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Weltmeister Russland

Taktik - Russlands neue Stärke

Montag, 11. Mai 2009, 3:20 Uhr, Aktualisiert 10:35 Uhr

Das russische Team besteht nicht nur aus offensiven Künstlern. Unter Slawa Bykow hat die «Sbornaja» auch die Wichtigkeit des Verteidigens entdeckt und zu einer starken Einheit von jungen Spielern gefunden.

Gemeinsam zum WM-Titel.
Gemeinsam zum WM-Titel. (keystone)

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Die Freude über den 25. WM-Titel war bei den Russen gross. Die von Journalisten aus aller Welt belagerte Mixed-Zone wurde zur Theaterbühne mit den Protagonisten der «Sbornaja». Mit einer Perücke in den Farben Russlands auf dem Kopf und stets laut lachend, Sprüche reissend und Siegesposen demonstrierend, war Alexander Radulow an der Front anzutreffen.

«Wir traten als Team, als Einheit auf. Ilja Kowaltschuk war der beste Spieler, aber gewonnen haben wir als Team», betonte der Stürmer von Salawat Ufa. In der 35. Minute der Finalpartie schoss Radulow mit einem herrlichen Solo das Game-Winning-Tor, «das ich wohl nicht mehr so schnell vergessen werde. Schliesslich spielt es aber keine Rolle, ob wir 2:1, 4:1 oder 6:5 gewonnen haben, Hauptsache wir haben den Titel verteidigt.»

Dazu habe es ein Stück harte Arbeit gebraucht, so Radulow weiter, nun seien alle sehr müde - «aber die Nacht ist noch lange, die Party kann steigen.» Auch Teamkollege und MVP (wertvollster Spieler) des Turniers, Kowaltschuk, zeigte sich mit schräg angezogenem Russland-Cap in Festlaune: «Das Publikum hier war fantastisch, es war wie ein Heimspiel für uns. Die Leute sollen nun feiern, wir werden es auch tun.»

Der Sieg Russlands war nicht unverdient, doch in der Entstehung atypisch für die «Sbornaja». Nicht die hochgelobte Offensive machte dieses Mal den Unterschied aus, sondern eine defensiv äusserst disziplinierte und kompakte Leistung, die den Russen vor nicht allzu langer Zeit kaum zugetraut worden wäre.

Einmal in Führung, zogen sich die Spieler von Slawa Bykow immer mehr in die eigene Zone zurück und lauerten auf ihre Kontermöglichkeiten. Die Kanadier verzeichneten ein grosses Plus an Puckbesitz und mehr als doppelt so viele Torschüsse, doch zu mehr als den einen Treffer durch Jason Spezza sollte es nicht reichen. Das lag einerseits an der überragenden Performance von Russlands Torhüter Ilja Brysgalow, andererseits aber auch an den ungenauen Abschlüssen und der erheblichen Mühe, überhaupt in die gefährliche Zone, in den Slot, zu gelangen.

«Wir haben nicht viele Fehler gemacht, aber Eishockey ist ein Sport und kann, so schön er ist, auch brutal sein», resümierte ein schwer enttäuschter Kanada-Coach Lindy Ruff. Er habe nach dem 1:2 nicht gedacht, dass es keine Tore mehr geben werde, «doch Brysgalow machte eine tolle Partie.» Ruff konnte der Niederlage auch Positives abgewinnen: «Ich werde dank den gemachten Erfahrungen an dieser WM als besserer Coach in die NHL zurückkehren.»

Der WM-Titel Russlands ist ein grosser Verdienst von Bykow. Mit ihm an der Spitze resultierten an den drei letzten Weltmeisterschaften eine Bronze- und zwei Goldmedaillen. «Wir haben ein junges Team, das noch viel erreichen kann. Vielleicht ist dies der Beginn einer neuen Ära.»

Und immer wieder betonte der ehemalige Gottéron-Spieler die Wichtigkeit des internen Zusammenhaltes: «Wir sind nicht Kowaltschuk, wir sind nicht Brysgalow, wir sind Russland, ein Team.» Auf den Unterschied zum letztjährigen WM-Titel in Québec angesprochen, antwortete Bykow wie immer kurz und prägnant: «Ein Jahr.»

(Philippe Jäggi, Bern)