Inhalt

Sportliche Bilanz

Reich an Spannung und Höhepunkten

Montag, 11. Mai 2009, 11:24 Uhr

Die 73. Eishockey-Weltmeisterschaft ist zu Ende. Was bleibt in sportlicher Hinsicht in Erinnerung? Eine Bilanz über Highlights, Enttäuschungen, Überraschungen und die Frage nach der Wahl des richtigen Modus.

Tore, Spektakel und Spannung an der WM in der Schweiz. (keystone)

Mehr zum Thema

Artikel bewerten

  • Durchschnittliche Bewertung: 5
  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5

Artikel teilen

Während 17 Tagen war die Schweiz Mittelpunkt des (europäischen) Eishockeys. In Kanada und den USA interessieren neben der NHL hauptsächlich die Olympischen Spiele - eine Hand reichte, um die Reporter und Journalisten aus Nordamerika zu zählen.

Im Vorfeld der 10. Titelkämpfe in der Schweiz waren viele Bedenken bezüglich Organisation und spielerischem Gehalt (wie viele NHL-Spieler kommen?) geäussert worden - zu unrecht. Den Zuschauern wurde hochstehendes Eishockey mit hoher Intensität und Spannung geboten, vorab in Bern ab der entscheidenden K.o-Phase. Dass sich Weltmeister Russland ab den Viertelfinals gegen seine Gegner (Weissrussland, USA und Kanada) nie mit mehr als einem Tor Vorsprung durchsetzen konnte, unterstreicht dies.

Erfreulich auch, dass es zum erwünschten «Traumfinal» zwischen Russland und Kanada kam. Auch wenn das Endspiel keine Spektakelpartie war, so ging mit Russland der verdiente Sieger hervor. Die «Sbornaja» hatte alle neun Partien an dieser WM gewonnen.

Vor den K.o.-Spielen ist die Vorrunde für die Top-Nationen eine willkommene Warm-up-Phase, ideal für die Suche nach den optimalen Linien-Zusammensetzungen und eine willkommene Gelegenheit, sich im Toreschiessen zu üben. Andere Teams, beispielsweise die Schweiz, mussten aber bereits in den ersten Tagen ans Limit gehen und unter hohem Druck spielen. Das Vorrücken in die Zwischenrunde blieb für Ralph Kruegers Team nach wie vor ein Kraft- und Krampfakt.

Den Zuschauern konnte das ungleiche Kräfteverhältnis in der Gruppenphase recht sein. Sie sahen viele Tore und Underdogs wie die Ungarn, die sich mit aufopferungsvollem Kampf gegen die «Grossen» zu wehren versuchten. Ob allerdings Resultate wie 9:0, 8:0, 7:2, 7:1 und 6:0 für den sportlichen Gehalt und ein weltmeisterschaftliches Niveau sprechen, sei in Frage gestellt. 1998 stockte der Internationale Eishockeyverband die A-Gruppe von zwölf auf 16 Mannschaften auf. Dahinter dürften vor allem finanzielle Interessen gestanden haben: mehr Spiele, mehr Einnahmen.

Spannend wurde es gegen Ende der Zwischenrunde, als die ersten wichtigen Entscheidungen fielen. Während die Schweiz und die Slowakei die Viertelfinals nicht erreichten, überraschten Lettland und Weissrussland mit dem Vorstoss in die K.o.-Phase. Von da an war das Turnier lanciert. Erhöhte Spannung und krachende Affichen zogen die Zuschauer an und erhöhen auch die mediale Aufmerksamkeit.

In den Viertel- und Halbfinals sowie im Endspiel gab es nie mehr als zwei Tore Differenz, spannend war es praktisch ausnahmslos bis zur letzten Sekunde. Dies war vor einem Jahr in Kanada noch anders. Man erinnere sich an das klare 4:0 Russlands gegen Finnland im Halb- oder das 8:2 zwischen Kanada und Norwegen im Viertelfinal.

An jedem Turnier gibt es Überraschungen, positive wie negative. Enttäuschend war das Abschneiden Deutschlands (15. Platz) und der Slowakei (10.), aber auch jenes der Schweiz (9.) als Gastgeber. Dass Teams wie Weissrussland (7.) und Lettland (8.) für Aufsehen sorgten, ist kein Zufall. Aus beiden Ländern nehmen Mannschaften in der KHL teil, das Niveau dort ist höher als in der Schweiz.

Neben Russland ist Kasachstan als viertes Land in dieser Liga vertreten. Resultat davon: Der Aufstieg in die A-Gruppe vor wenigen Wochen. Für Nationen wie die Slowakei, Deutschland, Tschechien und die Schweiz gilt es, das Niveau in der heimischen Liga zu halten bzw. zu erhöhen. Der Osten schläft nicht. (Philippe Jäggi, Bern)