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Champion

Neue Horizonte für Fabian Cancellara

Sonntag, 21. Juni 2009, 17:50 Uhr, Aktualisiert 21:43 Uhr

Die Tour de Suisse hat sieben Jahre nach Alex Zülle mit Fabian Cancellara wieder einen Schweizer Gesamtsieger. Der 28-jährige Berner hat seinem Erfolgspalmarès damit ein weiteres wichtiges Mosaiksteinchen hinzugefügt.

Fabian Cancellara auf dem Weg zum Triumph.
Fabian Cancellara auf dem Weg zum Triumph. (reuters)

Mit seinem Gesamtsieg an der 73. Tour de Suisse hat Fabian Cancellara einen weiteren grossen Schritt in seiner Karriere vollzogen. Der Berner startete seine Karriere als Spezialist für Prologe und kurze Zeitfahren, danach folgte der Schritt zum Classique-Jäger (mit den Siegen bei Paris-Roubaix und Mailand-San Remo) und zum zweifachen Weltmeister und Olympia-Sieger von Peking 2008 im Zeitfahren.

Zum Sieg an einer der fünf grossen Landesrundfahrten hatte es Cancellara in den letzten Jahren jedoch immer an den Qualitäten am Berg gefehlt – ein Manko, das er auch immer selber wieder schonungslos betonte. Kein Wunder: Verglichen mit den kleinen, mageren Bergflöhen im Feld wirkt ein Cancellara wie ein Bär. Und Kilos - so das Gesetz der Physik - beschleunigen nur den Berg hinunter.

Der Sieg an der Tour de Suisse kommt deshalb einerseits etwas überraschend. In vielen Umfragen war Cancellara zwar als Favorit gehandelt worden (wie auch Sprinter Erik Zabel in Deutschland immer wieder als Favorit für die Tour de France erkoren wurde...), bei den Experten hatte aber eigentlich niemand den 80-Kilo-Mann auf der Rechnung, der nach einer schwierigen Frühlingssaison mit Verletzung und Krankheit nur langsam in Form kam und selber nicht genau zu wissen schien, wo er vor der Heimrundfahrt wirklich stand.

Anderseits eröffnete die topographisch wenig anspruchsvolle Tour de Suisse 2009 Cancellara eine einmalige (oder vielleicht nur erstmalige), goldene Gelegenheit: Auf dem Streckenprofil standen mit Lukmanier, Gotthard und Vorarlberg nur drei Alpenpässe, und die waren jeweils weit über 50 Kilometer vom Ziel entfernt.

Auf einen «Circuit des Alpes» wie in den vergangenen Jahren mit zwei oder drei Hochgebirgs-Übergängen wurde verzichtet und auch die drei Bergankünfte in Serfaus, Vallorbe/Juraparc und Crans-Montana waren alles andere als furchteinflössend.

Trotzdem: Cancellara hat die Gelegenheit in gewohnt resoluter Manier am Schopf gepackt, auch wenn er diesen Erfolg nicht angekündigt hatte und lange die Erwartungen der Fans niedrig zu halten versuchte.

Und: Cancellara hat seine Fortschritte am Berg eindrücklich bestätigt, hat in den langen Passfahrten nie abreissen lassen müssen und mit Hilfe der Schleck-Brüder stets die Kontrolle über das Rennen behalten. In Serfaus und Crans-Montana konnte er gar noch in die Entscheidung eingreifen und holte sich mit zwei Podestplätzen auch noch Bonifikationen. In den beiden Zeitfahren war «Spartakus» sowieso wieder die gewohnte Klasse für sich.

Einen Vorgeschmack auf seine neuen Kletterfähigkeiten hatte er bereits an der Tour de France 2008 abgeliefert, als er das Feld in teilweise horrendem Tempo über Alpen und Pyrenäen trieb und damit auch den Weg zum Gesamtsieg von CSC-Teamkollege Carlos Sastre ebnete. Trotzdem hatte er vor der Tour de Suisse noch einmal gemeint, er sehe immer noch zuviele Berge...

Der nächste Schritt wäre nun noch ein Gesamtsieg an einer der dreiwöchigen Rundfahrten Giro d'Italia, Tour de France oder Vuelta - die Erwartungen werden bereits an der Frankreich-Rundfahrt ab dem 4. Juli hoch sein.

Cancellara ist es zuzutrauen, dass er auf der 1. Etappe (Zeitfahren in Monaco über 15 Kilometer) das Maillot jaune übernimmt und dieses dann eine Woche bis an den Fuss der Pyrenäen verteidigt. Danach dürften die Berge für Cancellara zu schwer und zu hoch werden.

Mit seinem Sieg an der Tour de Suisse hat Cancellara ein weiteres Mal seine Verbundenheit mit der Farbe gelb bekundet. Nicht auszuschliessen, dass er in drei oder vier Jahren gelb gekleidet in Paris einfährt.

(ac)