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Cupfinal

Heimvorteil vs. Cuptradition

Dienstag, 19. Mai 2009, 15:08 Uhr, Aktualisiert 23:01 Uhr

Mit Blick auf die Kaderstärke, Formstand und Heimvorteil kann der Sieger im Cupfinal vom Mittwoch («SF zwei» live ab 20 Uhr) nur YB heissen. Aber: Der Cup hat bekanntlich eigene Gesetze. Erst recht dann, wenn der Finalgegner aus dem Wallis kommt.

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Der Schweizer Cup hat in Sion Tradition und die Walliser schreiben seit Jahren munter an der Geschichte dieses Wettbewerbs mit. Zehn Siege bei zehn Finalteilnahmen zeugen von der Fähigkeit des FC Sion, im wichtigsten Moment die beste Leistung zu bringen. Und die Geschichte zeigt: Sion gewinnt den Cup auch dann, wenn es in der Meisterschaft nicht nach Wunsch läuft. Nicht von ungefähr ist Sion der einzige Klub, der die Cuptrophäe als Unterklassiger gewinnen konnte (2006 gegen... YB).

Auch in der aktuellen Saison läuft es Sion wieder keineswegs nach Wunsch. Zwei Runden vor Schluss befinden sich die Walliser in akuter Abstiegsgefahr und wieder wurden im Verlauf der Saison fünf Trainer verbraucht – inklusive Präsident Christian Constantin, der das Traineramt zweimal gleich selbst ausübte. Talent wäre in der Walliser Multi-Kulti-Truppe durchaus vorhanden. An guten Tagen nämlich führt Olivier Monterrubio im Mittelfeld magistral Regie, sorgt der pfeilschnelle Flügel Virgil Reset für Torgefahr, hält «Pharao» Essam El-Hadary seinen Kasten rein. Viel zu selten allerdings zeigte Sion in dieser Saison, zu was es eigentlich fähig wäre.

Ganz anders die Young Boys. Nach einem durchzogenen Saisonstart im letzten Sommer mit nur einem Punkt aus den ersten vier Runden fanden die Berner unter ihrem neuen Trainer Vladimir Petkovic schnell zu beeindruckender Konstanz und starteten eine veritable Aufholjagd, die im Frühling gar noch Meisterträume zuliess. Mit geballter Offensivkraft um Superjoker Seydou Doumbia und der Flügelzange Carlos Varela/Alberto Regazzoni begeisterten die Berner ihre Fans. 77 Tore haben die Young Boys erzielt, 40 (!) Treffer mehr als Finalgegner Sion.

Bemerkenswert ist die Heimstärke der Young Boys. Von 17 Ligaspielen in dieser Saison im Stade de Suisse hat YB nur gerade zwei verloren – in der 1. und der 8. Runde. Seit August 2008 ist YB auf dem heimischen Kunstrasen ohne Niederlage, im Frühling gewannen die Berner sieben ihrer acht Heimspiele. Auch wenn beim Cupfinal die Hälfte der Zuschauer im Stade de Suisse Sion unterstützen wird, ist der Heimvorteil ein gewichtiger Faktor in einer Partie, in der YB ohnehin schon als grosser Favorit gilt.

Verletzungssorgen haben weder Sions Trainer Didier Tholot noch Petkovic. Bei den Bernern dürfte Doumbia einmal mehr zu Beginn auf der Ersatzbank Platz nehmen; und in Sion stellt sich höchstens die Frage, welchem Stürmer Tholot das Vertrauen schenken will. Für die Schlagzeilen gesorgt hat im Wallis in den letzten Tagen weniger das Team als Constantin, der sich von Final-Schiedsrichter Claudio Circhetta via Anwalt schriftlich versichern lassen wollte, das Spiel unabhängig und unparteiisch zu leiten (!). Eine berechnete Provokation, gewiss, aber auch ein Zeichen dafür, dass sie im Wallis alles für den Finalsieg tun würden.

Praktisch alle Vorzeichen deuten auf einen Finalsieg der Young Boys hin, auf einen Titel, auf den sie in Bern seit 22 Jahren sehnlich warten. Nur: Könnte man wirklich von einer Überraschung sprechen, sollte Sion sein Potenzial ausgerechnet in diesem einen Spiel abrufen? Sollten die Walliser auch ihren elften Cupfinal gewinnen? Die Vorzeichen in diesem Final sind klar – möglich aber scheint trotzdem alles.

(fel)