale in Empfang nehmen musste, hatte Federer seiner Coolness zu verdanken. Das Tiebreak im zweiten und die zwei abgewehrten Break-Bälle im epischen fünften Satz seien als Beispiele aufgeführt.

Federer hat also den Grand-Slam-Rekord für sich alleine und ist wieder die Nummer 1 der Welt. Schon nach dem Paris-Triumph hatte er gesagt: «In meinem Leben passt derzeit einfach alles!» Nun dürfte der Schweizer noch entspannter an kommende Aufgaben herangehen.

«Dieser Rekord fühlt sich super an», sagte Federer unmittelbar nach der Partie. «Ich will aber noch nicht aufhören, sondern auch in der Zukunft weiterhin grossartiges Tennis zeigen.»

In der Mythologie muss sich Phönix übrigens nur alle 300 bis 500 Jahre verbrennen, um verjüngt aus seiner Asche wieder aufzusteigen. Es bleibt also genügend Zeit für weitere Tennis-Sensationen.

(bon)