Tour de France
Leclercq: «Das Maillot muss die Ambition sein»
Nur drei Fahrer vertreten die Schweiz ab Samstag an der 96. Tour de France. Dank Fabian Cancellara winkt zu Beginn immerhin ein Maillot jaune. Für SF-Radexperte Jean-Claude Leclercq wird die Schweiz aber auch sonst eine wichtige Rolle spielen.
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Jean-Claude Leclercq: Der Druck auf Cancellara ist immens. Aber es wäre nicht normal, wenn der Olympia-Sieger, der zweifache Weltmeister, der eindrückliche Sieger der Tour de Suisse, nicht mit der Ambition starten würde, das Leader-Trikot zu holen.
Mit der extremen Hitze im Süden könnte eine weitere erschwerende Komponente hinzukommen. Und Wind kann es auch im Süden geben, man denke nur an den Mistral. Aber das Spiel wird das gleiche wie immer sein. Die Teams ohne Ambitionen in der Gesamtwertung werden sich zeigen, ganz sicher auch die französischen Teams, die immer hoch motiviert sind.
Mit Cavendish hat Columbia einen absoluten Garanten für Etappensiege dabei. Im Gesamtklassement können Kirchen und Rogers einen Rang in den ersten zehn anpeilen. Aber einen Contador oder Evans hat Columbia nicht im Team. Man sieht es auch der Selektion an: Das Team wird vor allem auf Cavendish setzen. Für mich sieht es aus wie eine Startrampe für den Engländer.
Die Mannschaften sind wie Unternehmen und legen sich ihre Strategien zurecht, um möglichst grosse Aussichten auf Erfolg zu haben. Für Albasini ist es bitter, er hat bewiesen, dass er in einer Equipe einen Stammplatz haben müsste. In einer anderen Mannschaft als beim hochkarätigen Columbia-Team würde er mit Handkuss genommen. Bei Tschopp, Morabito oder Zaugg liegt der Fall etwas anders. Sie fahren zwar häufig gute Rennen, müssten aber zwei-, dreimal pro Saison eine Glanzleistung bieten können, einen Pflock einschlagen. Es geht dabei nicht nur um Resultate. Einmal eine Soloflucht am Dauphiné, am Giro oder an der Tour de Suisse über zwei Pässe und dann kurz vor dem Ziel noch eingeholt werden. So müssten die Fahrer ihre Präsenz markieren können, Eindruck bei anderen Fahrern und Teams hinterlassen. Zeigen, dass man nicht einfach auf sie verzichten kann.
Doch, doch. Die Tour de France 2009 wird stark geprägt sein durch die Schweiz. Einmal sicher durch Cancellara. Dazu ist Rast Mitglied des stärksten Teams und wird bei Astana eine der grossen Stützen sein. Und Loosli hat bei Lampre in Abwesenheit von Damiano Cunego gute Karten. Er wird seinen Spielraum haben und nutzen können. Wichtig ist auch, dass mit Cervélo eines der Top-Teams eine Schweizer Lizenz besitzt. Zudem gibt es zwei Etappen durch die Schweiz mit einem Ruhetag im Wallis. Der Schweizer Aspekt wird sehr wohl eine Rolle spielen.
Es gibt nur 55 Kilometer Einzelzeitfahren, diese Spezialisten werden somit nicht bevorteilt. Dagegen gibt es viele Bergetappen, drei in den Pyrenäen, drei in den Alpen. Für eine Überraschung könnte auch das Teilstück durch die Vogesen sorgen, für eine Leader-Mannschaft wird die Kontrolle dort sehr schwierig werden. Und am vorletzten Tag wartet noch der Mont Ventoux. Von der Dramaturgie her ist diese Tour de France sehr gut aufgebaut und garantiert bis zum Schluss für Spannung. Gut möglich, dass die Entscheidung erst am Ende am Mont Ventoux fällt.
(Interview: Christian Aellen)
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